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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball wieder beweist, dass Statistik schön und gut ist - aber Leidenschaft die wahre Währung bleibt. Im Pokal-Achtelfinale besiegte AS Rimini den großen Favoriten Intar Mailand mit 1:0 (1:0). 55.300 Zuschauer im Stadio del Mare sahen ein Spiel, das von Mut, Muskelkater und einem Moment Magie entschieden wurde. Die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings nur akustisch. Noch bevor der Ball richtig rollte, sang die Kurve der Riminianer so laut, dass selbst der Stadionsprecher kurz innehalten musste. Auf dem Rasen dagegen tasteten sich beide Teams langsam ab. Mailand, taktisch ausgeglichen wie ein Yoga-Lehrer, ließ den Ball laufen, während Rimini früh zeigte, dass "ausgewogen" für Trainer Fritz Fasching nur eine höfliche Umschreibung für "wir hauen alles raus" ist. Nach drei Minuten prüfte Intars Regisseur Xabi Salvadorez den Heimkeeper Alex Manu - ein erster Warnschuss, der von den Fans eher als Weckruf verstanden wurde. "Da hab ich mir gedacht: Na prima, jetzt sind wir wenigstens wach", grinste später Rimini-Trainer Fasching. Ab der siebten Minute drehte Rimini auf. Stille Manser und Arnau Gonzalo sorgten über die Flügel für Betrieb, als hätten sie im Vorfeld Red Bull intravenös bekommen. Und in der 37. Minute explodierte das Stadion: Rechtsverteidiger Davib Musgrave flankte aus vollem Lauf, Javier Rocha rauschte heran und drosch das Leder volley in die Maschen. 1:0 - ein Treffer so schön, dass selbst der Linienrichter kurz vergaß, den Arm zu heben. "Ich hab den Ball nur kommen sehen und gedacht: Wenn ich jetzt nicht treffe, redet meine Mutter eine Woche nicht mit mir", lachte Rocha später in die Reporter-Mikros. Mailand schien geschockt. Zwar hatten die Gäste mit leichtem Ballbesitzplus (52 Prozent) mehr Kontrolle, doch im letzten Drittel wirkten sie harmlos wie ein zahnloser Tiger auf Diät. Rimini dagegen schoss aus allen Lagen - insgesamt 20 Mal, was den armen Gregor Westerveldt im Mailänder Tor zu einem Mann machte, der wohl noch im Schlaf Bälle fangen wird. Kurz nach der Pause wurde das Spiel ruppiger. Karl Lehmann, Riminis linker Mittelfeldmann, holte sich in der 62. Minute einen glatten Platzverweis ab, nachdem er bei einem Zweikampf offenbar vergessen hatte, dass Karate kein Bestandteil des Regelwerks ist. "Ich wollte nur den Ball spielen", beteuerte er hinterher mit einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Schuldbewusstsein und Stolz schwankte. Ab da wurde Rimini zum Abwehrbollwerk. Zehn Mann verteidigten, was das Zeug hielt - und sie taten es mit einer Tacklingquote von stattlichen 56 Prozent. Mailand versuchte es weiter über die Mitte, aber die Versuche von Cyril Pilaet (64.) und Tyler Montgomery (75.) blieben harmlos. Trainer Fasching an der Seitenlinie sah aus, als würde er jeden Ball selbst weggrätschen wollen. "Nach dem Platzverweis habe ich den Jungs gesagt: Wenn ihr schon weniger seid, dann kämpft doppelt!", verriet er später mit einem Grinsen. Und tatsächlich: Rimini kämpfte, rannte, blockte und klärte jeden Ball wie ein Team, das lieber stirbt, als den Ausgleich zu kassieren. In der Nachspielzeit gab es noch Gelb für Mailands Anderson - sinnbildlich für den Frust des Favoriten, der sich an diesem Abend an der rot-weißen Mauer die Zähne ausbiss. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Torhüter Manu seinem Verteidiger Chalana in die Arme, während die Fans längst die Nacht zum Tag machten. "Das war kein Fußballspiel, das war ein Schlachtfest", sagte ein leicht heiserer Fan mit Bierbecher in der Hand, "und wir waren die Gladiatoren." Mit diesem Sieg steht AS Rimini im Pokal-Viertelfinale - und man darf sicher sein, dass in der Küstenstadt noch lange gefeiert wird. Trainer Fasching versprach augenzwinkernd: "Morgen ist trainingsfrei. Wer heute Abend noch geradeaus laufen kann, hat was falsch gemacht." Ein Abend, an dem Underdogs triumphierten, rote Karten flogen und ein einziger Treffer reichte, um Geschichte zu schreiben. Rimini lebt - und der Pokal hat wieder seinen Zauber. 20.05.643993 19:35 |
Sprücheklopfer
Unsere Chancen stehen 70:50.
Torsten Legat