Sport-Blick
+++ Sportzeitung für Schweiz +++

Rot-Weiss stolpert, Chiasso jubelt - ein Abend voller kleiner Dramen

Ein kalter Januarabend in Zürich, Flutlicht, 32.000 Zuschauer - und am Ende ein Spiel, das mehr über Charakter als über Taktik erzählte. Rot-Weiss Zürich verliert am 4. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 1:2 gegen den SC Chiasso, obwohl das Spiel über weite Strecken so ausgeglichen war wie ein Münzwurf im Wind. Ballbesitz fast pari (51 zu 49 Prozent), aber die Gäste aus Chiasso hatten den klareren Plan: offensiv, aggressiv, mit Flügelspiel und einer Prise jugendlicher Unbekümmertheit.

Der Beginn war so, wie man ihn von einem Winterspiel erwartet: rutschig, nervös, und die Spieler schauten öfter auf ihre Stollen als auf den Ball. Schon in der 2. Minute prüfte Chiassos Jungspund Walther Hermann den Zürcher Keeper Joel Seiler - ein satter Schuss, aber Seiler hatte noch warme Finger. Es war das erste von insgesamt 15 Schüssen aufs Tor der Gäste, und der Auftakt zu einem Abend, an dem der Zürcher Torwart mehr zu tun bekam als ihm lieb war.

In der 14. Minute dann der erste kleine Schock: Michel Engel von Chiasso verletzte sich bei einem Sprintduell. "Ich hörte nur ein *Knack*, dachte aber, es sei das Eis im Rasen", witzelte später Mannschaftskollege Isaac Millington, der prompt eingewechselt wurde - und fortan auf rechts ordentlich Betrieb machte. Zwei Minuten später die erste Gelbe Karte: Volker Neumann holte sich nach einem rustikalen Einsteigen den Eintrag ins Notizbuch des Schiedsrichters. Trainer Heiko Vogel schüttelte nur den Kopf und murmelte: "Der Junge verwechselt manchmal die 1. Liga mit Rugby."

Die erste Halbzeit blieb torlos, aber keineswegs ereignislos. Chiasso drückte, Zürich konterte, und beide Teams hatten Chancen. Rot-Weiss versuchte es strukturiert, mit kurzen Pässen und viel Mittelfeldgeplänkel, während Chiasso wild und direkt blieb - "Wir wollten einfach draufhalten", grinste später Torschütze John Lochiel.

Nach dem Seitenwechsel dauerte es nur fünf Minuten, bis das Spiel explodierte. In der 50. Minute traf eben jener Lochiel nach Vorarbeit von Per Hogmo - ein kraftvoller Abschluss, Seiler ohne Chance. 0:1, und plötzlich war Feuer im Spiel. Doch wer glaubte, Zürich würde sich ergeben, irrte. Nur drei Minuten später antwortete der junge Alexandre DeBrosse mit einem wuchtigen Schuss nach Pass von Routinier Sander Wetherwax. 1:1 - und das Stadion bebte.

"Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber dann kam er zurück wie ein Bumerang", lachte DeBrosse nach dem Spiel. Trainer der Zürcher - der sich die Hände vors Gesicht schlug, als der Ausgleich fiel, weil er den Jubel gar nicht glauben konnte - rief seinem Team zu: "Jetzt dranbleiben!" Und sie blieben dran - zumindest für eine halbe Stunde.

Doch Chiasso wäre nicht Chiasso, wenn sie nicht nochmal zugestochen hätten. In der 85. Minute, als viele Zuschauer schon mit einem Unentschieden liebäugelten, zog der 18-jährige Lionel Santos aus 20 Metern ab. Eine Mischung aus Wucht und Präzision, wie man sie selten bei einem Teenager sieht. Vorlage kam von Alejandro Poncela, der erfahren genug ist, um zu wissen, wann man abspielt statt selbst den Helden zu geben. 2:1 für Chiasso - und diesmal gab’s kein Zürcher Aufbegehren mehr.

"Wir haben uns das am Ende selbst eingebrockt", knurrte Wetherwax, der mit 33 Jahren die Ruhe selbst ist - normalerweise. "So viele Chancen, aber zu wenig Mut." Tatsächlich hatte Zürich neun Torschüsse, viele davon harmlos. Chiasso war giftiger, bissiger, und ihre drei Gelben Karten (Neumann, Hogmo, Claude) erzählten das gleiche.

Trainer Heiko Vogel resümierte nach dem Schlusspfiff mit einem Grinsen: "Wir wollten offensiv spielen - und das haben die Jungs wörtlich genommen. Sogar unser rechter Verteidiger hat ein Assist gegeben."

Während Chiasso jubelnd zum Fanblock lief, schlich Zürich vom Platz. Ein paar Pfiffe, ein paar aufmunternde Rufe - Fußball eben. Der Abend endete mit frostigem Händeschütteln, und irgendwo in der Kurve summte einer: "Es war mehr drin."

Ein Spiel, das keiner so schnell vergisst - nicht wegen der Technik, sondern wegen der Energie. Chiasso stürmt mit jugendlicher Wildheit, Zürich sucht noch den Rhythmus. Und irgendwo zwischen Lochiel und Santos lag die Erkenntnis des Abends: Wer öfter schießt, trifft eben manchmal auch öfter.

Oder, wie es Vogel trocken sagte: "Statistik ist schön, Tore sind schöner."

22.02.643987 20:17
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel.
Lukas Podolski
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager