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Ein kalter Januarabend in Bologna, 40.000 Zuschauer, und die Heimfans hofften auf einen heißen Tanz. Am Ende aber tanzte nur einer - und der hieß Aleandro Caputo. Der 20-jährige Mittelstürmer von AS Rimini erzielte zwei Tore und führte seine Mannschaft zu einem deutlichen 3:0-Auswärtssieg beim AS Bologna. Das Ergebnis liest sich klar, aber noch klarer war der Spielverlauf: 18 Torschüsse für Rimini, nur sechs für Bologna, Ballbesitz 57 zu 43 Prozent - das war kein glücklicher Sieg, das war eine Machtdemonstration. Dabei begann alles recht ausgeglichen. Bologna-Trainer Ferdinand Mayer hatte seine Elf offensiv eingestellt, aber auf Konter lauernd - eine Mischung, die klingt wie "Angriff, aber bitte ohne Risiko". Rimini-Coach Fritz Fasching dagegen ließ von Beginn an mutig nach vorne spielen. "Wir wollten zeigen, dass wir hier nicht nur Pizza essen kommen", schmunzelte Fasching nach dem Spiel. Die erste Halbzeit: viel Lärm, wenig Ertrag. Rimini schoss aus allen Lagen - selbst Innenverteidiger Stephane Pernet prüfte in der 12. Minute den gegnerischen Keeper Bogdan Kirjakow mit einem wuchtigen Kopfball. Bologna antwortete mit Nadelstichen, etwa durch Daniel Marcel (18.) und Ramon Varela (34.), doch es blieb beim 0:0. "In der Pause habe ich gesagt: Jungs, wir müssen treffen, sonst frieren uns die Fans ein", erzählte Fasching später mit einem Grinsen. Gesagt, getan. Nach einer Stunde dann der Dosenöffner: Caputo, der schon zuvor mehrfach gefährlich aufgetaucht war, nahm in der 62. Minute einen langen Ball von Verteidiger Pernet mustergültig an, drehte sich elegant und schob überlegt zum 1:0 ein. "Ich hab einfach nicht nachgedacht", sagte der junge Stürmer, "das hilft manchmal." Bologna reagierte - allerdings eher mit hektischen Wechseln als mit Struktur. Mayer brachte nacheinander Giacomo Ferrario (62.), Giorgio Tripodi (65.) und den 17-jährigen Domenico Nocera (69.). "Manchmal muss man was riskieren", meinte Mayer später, "aber manchmal wird man dann halt ausgekontert." Und so kam es. In der 78. Minute verwandelte Caputo eine Flanke von Stille Manser zum 2:0. Der Ball zischte wie ein Pfeil ins lange Eck - Kirjakow sah ihn wohl erst, als er schon hinter ihm lag. Die Rimini-Bank jubelte ausgelassen, während Mayer an der Seitenlinie mit der Wasserflasche diskutierte. Bologna versuchte in der Schlussphase wenigstens den Ehrentreffer, doch Ramon Varela scheiterte zweimal knapp (87. und 95.). Rimini blieb gefährlich, spielte die Angriffe mit jugendlicher Unbekümmertheit aus - und in der Nachspielzeit setzte Giulio Tripodi, ebenfalls 20, den Schlusspunkt. Nach Vorlage von Marco Rossi traf er in der 91. Minute zum 3:0. Einziger Wermutstropfen für Rimini: Linksverteidiger Alberto Verbicaro verletzte sich kurz vor Schluss und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Routinier Timm Kramer, der nach Abpfiff scherzte: "Ich habe mich extra warmgehalten - man weiß ja nie, wann der Physio gebraucht wird." Bologna hingegen wirkte in der Schlussphase resigniert. "Wir haben zu viel Respekt gezeigt", gab Trainer Mayer zu. "Vielleicht hätten wir Rimini mal laufen lassen sollen - aber die haben einfach nie aufgehört." Statistisch war die Sache eindeutig: Rimini mit 18 Torschüssen, Bologna mit 6, Tacklingquote 54 zu 46 Prozent für die Gäste. Selbst beim Ballbesitz lag Rimini klar vorne. "Wir haben das Spiel kontrolliert, auch ohne wildes Pressing", analysierte Fasching sachlich. "Und wenn du Caputo vorne hast, kannst du ruhig mal riskieren." Die Fans von Bologna verließen das Stadion still, einige applaudierten sogar den Gästen - ein Zeichen von Sportsgeist, oder vielleicht einfach Erleichterung, dass es nicht noch schlimmer kam. Am Ende bleibt ein Spiel, das für Rimini fast lehrbuchhaft lief: disziplinierte Defensive, geduldiger Aufbau, eiskalte Chancenverwertung. Für Bologna dagegen war es ein Abend zum Vergessen - oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne murmelte: "Wenn wir so weiterspielen, werden wir bald nicht mehr in der ersten Liga frieren." Ein sarkastischer, aber treffender Kommentar zu einem Spiel, das eines deutlich machte: Leidenschaft allein reicht im modernen Fußball nicht, man braucht auch Ideen - und die hatte an diesem Abend nur AS Rimini. 04.11.643987 10:32 |
Sprücheklopfer
Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
Günter Netzer