Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Rimini ringt Pisa nieder - ein Abwehrspieler als Matchwinner

Ein kalter Januarabend an der Adria, 44.221 Zuschauer, Flutlicht, Spannung - und am Ende eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreibt: Ein Rechtsverteidiger, der zum Helden wird. AS Rimini besiegt am 11. Spieltag der 1. Liga Italien den favorisierten AS Pisa mit 1:0, und das dank eines Treffers von Carl Berger in der 64. Minute. Ja, genau - jener Carl Berger, der sonst eher dafür bekannt ist, gegnerische Flügelstürmer in Schach zu halten als selbst zum Abschluss zu kommen.

Dabei hatte die Begegnung denkbar unspektakulär begonnen. Pisa, von Trainer Bembel Macher gewohnt sachlich eingestellt, ließ den Ball laufen, als wolle man Rimini in den Schlaf wiegen. 52 Prozent Ballbesitz, lange Bälle auf die Außen - das sah nach Plan aus, aber eben nur auf dem Statistikpapier. Schon in der 9. Minute prüfte Marcello Bruno Rimini-Keeper Gianfranco Pedivigliano, der den Ball aber sicher festhielt - und dabei aussah, als wolle er demonstrativ zeigen: "Heute nicht, Freunde."

Rimini hingegen spielte mutig nach vorne, trotz nominell "OFFENSIVE" genannter Taktik ohne überbordende Härte. 15 Torschüsse standen am Ende zu Buche, doch wer die erste Halbzeit sah, konnte kaum glauben, dass daraus einmal ein Sieg werden sollte. Der junge Aleandro Caputo schoss, als wolle er den Ball bis nach San Marino befördern, Giulio Tripodi zirkelte knapp vorbei, und Dario Arcella versuchte es gleich zweimal aus der Distanz - alles vergeblich.

Trainer Fritz Fasching stand bereits kurz vor der Pause mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, murmelte etwas von "Geduld ist auch eine Waffe" - und wechselte prompt: Der 20-jährige Arcella musste für den routinierteren Jose Chalana weichen. "Ich wollte Stabilität, aber auch ein Signal", erklärte Fasching später schmunzelnd.

Nach dem Seitenwechsel blieb Rimini am Drücker. Pisa lauerte weiter auf Konter, doch die Angriffe versandeten meist irgendwo zwischen Mittellinie und Verzweiflung. Besonders Lionel Pauleta mühte sich redlich, fand aber in Riminis Abwehr kaum Lücken. Als dann in der 62. Minute auch noch der junge Arnau Villar eingewechselt wurde, nahm das Spiel plötzlich Fahrt auf. Zwei Minuten später passierte das Unerwartete: Giulio Tripodi sprintete die rechte Linie entlang, sah, dass hinten niemand mitlief, und legte den Ball halbhoch in den Strafraum. Carl Berger, gerade erst eingewechselt, stürmte nach vorne - und hämmerte den Ball aus vollem Lauf ins rechte Eck.

"Ich hab einfach draufgehalten", lachte Berger nach Abpfiff. "Fasching hat vorher gesagt, ich soll mutig sein. Ich dachte, schlimmer als daneben kann’s nicht werden."

Das Stadion tobte, während Pisa sich sortierte. Trainer Macher reagierte mit erhöhter Aggressivität - laut Taktikdaten "STRONG" -, aber das half wenig. Isaac Payne sah in der 80. Minute Gelb, nachdem er Caputo etwas zu deutlich seine Meinung über italienische Schwalbenkultur mitgeteilt hatte. "Das war kein Foul, das war Kommunikation", verteidigte sich Payne später mit einem Grinsen.

Rimini verteidigte clever, ließ den Ball laufen, und der 17-jährige Edoardo Piras sorgte mit zwei späten Abschlüssen (85. und 87. Minute) noch für Applaus von den Rängen. Pisa hatte am Ende zwar mehr Ballbesitz, aber kaum Ideen. Der letzte Versuch kam in der 88. Minute wieder von Bruno - drüber. Sinngemäß kommentierte er später: "Ich wollte ihn reinfliegen sehen, aber der Ball wollte lieber baden gehen."

Statistisch gesehen ein klarer Fall: Rimini mit 15 Schüssen aufs Tor zu Pisas fünf, mehr Zweikämpfe gewonnen (55,6 Prozent) und das entscheidende Tor erzielt. Schön war es nicht immer, aber effektiv. "Wir haben nicht geglänzt, aber gestrahlt hat am Ende die Anzeigetafel", bilanzierte Trainer Fasching mit typisch trockenem Humor.

Und was sagte Kollege Macher? "Wir haben zu spät angefangen zu pressen. Vielleicht hätten wir das schon in der ersten Halbzeit tun sollen. Aber gut, hinterher ist man immer klüger - und meistens auch grantiger."

So bleibt als Fazit: Rimini beweist, dass Fußball manchmal aus Mut, Zufall und einem beherzten Rechtsverteidiger besteht. Pisa dagegen fährt nach Hause mit der Erkenntnis, dass Ballbesitz allein noch keine Punkte bringt.

Oder, wie Carl Berger beim Verlassen des Spielfelds zu einem Balljungen sagte: "Manchmal musst du einfach schießen, bevor jemand merkt, dass du’s gar nicht darfst."

Ein Satz, der wohl in Riminis Kabine noch lange zitiert wird.

14.05.643987 21:03
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