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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob im Stadtparkstadion von Rüsselsheim heimlich ein Zaubertrank ausgeschenkt wurde. 55.000 Zuschauer erlebten beim Halbfinal-Hinspiel der Conference League ein Fußballfest, das in den ersten 31 Minuten praktisch entschieden war - und das gegen niemand Geringeren als Gatalasaraj, den glamourösen Klub vom Bosporus. Die Gastgeber legten los, als wollten sie die Gäste im eigenen Strafraum einmauern. Schon in der 2. Minute zappelte der Ball im Netz: Martin Dens, der schnelle Linksaußen mit dem ewig leicht ironischen Grinsen, traf nach Vorarbeit von Linus Hausmann aus spitzem Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", sagte Dens später lachend, "aber der Ball hatte wohl eigene Pläne." Gatalasaraj wirkte geschockt, und noch ehe Trainer Carlo Colucci seine schicke Designerjacke richtig zuknöpfen konnte, klingelte es erneut. Zehnte Minute - Eckball, Getümmel, und ausgerechnet Innenverteidiger Max Stapleton drosch den Ball humorlos unter die Latte. "Ich wusste gar nicht, dass ich so einen Schuss habe", grinste der Defensivmann, während Mitspieler ihm imaginär den Torschützenorden anhefteten. Kurz darauf keimte bei den Gästen Hoffnung auf: Stilian Kolew, der erfahrene Mittelstürmer, verwertete in der 12. Minute eine feine Vorlage von Sean Kennedy zum 2:1. Ein Treffer, der Gatalasaraj kurzzeitig den Atem zurückgab. Doch die Euphorie dauerte keine Viertelstunde. Rüsselsheim antwortete mit der Präzision eines Uhrwerks. In der 28. Minute war erneut Dens zur Stelle - diesmal nach Pass von Stapleton. Ein Stürmer und ein Innenverteidiger, die sich die Tore gegenseitig auflegen - das sah man selten. Nur drei Minuten später war es dann Linus Hausmann selbst, der das 4:1 markierte. Oscar Moutinho flankte, Hausmann stieg höher als alle anderen und köpfte den Ball unhaltbar ins Eck. Vier Tore in einer halben Stunde - manch Zuschauer guckte ungläubig auf die Anzeigetafel, als hätte sie einen Softwarefehler. "Wir haben uns vorgenommen, mutig zu spielen", erklärte Rüsselsheims Trainer Joao Felipe nach der Partie. "Aber dass die Jungs so früh so heiß laufen, hätte ich nicht mal in meinen besten Träumen erwartet." Sein Gegenüber Colucci sah das naturgemäß anders: "Ein Albtraum. Wir waren nicht da, nicht wach, nicht daheim. Vielleicht kam der Anpfiff zu früh - oder die Rüsselsheimer zu schnell." Statistisch war die Sache klar, aber nicht so einseitig, wie das Ergebnis vermuten lässt. 16 Torschüsse für die Hausherren, 11 für die Gäste, dazu 55 Prozent Ballbesitz für den FC Rüsselsheim. Doch während die Hessen ihre Chancen gnadenlos nutzten, wirkten die Türken im Abschluss seltsam zögerlich. Yildirim Oktay hatte nach der Pause gleich dreimal die Gelegenheit zum Anschlusstreffer, scheiterte aber jeweils am glänzend reagierenden Keeper Erik Wild. Die zweite Halbzeit plätscherte dann eher dahin - jedenfalls im Vergleich zum Feuerwerk der ersten 45 Minuten. Rüsselsheim verwaltete souverän, Gatalasaraj kämpfte, wechselte, rannte - und fand doch kein Mittel. In der 60. Minute kam bei den Gästen Curt Schreiner für den überforderten Ezequiel Pacos, später durfte der 19-jährige Rauf Tanman noch ein paar Minuten internationale Luft schnuppern. "Ich wollte einfach laufen, egal wohin", sagte der Youngster hinterher, "aber der Ball schien uns heute zu meiden." Einziger Wermutstropfen für die Gastgeber: Walter Thiel sah in der 15. Minute Gelb, nachdem er am eigenen Strafraum etwas rustikal klärte. "Das war mehr Ball als Bein", beschwerte er sich halb im Spaß. Schiedsrichter und Publikum sahen das naturgemäß unterschiedlich. Am Ende blieb es beim 4:1, einem Ergebnis, das fast schon nach Vorentscheidung riecht - auch wenn Joao Felipe mahnte: "Wir haben erst Halbzeit. In Istanbul wird’s heiß, das weiß jeder." Trotzdem durfte in Rüsselsheim gefeiert werden, und wie. Auf den Tribünen tanzten Fans, einer hielt ein Schild hoch: "Konferenz beendet - Rüsselsheim spricht jetzt international!" Ob das Rückspiel tatsächlich nur Formsache wird, bleibt abzuwarten. Aber wer an diesem Abend im Stadion war, wird sich noch lange daran erinnern, wie aus einem Außenseiter plötzlich ein Titelkandidat wurde - und wie ein Innenverteidiger namens Stapleton kurzzeitig zum Torjäger mutierte. Vielleicht war es kein Zaubertrank, sondern einfach guter Fußball. Aber wenn man die Gesichter der Fans nach dem Schlusspfiff sah, hätte man schwören können, dass in Rüsselsheim an diesem Abend etwas Magisches in der Luft lag. 22.08.643993 08:07 |
Sprücheklopfer
Es wird nicht ganz zur Routine, weil ich ja mittlerweile auch die Mütter gewechselt habe.
Felix Magath auf die Frage, ob Geburten ab dem fünften Kind schon zur Routine werden