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Wenn ein Spiel erst in der zweiten Halbzeit explodiert, dann meistens so richtig. Der SC Roosendaal besiegte am Freitagabend im heimischen Stadion vor 27.580 Zuschauern die Rotterdam Lords mit 4:0 (0:0) - und das auf eine Art, die selbst die hartgesottensten Polder-Fans kurz an die Schönheit des Fußballs glauben ließ. Vier Tore, vier verschiedene Geschichten, ein klarer Trend: Die Lords aus Rotterdam hatten zwar fast gleich viel Ballbesitz (49,4 Prozent), aber das war auch schon das Beste an ihrem Abend. Dabei begann alles so harmlos. Die erste Hälfte war, um es freundlich zu sagen, ein taktisches Schachspiel in Zeitlupe. "Ich hab in der Pause zu den Jungs gesagt: Wenn wir noch langsamer spielen, schläft der Stadionsprecher ein", witzelte SC-Trainer Thomas Ga später mit einem Grinsen. Tatsächlich schien Roosendaal zunächst eher auf Sicherheit bedacht. Christiano Conceicao prüfte früh den Gästekeeper (1. Minute), doch danach passierte offensiv wenig - 0:0 zur Pause, höflicher Applaus, aber keine Begeisterung. Dann kam die 50. Minute, und mit ihr der Wendepunkt. Der junge Bram Ingels musste nach einem Foul verletzt raus, für ihn kam Timm Otto. Und plötzlich war Leben auf dem rechten Flügel. Vier Minuten später legte Otto mit seinem ersten Ballkontakt mustergültig für Nils Singer auf - 1:0 (54.). Das Stadion erwachte schlagartig, und Singer jubelte, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich wollte einfach nur zeigen, dass wir noch da sind", sagte der 23-Jährige hinterher. Rotterdam wankte, und Roosendaal roch Blut. Nur neun Minuten später (63.) fasste sich der 19-jährige Thijs Landseer aus der Distanz ein Herz - und traf sehenswert ins rechte Eck. Vorlage kam vom Routinier Miroslav Novinic, der mit 37 Jahren immer noch Pässe spielt, die andere nur am Controller hinbekommen. "Der Junge schießt, als hätte er nie was anderes gemacht", raunte Novinic nach dem Abpfiff stolz. Während Gästetrainer - dessen Name in den offiziellen Statistiken erstaunlicherweise verloren ging - an der Seitenlinie immer hektischer gestikulierte, schraubte Roosendaal das Ergebnis weiter nach oben. In der 71. Minute bediente Issac Blood den agilen Hans Scharf, der trocken zum 3:0 einschob. Ein Tor, so einfach wie schön - und so endgültig wie das Schicksal der Lords an diesem Abend. Die Gäste versuchten es zwar mit ein paar harmlosen Distanzschüssen - Ignati Schadrin und Pieter Onderdonk hatten ihre Momente -, doch der Ball wollte nicht rein. Und als wäre das alles noch nicht deutlich genug, setzte Christiano Conceicao in der 95. Minute den Schlusspunkt: Nach Vorlage von Nils Singer drückte der Portugiese den Ball zum 4:0 über die Linie. Trainer Ga jubelte nur kurz, dann setzte er sich wieder auf die Bank, als wolle er sagen: "Wir hätten auch fünf machen können." Rotterdam hingegen wirkte ratlos. Eine gelbe Karte für Maarten Mesick (74.) symbolisierte die Frustration. "Wir waren im Kopf nicht da", sagte Keeper Rui Veloso zerknirscht. "Nach dem zweiten Gegentor haben wir aufgehört, an uns zu glauben." Die Statistik unterstreicht das Bild: 16 Torschüsse für Roosendaal, nur acht für die Lords. Der Ballbesitz nahezu pari, aber die Effizienz - ein Klassenunterschied. Und auch die Körpersprache: Während Roosendaal nach jedem Treffer enger zusammenrückte, schauten sich die Gäste nur noch fragend an. Nach dem Spiel sah man einige Fans der Hausherren noch lange auf den Tribünen stehen. Einer rief lachend: "Endlich mal wieder ein Freitag, an dem man nicht früh ins Bett muss!" Und tatsächlich: Für Roosendaal war dieser Abend mehr als nur ein Sieg - es war ein Statement. Vielleicht, so munkelt man in der Stadt, war das die Geburtsstunde eines echten Titelanwärters. Trainer Ga hielt sich zwar mit großen Worten zurück, aber selbst er konnte sich ein breites Lächeln nicht verkneifen: "Wenn die Jungs so weiterspielen, darf man ruhig träumen. Aber bitte erst nach dem Training." Ein bisschen Sarkasmus, ein bisschen Demut - und vier Tore. Der SC Roosendaal hat an diesem 9. Spieltag der Eredivisie gezeigt, dass man auch mit "balancierter" Taktik (laut Statistik) höchst unbalancierte Ergebnisse erzielen kann. Die Lords aus Rotterdam dagegen werden noch lange rätseln, wie man mit fast gleich viel Ballbesitz so deutlich verlieren kann. Und während die Flutlichter erloschen, murmelte ein älterer Fan beim Verlassen der Tribüne: "Manchmal ist Fußball eben einfach gerecht." Ein Satz, der an diesem Abend wohl selbst in Rotterdam niemand widersprochen hätte. 02.05.643987 18:15 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund