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Remis mit Drama: OFE Kreta trotzt Albinoleffe ein 1:1 ab

Wenn 59.000 Zuschauer auf Kreta ein Champions-League-Spiel sehen, dann erwartet man Sonne, Sirtaki und vielleicht ein bisschen Spektakel. Bekommen haben sie am Dienstagabend ein zähes Stück Fußballarbeit, garniert mit zwei Toren, einem Teenager in der Hauptrolle und einem italienischen Innenverteidiger, der plötzlich Stürmer spielte. Das 1:1 zwischen OFE Kreta und UC Albinoleffe fühlte sich an wie ein Roman von Camus: viel Kampf, wenig Trost, aber schön anzusehen - irgendwie.

Die ersten 45 Minuten waren ein Musterbeispiel taktischer Vorsicht. Albinoleffe, von Trainer Danek Petri gewohnt offensiv eingestellt, drückte, kombinierte, schoss - und traf die Griechen damit hauptsächlich ins Herz, nicht ins Netz. Dreizehn Schüsse insgesamt sollten es werden, aber noch lange keiner davon zählte. Auf der anderen Seite lauerte OFE Kreta, Jeff Johnsons Mannschaft, mit dem typischen griechischen Pragmatismus: tief stehen, kontern, beten. Sechs Torschüsse in 90 Minuten - das klingt nach Diätkost, aber manchmal reicht ja auch ein griechischer Salat.

Kurz nach dem Seitenwechsel explodierte das Spiel. Tobias Schumann, Innenverteidiger der Gäste, wuchtete in der 47. Minute eine Flanke von Arnau Semprun ins Tor. "Ich hatte kurz vergessen, dass ich eigentlich hinten spiele", grinste Schumann nach dem Spiel. "Aber wenn man schon mal da vorne steht, kann man ja auch was Sinnvolles tun." Trainer Petri klatschte an der Seitenlinie, als hätte er gerade den Pokal gewonnen - und fluchte fünf Minuten später, als der Ausgleich fiel.

Denn nur zehn Minuten nach Schumanns Treffer schlug Kreta zurück - mit jugendlichem Elan. Der 17-jährige Leandros Eleftherakis, gerade erst zur Halbzeit für den erfahrenen Joel Anderson eingewechselt, setzte auf der linken Seite zu einem beherzten Lauf an, flankte präzise in den Rückraum, wo Minos Theodoridis lauerte. Der 28-Jährige nahm den Ball direkt - und ließ Maurice Bernard, den eingewechselten Keeper der Italiener, keine Chance. 1:1, die Arena bebte. "Ich hab nur gehofft, dass er den Ball nicht in die Ägäis haut", witzelte Johnson später, "aber Minos hat’s mit Stil gemacht."

Danach begann das große Zittern. Albinoleffe drückte, rannte an, schoss - und scheiterte. Martirano, Rizzo, Tolsa - sie alle prüften Kretas Torhüter Kian Boutin, der an diesem Abend zur menschlichen Mauer wurde. In der 88. Minute noch einmal Martirano: Volley aus 16 Metern, Boutin mit den Fingerspitzen zur Ecke. "Ich hab die Sonne nicht gesehen, nur den Ball", sagte der Keeper hinterher, "und dann dachte ich: lieber Ball als Sonne."

In der 82. Minute sorgte Eleftherakis noch für einen Nebenplot: Gelbe Karte nach rustikalem Einsteigen. Vielleicht jugendlicher Überschwang, vielleicht einfach griechische Leidenschaft. "Er wollte zeigen, dass er schon groß ist", meinte Theodoridis mit einem Augenzwinkern. Der Teenager selbst lächelte schüchtern: "Ich hab nur den Ball gesehen. Leider hatte der Gegner denselben Plan."

Statistisch war Albinoleffe das klar aktivere Team: 13 Torschüsse, leicht weniger Ballbesitz (48,5 Prozent), aber mehr Biss in den Zweikämpfen. Doch Kreta hielt dagegen, mit 51,5 Prozent Ballbesitz und endloser Geduld. Das Defensivkonzept - tief stehen, lange Bälle, hoffen - funktionierte erstaunlich gut gegen die italienische Offensivwut.

Trainer Petri wirkte nach Schlusspfiff wie jemand, der sich fragt, warum ausgerechnet ein Innenverteidiger trifft und keiner seiner Stürmer. "Wir hätten das Spiel gewinnen müssen", murrte er. "Aber Fußball ist manchmal wie Pasta: Wenn du sie zu lange kochst, ist sie matschig." Johnson dagegen grinste breit: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und wenn er sich anfühlt wie drei, dann war’s ein guter Abend."

So endete ein Abend, an dem niemand wirklich enttäuscht sein musste - außer vielleicht den 59.000 Fans, die auf mehr Tore gehofft hatten. Doch sie bekamen Drama, Spannung und eine Geschichte, die sich erzählen lässt: von einem 17-Jährigen, der einen Treffer vorbereitet, und einem Innenverteidiger, der einen erzielt.

Am Ende applaudierte das Publikum, als das Flutlicht langsam erlosch. Und irgendwo auf der Tribüne summte jemand - natürlich kein Liedtext, aber so etwas wie: "Das war Fußball, wie er sein soll - unberechenbar, unvernünftig und wunderbar menschlich."

07.11.643990 18:52
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Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer
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