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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball altmodisch ehrlich roch: nach kalter Luft, nasser Wiese und einem Hauch Nostalgie. 45.321 Zuschauer hatten am 8. Spieltag der 1. Liga Schweiz den Weg ins Kybunpark gefunden, um zu sehen, ob der SV St. Gallen gegen den SC Basel endlich wieder Glanz zeigen würde. Das taten sie - auf ihre eigene, leicht chaotische Art. Basel begann, wie man es erwarten konnte: offensiv, selbstbewusst, fast schon überheblich. Trainer Joschi Du schickte seine Elf mit der Anweisung "alles über die Flügel" ins Rennen - und in den ersten Minuten flatterten die Pässe auch tatsächlich wie Schmetterlinge durch den Strafraum der St. Galler. Schon in der 16. Minute wurde der Druck belohnt: Luke Neville, der Mann mit dem britischen Namen und dem Schweizer Herz, jagte den Ball nach Zuspiel von Alex Silfredo unhaltbar ins Netz. 0:1, und die Basler Kurve tobte. Doch wer glaubte, die Geschichte sei damit auserzählt, kennt Walther Römer nicht. 42 Jahre alt, Stürmer alter Schule, ein Typ, der noch mit Doppelknoten und Lederbällen groß wurde. In der 33. Minute stand er da, wo Mittelstürmer stehen müssen: mitten im Chaos, zwischen Abwehrbeinen und Torwartarmen. Niko Franz, der junge Spielmacher, legte ihm den Ball butterweich auf - Römer nahm Maß, ein Schuss, ein Jubel, 1:1. Kaum hatten sich die Basler von diesem Schock erholt, schlug St. Gallen erneut zu. Zwei Minuten später, 35. Minute, Miguel Djalo, der flinke Rechtsaußen, zog nach einem Querpass von Robert Thiele ab, als hätte er etwas zu beweisen. Der Ball zischte in die lange Ecke - 2:1. Das Stadion vibrierte, Trainer Mike Pregler riss die Arme hoch und brüllte Richtung Ersatzbank: "Ich hab’s euch gesagt, Jungs! Geduld und ein bisschen Wahnsinn!" Danach wurde es ein Spiel für Taktikfüchse und Nervenstarke. Basel hatte mehr Ballbesitz (51,8 %), mehr Torschüsse (11:8), aber weniger Glück. St. Gallen verteidigte mit der Leidenschaft eines Amateurvereins im Pokal - manchmal wild, manchmal wacklig, aber immer mit vollem Einsatz. "Wir haben gebissen wie Terrier", grinste Verteidiger Yannick Schaller, der sich in der 52. Minute eine gelbe Karte abholte und trotzdem bis zur letzten Minute kämpfte. Die Szene, die das Spiel endgültig kippte, kam in der 72. Minute: Yves Doucet, Basels linker Außenverteidiger, sah nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. "Ich hab doch nur den Ball berührt", protestierte er - allerdings war der Ball da schon längst im Seitenaus. Referee Keller blieb unbeeindruckt, Doucet stapfte vom Platz, und Basel musste zu zehnt weiter. "Da war der Stecker raus", gab Trainer Du später zu. "Wir haben weiter gedrückt, aber ohne linke Seite war’s wie ein Auto mit drei Rädern." Tatsächlich rannte Basel an, Lucas Ackland prüfte den St. Galler Keeper Liam Buffet gleich drei Mal (68., 88., 96. Minute), doch der Torwart hielt alles, was nach Leder roch. "Ich wollte heute einfach nicht verlieren", sagte Buffet nach dem Spiel mit einem Grinsen. "Und wenn’s sein muss, hätte ich den Ball auch mit dem Gesicht gehalten." Pregler reagierte clever: Er nahm den müden Römer in der 65. Minute vom Feld ("der Mann hatte mehr Kilometer in den Beinen als mein Auto"), brachte Horst Ernst und später Claude Stein, der frischen Wind über rechts brachte. Basel versuchte es mit einem letzten Wechsel (Del Carretto für Bonald), doch das Spiel war längst ein St. Galler Abwehrballett. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich die Grün-Weißen in den Armen. Pregler lächelte in die Kameras: "Wir sind vielleicht nicht die Schönsten, aber heute waren wir die Schlauesten." Basel dagegen verließ das Feld mit hängenden Köpfen, aber fairen Worten. Kapitän Bonald meinte: "Manchmal macht Fußball keinen Sinn. Heute war so ein Tag." Und vielleicht war genau das das Schönste an diesem Abend: Ein Spiel, das nicht logisch war, sondern leidenschaftlich. St. Gallen siegte 2:1, Römer schrieb mit 42 Jahren noch einmal Geschichte, und Basel lernte, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Man sagt, Fußball sei ein einfaches Spiel - 22 Männer jagen einem Ball hinterher, und am Ende gewinnt… manchmal eben der, der es am meisten will. An diesem Abend war das eindeutig St. Gallen. 10.04.643987 04:31 |
Sprücheklopfer
Die Flanken von außen sind auch Roberto Carlos und Cafu denen ihre Spezialität.
Andreas Brehme