// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 28.882 Zuschauer im Stadion von Roosendaal - und ein Spiel, das in seiner Dramaturgie fast an eine Theateraufführung erinnerte: mit Helden, Verzweiflung und einem späten Happy End. SC Roosendaal besiegte den FC Den Haag mit 3:2 (1:1) und bewies dabei, dass 25 Torschüsse manchmal nicht Übermut, sondern purer Wille sind. Den Haag begann mutig, fast frech. Trainer Thomas Ga des Heimteams wurde später sagen: "Wir wussten, dass sie offensiv kommen würden. Aber ehrlich gesagt - so offensiv hatte ich sie nicht erwartet." In der Tat: Nach 27 Minuten zappelte der Ball im Netz der Gastgeber. Xavier Melendez, Den Haags Mittelstürmer, verwertete eine butterweiche Hereingabe von Björn Pfeiffer zum 0:1. "Ich hab einfach den Fuß hingehalten", grinste Melendez nach dem Spiel. "Das war wohl das Einfachste, was ich heute gemacht habe." Roosendaal wirkte kurz geschockt, aber nur kurz. Sechs Minuten später glich Sander Roemer mit einem trockenen Schuss ins rechte Eck aus - sein erstes von zwei Toren an diesem Abend. Das Zuspiel kam von Tord Abelson, der daraufhin vom eigenen Trainer mit einem Schulterklopfer und den Worten "Endlich mal ein Pass, der ankommt" bedacht wurde. Ein Satz, der in der Mixed Zone später noch für Gelächter sorgte. Zur Pause stand es 1:1, doch wer dachte, die Partie würde nun etwas ruhiger verlaufen, sah sich getäuscht. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff schlug Den Haag erneut zu. Evan LaClaire, der sonst eher für seine Flanken bekannt ist, traf aus halblinker Position zum 1:2. "Ich wollte eigentlich flanken", scherzte der 32-Jährige später. "Aber der Ball hat entschieden, lieber reinzugehen." Lange durfte Den Haag sich aber nicht freuen. Keine 60 Sekunden später stellte Roosendaals Vitorino Hernandez mit einem wuchtigen Linksschuss auf 2:2 - nach Vorlage von Timm Otto, der in der rechten Spur an diesem Abend wirbelte wie ein Windrad. "Da hab ich einfach gespürt, dass der Moment gekommen ist", sagte Hernandez, und man glaubte ihm jedes Wort. Was dann folgte, war ein Sturmlauf in Rot-Weiß. Roosendaal spielte, schoss, flankte und rannte, als gäbe es kein Morgen. 25 Torschüsse stehen am Ende zu Buche - Den Haag brachte es auf deren zwei. Die Gäste verteidigten mit allem, was sie hatten, inklusive purer Verzweiflung. Torhüter Sergio Mantecon hielt, was zu halten war, und manchmal auch, was eigentlich gar nicht zu halten war. Doch in der 78. Minute hatte selbst er keine Chance mehr: Wieder war es Roemer, der nach feiner Vorarbeit von Otto zum 3:2 traf. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend. Der Stadionsprecher kam gar nicht hinterher mit dem Nachsprechen der Namen, so laut sangen die Fans. "Da hab ich kurz Gänsehaut bekommen", sagte Trainer Ga, "und das passiert mir sonst höchstens bei Weihnachtsliedern." Danach kontrollierte Roosendaal das Geschehen - jedenfalls so weit man ein Fußballspiel kontrollieren kann, bei dem der Gegner in den letzten Minuten alles nach vorne wirft. Ein kleiner Wermutstropfen blieb: In der 93. Minute sah Nils Singer Gelb für ein taktisches Foul, das man auch als "Rettungstat" bezeichnen könnte. "Ich wollte nur sicherstellen, dass wir heute Abend schlafen können", witzelte Singer. Statistisch war das Spiel eine einseitige Angelegenheit: 52 Prozent Ballbesitz für Roosendaal, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 25:2 Torschüsse - und dennoch blieb es bis zum Schluss spannend. Den Haag spielte aufopferungsvoll, aber die Qualität und Entschlossenheit der Gastgeber gaben letztlich den Ausschlag. "Wir waren heute die Mannschaft mit dem dickeren Nervenkostüm", bilanzierte Ga trocken. Sein Gegenüber, der sichtlich gefasste Trainer von Den Haag, murmelte: "Wenn man nur zweimal aufs Tor schießt und trotzdem zwei Tore macht, darf man sich eigentlich nicht beschweren." Ein bisschen Philosophie, ein bisschen Selbstironie - und viel Fußball. Der SC Roosendaal klettert mit diesem Sieg näher an die oberen Tabellenränge heran, während Den Haag weiter unten festhängt. Am Ende blieb der Eindruck eines Abends, an dem Leidenschaft und Chaos Hand in Hand gingen. Und während die Flutlichter langsam erloschen, hörte man aus der Kabine der Gastgeber noch ein heiseres "So spielt man zu Hause!". Ein Satz, der wohl noch ein paar Tage durch Roosendaal hallen dürfte. 31.03.643990 09:05 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde