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29417 Zuschauer im Stadion von Roosendaal sahen an diesem frostigen Februarabend ein Spiel, das so gar nichts von einem biederen Abstiegskampf hatte. Der SC Roosendaal fertigte den großen Favoriten Ayax Amsterdam mit 3:0 ab - und das mit einer Spielfreude, die ansteckend wirkte. Während Trainer Thomas Ga nach Abpfiff schelmisch grinste ("Ich hab den Jungs gesagt: Tut so, als spielt ihr auf dem Schulhof"), wirkte sein Gegenüber aus Amsterdam, dessen Name man an diesem Abend besser verschweigt, als habe er lieber in der Bibliothek bleiben sollen. Dabei begann alles recht unspektakulär. Ayax, wie immer offensiv eingestellt, versuchte von Beginn an, den Gastgeber früh zu beeindrucken. Schon in der ersten Minute zog Dirk van Buren von rechts ab - der Ball rauschte knapp am Pfosten vorbei. "Da dachte ich, oh weh, das wird lang", gab Roosendaals Torhüter Eustatius Cure später zu. Doch das war’s dann fast schon mit der Amsterdamer Herrlichkeit. Von da an übernahm Roosendaal das Kommando - mit 56 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote, die jedem Physiklehrer Freude gemacht hätte: 56,27 Prozent. In der 18. Minute gab’s die erste Gelbe Karte für Roosendaals Mittelfeld-Abräumer Tord Abelson, der offenbar fand, dass der Ball auch mal durch den Gegner hindurch darf. Doch das störte die Gastgeber wenig. Sie kombinierten, liefen, lachten - und trafen. Kurz vor der Pause, in der 45. Minute, bediente ausgerechnet der zuvor Verwarnte seinen Kollegen Hans Scharf. Der 21-Jährige nahm Maß und versenkte den Ball unhaltbar ins rechte Eck. 1:0. Der Jubel auf den Tribünen war so laut, dass man im nahegelegenen Stadtpark vermutlich die Enten aufflattern sah. In der Kabine, so verriet Scharf später, habe Trainer Ga nur gesagt: "Weiter so, aber denkt dran - Ayax ist wie ein angeschlagener Boxer: gefährlich, wenn man lacht." Offenbar lachten die Roosendaaler trotzdem, denn was danach kam, war ein Fußballfest. Die zweite Halbzeit begann mit einer Sturmflut an Angriffen, die Amsterdam kaum noch sortieren konnte. Timm Otto, quirlig wie ein Terrier im Ballparadies, schoss in der 69. Minute das 2:0. Diesmal hatte Hans Scharf den Ball über links perfekt in den Strafraum gezirkelt. "Ich hab den Wind berechnet", witzelte Scharf später, "und dann einfach gehofft, dass Timm nicht stolpert." Stolpern tat nur die Abwehr von Ayax, und Otto traf trocken ins Eck. Kaum zwei Minuten später war wieder Jubel angesagt: Vitorino Hernandez, der flinke Linksaußen, setzte sich nach Pass von Nils Singer durch und vollendete zum 3:0. Ein Doppelschlag, der Amsterdam endgültig in die Verzweiflung trieb. "Da wollte plötzlich keiner mehr den Ball", meinte Roosendaals Kapitän Finn Bendixen mit einem Grinsen. Ayax hatte da längst aufgegeben, auch wenn Slaven Tapalovic in der 73. Minute noch einmal prüfte, ob man Cure vielleicht doch überwinden könnte. Konnte man nicht. Der Keeper flog, als ginge es um ein Casting für Superheldenfilme, und rettete spektakulär. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 20 Torschüsse für Roosendaal, nur fünf für Amsterdam. Ballbesitz? 56 zu 44 Prozent. Tacklings? Ebenfalls zugunsten der Gastgeber. Wer’s nüchtern betrachtet, erkennt: Hier spielte nicht ein Außenseiter gegen einen Favoriten, sondern ein Team, das an sich glaubt, gegen eines, das seine Ideen verloren hat. Nach dem Spiel standen die Roosendaaler Spieler Arm in Arm vor der Fankurve. "Wir haben heute gezeigt, dass man auch mit Humor gewinnen kann", rief Tord Abelson ins Mikrofon. Sein Trainer hob die Augenbrauen: "Humor ja, aber bitte keine weiteren Gelben Karten." Von Ayax Amsterdam war da längst kaum noch jemand zu sehen. Manch einer soll schon Minuten vor dem Schlusspfiff Richtung Kabine verschwunden sein - vielleicht, um sich den Spielbericht im Fernsehen zu ersparen. Und so endete dieser Abend mit einem leuchtenden "3:0 (1:0)" auf der Anzeigetafel und einem Stadion, das noch lange nicht nach Hause wollte. Thomas Ga brachte es schließlich auf den Punkt: "Manchmal gewinnt nicht der, der den besseren Kader hat, sondern der, der mehr Spaß am Spiel hat." Wenn das stimmt, dann war der SC Roosendaal an diesem 32. Spieltag der Spaßmeister der Liga. Und Ayax? Nun ja, die sollten vielleicht beim nächsten Mal Pressing nicht nur auf dem Papier ankündigen. 11.04.643990 23:52 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer