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Es war einer dieser Abende an der Anfield Road, an denen das Flutlicht heller strahlte als die Sterne über der Mersey. 40.516 Zuschauer waren gekommen, um zu sehen, wie die Liverpool Reds die Blackpool Seasiders mit 4:0 vom Platz fegen - und viele dürften sich gefragt haben, ob die Gäste ihre Badehosen noch anhatten, so nass wurden sie gespielt. Bereits nach sieben Minuten gab Ashton Hoskins den Ton an. Ein quirliger Rechtsaußen, 22 Jahre jung, flink wie ein Terrier und offenbar mit einem Navi im Fuß. Nach Pass von Philip Becker zog er von der Strafraumkante ab - und ehe Blackpools Keeper Jamie Lester überhaupt die Arme hob, zappelte der Ball schon im Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", stammelte Lester später, "aber dann jubelten sie schon wieder." Liverpool blieb gierig. 24 Torschüsse feuerten die Reds insgesamt ab, während die armen Seasiders nur dreimal halbherzig gen Tor schauten. Ballbesitz? 57 zu 43 Prozent - eine Zahl, die das Kräfteverhältnis treffend beschreibt. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte Blackpools Trainer trocken, "aber offenbar haben wir vergessen, den Ball mitzunehmen." In der 40. Minute folgte das 2:0 - und es war ausgerechnet Innenverteidiger Oliver Beecroft, der nach Hoskins’ Eckball am höchsten stieg und den Ball wuchtig einköpfte. Sein Jubel? Ein stilles Nicken, als wolle er sagen: "Ich kann’s ja eigentlich nicht glauben." Trainer Heiner Schneider grinste später: "Wir üben das ja nie im Training. Vielleicht sollten wir’s jetzt öfter probieren." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: mit Liverpool-Angriffen im Minutentakt. Lewis Valentine krönte in der 56. Minute seine starke Partie mit dem 3:0, nachdem Hoskins - erneut beteiligt - den Ball quergelegt hatte. Hoskins selbst grinste danach in die Kameras: "Ich wollte eigentlich schießen, aber dann dachte ich mir, Lewis braucht auch mal eins." Und weil’s so schön war, setzte Matthew Preston in der 68. Minute noch einen drauf. Der 21-Jährige traf nach klugem Zuspiel von Becker zum 4:0 - und das, obwohl Liverpool zu diesem Zeitpunkt nur noch zu zehnt war. Der junge Leif Bloch hatte kurz zuvor Gelb-Rot gesehen. "Das war keine Absicht", beteuerte Bloch, "ich wollte nur den Ball treffen - der war halt woanders." Die Fans nahmen’s mit Humor und sangen ironisch: "Bloch, du bist unser letzter Verteidiger - im wahrsten Sinne des Wortes." Blackpool versuchte es in der Schlussphase mit verzweifelter Offensive, doch Daniel Coelho und James Warriner fanden in Liverpools Keeper Reece Kendall ihren Meister. Dreimal musste der 22-Jährige ernsthaft eingreifen - und tat das mit der Ruhe eines Mannes, der lieber Sudoku spielt als Torwart. Statistisch war’s eine klare Sache: 24:3 Schüsse aufs Tor, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, zwei Gelbe und eine Gelb-Rote Karte. Taktisch blieb Liverpool über weite Strecken ausgewogen, während Blackpool nominell offensiv spielte, praktisch aber kaum über die Mittellinie kam. Nach dem Spiel lehnte sich Coach Schneider entspannt an die Werbebande. "Wir haben einfach Spaß am Fußball", sagte er, "und wenn dabei vier Tore rauskommen, beschwert sich keiner." Sein Gegenüber nickte müde: "Wir hätten auch Spaß gehabt - wenn wir mal den Ball gesehen hätten." Dass die jungen Wilden der Reds zunehmend den Ton angeben, dürfte den Fans gefallen. Hoskins, Valentine, Preston - kaum einer älter als 26, aber alle mit Spielwitz und Tempo. "Das ist die Zukunft", meinte Becker, der Routinier im Mittelfeld, "und ich halte ihnen so lange den Rücken frei, bis ich auch noch eins reinmache." Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Zuschauer minutenlang. Kein nervöses Warten, kein Zittern, einfach nur Zufriedenheit. Ein 4:0, das so souverän war, dass selbst die Möwen über dem Stadion kurz innehielten. Vielleicht war’s nur ein Spiel am 8. Spieltag der Premier League - aber es fühlte sich an wie ein Statement. Liverpool hat Lust auf mehr. Und Blackpool? Nun, die werden in der nächsten Einheit wohl Strandläufe machen. Nicht zum Spaß, sondern zur Erinnerung daran, dass man auch im Wasser nicht einfach stehen bleiben darf. Und irgendwo auf der Tribüne, so erzählt man sich, soll ein älterer Fan geschmunzelt haben: "So spielt man Fußball - und nicht Beachvolleyball." 10.04.643987 03:55 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer