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Ein lauer Januarabend im Stadio Olimpico, 47.393 Zuschauer und ein Spiel, das zunächst so gar nicht nach dem Geschmack der römischen Tifosi verlief. Am Ende aber jubelte die AS Rom über ein 2:1 gegen den AS Bologna - ein Sieg, der nach einem nervösen Auftakt und einem Rückstand zur Pause eher nach Arbeit als nach Glanz aussah. Doch wer braucht schon Glanz, wenn man Drama haben kann? Trainer An Sp, sonst eher ein Mann der kühlen Worte, hatte schon vor dem Anpfiff gewarnt: "Bologna ist gefährlich, wenn man sie lässt." Seine Spieler schienen das zunächst missverstanden zu haben - sie ließen. Und wie. Nach gerade einmal 21 Minuten war es Daniele Lorusso, der einen herrlich präzisen Pass von Ludvig Jensen nutzte, um die Gäste in Führung zu bringen. Keeper Angelo De Angelis flog noch, aber der Ball flog besser. 0:1 - kalte Dusche für Rom. Der Rest der ersten Halbzeit war ein Musterbeispiel in italienischer Nervenkunst. Gianni Decollatura, der 35-jährige Routinier im römischen Sturm, drosch in der 22. Minute den Ball über die Latte, als wollte er ihn bis zum Vatikan schicken. "Ich wollte ihn eigentlich flach halten", grinste er später, "aber vielleicht war ich zu euphorisch." Zur Pause reagierte Sp - und zwar nicht nur auf dem Papier. Der 17-jährige Christian Pappalardo kam für den erschöpften Christian Moeller in die Innenverteidigung. Und er machte das, was Teenager in Rom offenbar am besten können: er spielte furchtlos. Doch das wahre Wunderkind betrat seine Bühne erst wenig später. Declan Rice, ebenfalls 17, zentraler Mittelfeldspieler mit der Coolness eines Baristas, der schon tausend Espressi serviert hat, traf in der 64. Minute zum Ausgleich. Nach feinem Zuspiel von Pablo Viqueira zog der Youngster aus 20 Metern ab - und der Ball zischte ins rechte Eck. 1:1. Das Stadion erwachte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Rice später, "Trainer Sp meinte, ich soll mutig sein - also war ich’s." Bologna versuchte, sich nicht beeindrucken zu lassen, aber die Zeichen standen auf römische Auferstehung. Ferdinand Mayer, der Coach der Gäste, war nach dem Spiel sichtlich genervt: "Wir haben zu passiv reagiert. Vielleicht dachten einige, das 1:0 reicht. In Rom reicht nie irgendwas." Die Partie blieb offen, bis in die Schlussphase hinein. Bologna wechselte fröhlich durch - ein 17-jähriger Rechtsverteidiger namens Giorgio Tripodi durfte ran, und kurz darauf musste Mittelfeldmann Edoardo Aiello verletzt raus. "Das war der Knackpunkt", meinte Mayer später. Und dann kam die 84. Minute - die Erlösung für Rom. Diesmal war es der Vorlagengeber des ersten Treffers, Pablo Viqueira, der selbst traf. Nach einem schnellen Angriff über den rechten Flügel legte der junge Salvatore Girifalco quer, und Viqueira schob mit der Ruhe eines erfahrenen Dirigenten ein. 2:1 - das Olympico explodierte. Die letzten Minuten? Zittern, Schreien, Fluchen. Bologna warf alles nach vorn, Christoph Engelhardt prüfte in der 91. Minute noch einmal De Angelis, aber der blieb standhaft. Maurizio Gravina sah in der Nachspielzeit Gelb - ein Symbol für den Frust der Gäste, die eine Stunde lang mindestens ebenbürtig gewesen waren. Statistisch gesehen war Rom leicht überlegen: 53,8 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse gegenüber 8 von Bologna. Doch die nackten Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit. Es war ein Spiel der Generationen - auf der einen Seite Decollatura, 35, der mit jedem Sprint gegen die Zeit kämpfte, auf der anderen Rice, 17, der gerade erst anfängt, sie zu verstehen. Trainer Sp fasste es nach dem Schlusspfiff trocken zusammen: "Wir haben schlecht angefangen, aber besser aufgehört. Das ist immerhin eine Steigerung." Und als ihn ein Reporter fragte, ob er in Rice schon den neuen Totti sehe, lachte er nur: "Langsam. Er kann ja noch nicht mal Auto fahren." Bologna hingegen trat die Heimreise mit hängenden Köpfen an. Mayer versprach, "daran zu arbeiten, dass wir in Zukunft nicht mehr so brav verlieren." Rom jubelte, die Kurve sang, und irgendwo auf der Tribüne soll ein alter Fan gemurmelt haben: "Solche Spiele machen einen alt." Vielleicht. Aber sie machen eben auch glücklich. Und so endete ein Abend, der mit Sorgen begann, mit einem Lächeln - und der beruhigenden Gewissheit, dass in Rom selbst ein 17-Jähriger zum Helden werden kann. 03.11.643987 21:10 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand