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Rimini schockt Sevilla - Tripodi trifft, Sevilla verzweifelt

59.000 Zuschauer im brodelnden Estadio Ramón Sánchez Pizjuán sahen am Dienstagabend einen dieser Abende, an denen Fußball alles ist - nur gerecht nicht. Der SC Sevilla dominierte, kombinierte, schoss (fünfzehnmal aufs Tor, um genau zu sein) und stand am Ende doch mit leeren Händen da. Der Außenseiter AS Rimini siegte auswärts mit 1:0, und das einzig Zählbare kam in der 29. Minute von einem 20-jährigen Italiener, den zuvor kaum jemand kannte: Giulio Tripodi.

Ein Angriff über rechts, der eigentlich harmlos aussah: Außenverteidiger Davib Musgrave, ein 31-jähriger Engländer mit der Ruhe eines Buchhalters, zog nach vorne, flankte halbhoch in den Strafraum - und Tripodi nahm den Ball volley, als hätte er nie etwas anderes getan. Keeper Ricardo Cercas streckte sich vergeblich, der Ball zischte ins lange Eck. "Ich dachte, das sei ein Trainingsschuss", grinste Tripodi später, "aber dann jubelten plötzlich 500 Italiener im Oberrang."

Sevilla reagierte wütend, fast beleidigt. Bruno Marco, der flinke Rechtsaußen, prüfte Rimini-Schlussmann Alex Manu gleich dreimal (4., 18., 33.), Alexandros Mantzios drosch Bälle aufs Tor, als wäre er auf einer Kirmes-Schießbude. Doch der Ball wollte nicht rein. Rimini verteidigte mit allem, was Beine hatte - und einem Torwart, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, keine Fehler zu machen. "Manchmal steht der liebe Fußballgott halt auf der falschen Seite", knurrte Sevillas Trainer Peter Müller in der Pressekonferenz.

Die Statistik war eindeutig: 57 Prozent Ballbesitz für Sevilla, doppelt so viele Torabschlüsse. Aber Rimini spielte mit einer Chuzpe, die man in der Champions League selten sieht - offensiv, aber ohne Hektik, und mit einem erstaunlich schwachen Aggressivitätswert, wie es die Daten später zeigten: "WEAK", hätte auch auf einem Friedensplakat stehen können. Trotzdem - oder gerade deswegen - funktionierte es.

Sevilla versuchte nach der Pause alles. Müller schob seine Mannschaft weit nach vorne, ließ die Außenverteidiger aufrücken, doch im Abschluss blieb das Team zögerlich. "Wir wollten sichere Chancen herausspielen", erklärte Mittelfeldmotor Matthew Boissieu, "aber manchmal braucht’s halt auch mal einen Ball aus 30 Metern, der einfach reingeht." Seine eigenen Versuche aus der Distanz (49., 88.) blieben allerdings nur ein Fall für die Statistik.

In der 80. Minute gab’s eine Schrecksekunde für Rimini: Christophe Corraface, der erfahrene Mittelfeldmann, blieb nach einem Zweikampf liegen. Trainer Fritz Fasching reagierte sofort, brachte Jesper Bjerg - und brüllte, wie ein Kapellmeister auf der Titanic: "Weiter, Männer, tanzt!" Nach dem Spiel erklärte er trocken: "Wir hatten keinen Plan B. Wir hatten eigentlich gar keinen Plan. Aber Giulio hatte einen Fuß, und das hat gereicht."

Eine gelbe Karte sah nur einer - Sevillas Antonio Jordao in der 22. Minute, für ein Tackling, das wohl eher dem Frust als dem Ball galt. Sonst blieb es erstaunlich fair, fast zu höflich für ein Play-off.

Die letzten zehn Minuten waren ein einziges Anrennen: Mantzios volley (86.), Mantzios nochmal (87.), Boissieu (88.), Bruno (89.) - alles ohne Erfolg. Rimini klärte, blockte, und Torwart Manu umarmte nach dem Abpfiff jeden Mitspieler, als hätte er gerade das Champions-League-Finale gewonnen.

"Wir haben heute Geschichte geschrieben", sagte Giulio Tripodi mit dem jugendlichen Ernst eines Spielers, der noch nicht weiß, dass Geschichte manchmal schnell wieder gelöscht wird. Trainer Fasching nickte nur: "Wenn wir zu Hause 0:0 halten, male ich ihm den Pokal auf die Wand."

Sevillas Coach Müller hingegen fand klare Worte: "Wir hätten bis Mitternacht spielen können - kein Tor. Vielleicht sollten wir mal aufhören, nur schön zu spielen."

So reist Rimini mit einem hauchdünnen, aber goldenen 1:0 ins Rückspiel an die Adria. Sevilla bleibt die Hoffnung auf das, was Fußballfans "die Revanche in 90 Minuten" nennen.

Oder, wie ein Fan auf der Tribüne murmelte, während er sich die letzte Churro-Zuckerkruste von den Fingern wischte: "Manchmal gewinnt halt die Mannschaft, die weniger denkt."

Und Rimini dachte an diesem Abend gar nicht - sie spielten einfach.

25.08.643987 07:15
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