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Wenn 51.833 Zuschauer an einem Montagabend ins Stadio Romeo Neri pilgern, dann ahnen sie vielleicht, dass etwas Großes passieren könnte. Dass sie Zeugen eines fußballerischen Feuerwerks werden würden, das den Gästen aus Rom noch tagelang in den Ohren klingeln wird, damit hatte wohl selbst AS-Rimini-Trainer Fritz Fasching nicht gerechnet. "Ich wollte eigentlich nur, dass die Jungs mutig spielen", sagte der Österreicher nach dem 6:0 gegen den AS Rom mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und ungläubiger Freude lag. "Aber das war dann schon fast unverschämt gut." Unverschämt ist das richtige Wort. Denn was die Hausherren da auf den Rasen zauberten, war ein Angriff auf die Grundfesten der römischen Abwehrkunst. Schon in der dritten Minute klingelte es: Karl Lehmann flankte von links, Davib Musgrave - nominell Rechtsverteidiger, aber offenbar mit Drang zur Poesie - drosch den Ball aus gut 20 Metern unter die Latte. Der arme Villapiana im Tor der Römer sah dabei aus wie jemand, der gerade feststellt, dass er seinen Regenschirm vergessen hat. Kaum hatte sich Rom vom Schock erholt, stand es schon 2:0. In der siebten Minute startete Stille Manser einen beherzten Lauf über rechts, legte quer, und Arnau Gonzalo vollstreckte eiskalt. Die Gäste wirkten in dieser Phase wie eine Schulklasse, die plötzlich eine Mathearbeit schreiben soll - keiner wusste so recht, was hier eigentlich passiert. Rimini spielte weiter, als gäbe es kein Morgen. 18 Torschüsse, 49 Prozent Ballbesitz - das klingt nach Gleichgewicht, war aber in Wahrheit pure Dominanz. Rom hatte zwar leicht mehr Ballbesitz, aber ungefähr so viel Wirkung wie ein Kaffeelöffel im Sturm. Tommaso Fabbro versuchte es zweimal aus der Distanz, beide Male landete der Ball irgendwo in der Adria. Kurz vor der Pause dann der nächste Tiefschlag: In der 41. Minute legte wieder Lehmann auf, diesmal für den jungen Marnix Rutgers, der den Ball mit so viel Gefühl in den Winkel schlenzte, dass selbst die Fans der Gäste kurz klatschten. 3:0 zur Pause - und Rom wankte wie ein angeschlagener Boxer. "Ich habe in der Kabine gesagt: Jungs, spielt einfach weiter, aber bitte mit Spaß", erzählte Trainer Fasching später. Spaß hatten sie offenbar reichlich. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff traf Giulio Tripodi zum 4:0, und der 21-Jährige rannte jubelnd zur Eckfahne, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich wusste gar nicht, dass ich so schnell laufen kann", lachte Tripodi später, "aber irgendwie wollte ich einfach weg, bevor mich alle umarmen." Rom-Coach An Sp stand derweil stoisch an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen. "Wir haben eigentlich gar nicht so schlecht gespielt", meinte er hinterher, "aber Rimini hat halt getroffen, und wir… na ja, wir waren da." In der 71. Minute schlug Rutgers erneut zu - diesmal nach Vorlage von Tripodi. Und weil’s so schön war, legte Arnau Gonzalo nur eine Minute später das 6:0 nach, vorbereitet vom eingewechselten Alberto Verbicaro. Von der Tribüne hallten Gesänge, die mehr nach Karneval als nach Serie A klangen. Rom hatte endgültig kapituliert. Die Statistik sagt: Rom mit 51 Prozent Ballbesitz, Rimini mit 18 Schüssen aufs Tor, Rom mit fünf. Aber Statistiken sind hier wie Schönwetterberichte im Sturm - sie beschreiben nicht annähernd, was wirklich los war. Rimini kombinierte über die Flügel, attackierte mit Leichtigkeit, spielte Pässe, die wie Seidentücher über den Rasen glitten. Nach Abpfiff feierten die Spieler mit den Fans, während Trainer Fasching Richtung Presse grinste: "Ich sage den Jungs immer: Wenn ihr Spaß habt, kommt der Erfolg von selbst. Heute kam er gleich sechsmal." Arnau Gonzalo, Doppeltorschütze, fasste den Abend trocken zusammen: "Manchmal läuft’s halt. Heute lief’s wie auf Schienen - und Rom hat uns netterweise nicht aufgehalten." Und Rom? Deren Bus verließ das Stadion noch vor Mitternacht, die Gesichter leer, die Köpfe gesenkt. Es wird wohl eine lange Rückfahrt in die Hauptstadt gewesen sein. Ein 6:0, das in Rimini noch lange erzählt werden dürfte - mit leuchtenden Augen, einem Lächeln und dem Satz: "Weißt du noch, damals gegen Rom?" 01.09.643993 07:35 |
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