La Razon
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San Lorenzo wirbelt den Sturm: 2:1 gegen Victoria nach Herzschlagfinale

Wenn im Nuevo Gasómetro die Lichter angehen, weht immer ein Hauch von Drama durch die Luft - und an diesem Freitagabend bekamen die 33.156 Zuschauer genau das serviert: Ciclon San Lorenzo rang Matadores Victoria mit 2:1 nieder, in einem Spiel, das von Anfang an aufgeladen war wie ein Sommergewitter über Buenos Aires.

Schon nach vier Minuten bebte das Stadion. Fernando Costa, der flinke Linksfuß mit dem Temperament eines Espresso-Doppels, drückte einen präzisen Pass von Adriano Quaresma über die Linie. "Ich hab einfach draufgehalten, bevor ich nachdenken konnte - das war wohl der Trick", grinste Costa später in der Mixed Zone. Trainer Eiko Henke klopfte ihm beim Abgang auf die Schulter, als wolle er sagen: "Genau so hab ich’s im Training gemeint - nur 20 Mal hintereinander."

Von da an rollte Angriffswelle um Angriffswelle auf das Tor von Humberto Flores. 18 Torschüsse verbuchte San Lorenzo am Ende, doch wer das Spiel sah, wusste: Es hätten auch doppelt so viele sein können. Quaresma, Cunha, Futre, Hermenegildo - sie alle versuchten ihr Glück, mal mit filigranen Finten, mal mit dem Mut der Verzweiflung.

Die Gäste aus Victoria dagegen wirkten zunächst wie ein Schülerorchester, das das erste Mal ohne Dirigent auftritt. Erst der 17-jährige Jose Rodrigo brachte ab der 30. Minute Leben in die vorderen Reihen. Seine Schnelligkeit war atemberaubend, sein jugendlicher Überschwang ebenso - inklusive drei wilder Abschlüsse, die eher auf den Parkplatz als ins Tor zielten.

Nach der Pause blieb das Bild ähnlich: San Lorenzo dominierte mit 53 Prozent Ballbesitz, Victoria lauerte auf Konter, die meist an der Mittellinie endeten. Als Carles Capucho in der 58. Minute Gelb sah, rief Henke seinem Youngster zu: "Carles, der Ball ist dein Freund, nicht der Gegner!" Der 18-Jährige grinste, und das Publikum lachte mit.

Dann kam die 77. Minute - und mit ihr Miguel Futre. Der bullige Linksaußen, der schon seit Wochen auf ein Erfolgserlebnis wartete, setzte sich nach einem abgefälschten Schuss energisch durch und drosch den Ball humorlos ins kurze Eck. 2:0 - und eigentlich war alles entschieden. Dachten zumindest alle außer Jose Rodrigo.

Nur 60 Sekunden nach Futres Treffer schnappte sich der Teenager einen Ball von Paulo Eusebio, tanzte zwei Verteidiger aus und verkürzte eiskalt auf 2:1. "Ich hatte keine Zeit, nervös zu sein", sagte Rodrigo danach mit einem Lächeln, das halb Stolz, halb Ungläubigkeit ausdrückte. Die Victoria-Fans schrien sich die Kehlen heiser, die letzten zehn Minuten wurden zum Nervenkrimi.

San Lorenzo wankte, aber fiel nicht. Keeper Nael Rodriguez parierte in der 90. Minute einen letzten Schuss von Rodrigo - die Hände klebrig vom Schweiß, das Gesicht voller Entschlossenheit. "Ich hab ihn genau angeschaut und wusste: Wenn er jetzt trifft, krieg ich von Henke nie wieder frei", witzelte Rodriguez nach Abpfiff.

Die Statistiken bestätigten, was das Auge längst gesehen hatte: 18:4 Schüsse, 57 Prozent Zweikampfquote, leichtes Übergewicht im Ballbesitz - San Lorenzo hatte das Spiel im Griff, auch wenn die letzten Minuten anderes vermuten ließen.

Trainer Eiko Henke zeigte sich zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben gut gespielt, aber ich hätte gern weniger Adrenalin gebraucht. Am Ende haben wir uns selbst in die Bredouille gebracht." Auf die Frage, ob er Rodrigo verpflichten würde, schmunzelte er: "Nur, wenn er alt genug ist, um sein eigenes Taxi zum Training zu bezahlen."

Und tatsächlich - das Spiel hatte alles, was der argentinische Fußball liebt: frühe Euphorie, jugendlichen Leichtsinn, ein bisschen Chaos und am Ende einen Sieg, der sich wie Arbeit anfühlte.

Als die Fans nach dem Abpfiff noch einmal ihre Schals schwangen, hallte das Echo des Abends in der kühlen Luft nach. Henke verschwand in den Katakomben, Costa signierte noch ein paar Trikots, und Futre ließ sich feiern - endlich wieder Torschütze, endlich wieder Held.

Vielleicht war’s kein perfektes Spiel, aber ein typisches für San Lorenzo: wild, unberechenbar, und gerade deshalb so verdammt unterhaltsam. Und irgendwo draußen auf dem Parkplatz soll ein Ball liegen, den Jose Rodrigo in der 66. Minute ins Dunkel jagte - ein kleiner Beweis, dass Fußball manchmal eben doch Kunst ist.

07.01.643994 09:18
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