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Wenn ein 18-Jähriger und ein 20-Jähriger eine italienische Erstligapartie entscheiden, dann ist das entweder ein Zufall oder ein Zeichen. Im Falle von AS Rimini gegen Palermo Calcio (2:0) war es Letzteres - ein Spiel, das jung, frech und mitunter unverschämt direkt war. 52.047 Zuschauer im Stadio Romeo Neri sahen am Freitagabend eine Mannschaft, die endlich wieder den Mut hatte, Fußball zu spielen, statt ihn zu verwalten. Trainer Fritz Fasching grinste nach dem Abpfiff wie jemand, der gerade eine Wette gewonnen hat. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr das erste Tor macht, dürft ihr morgen ausschlafen", verriet der Österreicher mit einem Augenzwinkern. Gesagt, getan - und wie! Es lief die 37. Minute, als der blutjunge Rumäne Nicolae Deleanu, gerade einmal 18 Jahre alt, aus dem Rückraum Maß nahm. Nach feinem Zuspiel von Marnix Rutgers zog er trocken ab - 1:0. Der Ball zischte so präzise ins rechte Eck, dass Palermos Torwart Fernando Suero nur hinterherschauen konnte. Deleanu jubelte ungläubig, als hätte er gerade ein Lotterielos gefunden. "Ich dachte, der Ball sei zu hoch, ehrlich!", lachte er später in der Mixed Zone. "Aber er ist einfach reingeflogen - das war verrückt." Und als Palermo sich noch sortierte, schlug Rimini erneut zu. Nur drei Minuten später (40.) war es der 20-jährige Aleandro Caputo, der nach einem abgefälschten Pass von Innenverteidiger Dario Arcella goldrichtig stand und den Ball über Suero hinweg ins Netz hob. 2:0 - binnen drei Minuten war der Abend entschieden. Der Rest des Spiels? Eine Mischung aus jugendlichem Übermut und taktischer Reife, die man Rimini so nicht unbedingt zugetraut hätte. 52 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse und eine Zweikampfquote von 53 Prozent - das sind keine Zahlen eines Außenseiters. Palermo hingegen hatte zwar sieben Abschlüsse, doch nur selten echte Gefahr. Vincenzo Castello (21) mühte sich redlich vorne, traf aber eher die Werbebande als das Tor. Trainer Ofgqod Euogugezzh - dessen Name so kompliziert ist wie Palermos Offensivplan - sah das naturgemäß anders. "Wir waren die bessere Mannschaft", knurrte er in der Pressekonferenz. "Nur das Ergebnis stimmt nicht." Ein Reporter fragte trocken zurück: "In welcher Sportart?" Das Lachen im Saal war lauter als die Auswärtsfans im Stadion. Dabei begann Palermo gar nicht so schlecht. In den ersten Minuten pressten sie hoch, setzten Rimini unter Druck. Doch spätestens nach Deleanus Treffer war der Faden weg. Rimini spielte über die Flügel, wie es die Taktik vorsah, und ließ den Ball laufen, als hätten sie die Kurzpassschule Barcelonas besucht - nur eben in rot-weiß. In der zweiten Halbzeit wurde es dann ruppiger. Dario Arcella, der zuvor noch als Vorlagengeber geglänzt hatte, sammelte erst Gelb (30.) und dann Gelb-Rot (64.). Ein klassischer Fall von jugendlichem Eifer. Trainer Fasching winkte ab: "Er wollte nur zeigen, dass er lebt. Beim nächsten Mal darf er das wieder mit dem Ball machen." Palermo war nun in Überzahl, aber nicht gefährlicher. Rimini zog sich zurück, verteidigte clever und lauerte auf Konter. Aleandro Caputo hatte sogar noch zwei gute Chancen (61., 78.), doch diesmal fehlte die Präzision. Gianfranco Pedivigliano im Tor der Gastgeber musste dagegen nur selten eingreifen, und wenn, dann mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon alles gesehen hat. Als Schiedsrichter Conti nach 93 Minuten abpfiff, war die Stimmung im Stadion ausgelassen. Die Fans sangen, Deleanu bekam Standing Ovations, und Trainer Fasching klatschte jeden seiner Spieler einzeln ab. "So jung, so frech, so Rimini", stand später auf einem Transparent hinter der Kurve. Palermo dagegen verschwand wortlos in der Kabine. Nur Kapitän Adrianos Markopoulos, der in der Nachspielzeit noch Gelb gesehen hatte, murmelte beim Hinausgehen: "Manchmal gewinnt der Hunger gegen die Routine." Treffender hätte man den Abend kaum zusammenfassen können. Rimini hat mit diesem Sieg nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch ein kleines Stück Fußballromantik zurückgebracht. Eine Mannschaft, die einfach drauflos spielt, mit Spaß, Risiko und einem Schuss Naivität - das ist es, was man in der Liga sonst selten sieht. Vielleicht war es nur ein Spieltag im Januar, aber für Rimini fühlte es sich wie ein Sommerabend an. Und wer weiß, vielleicht lassen Fritz Faschings Jungs demnächst wieder öfter die Sonne aufgehen - auf dem Platz und in der Tabelle. 01.05.643987 11:49 |
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I look not back, I look in front.
Lothar Matthäus beim Dienstantritt in New York