Sport-Blick
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Remis mit Drama: Oberwallis trotzt Chiasso ein 1:1 ab

Ein kalter Februarabend, Flutlicht über dem Stadion in Brig, 27.000 Zuschauer, die sich die Hände an Pappbechern mit Glühwein wärmen - und dazu ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Taktik, Tore und ein bisschen Theatralik. FC Oberwallis und SC Chiasso trennten sich am 31. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 1:1, ein Ergebnis, das auf dem Papier nach Langeweile klingt, aber auf dem Rasen eher nach einem kleinen Krimi roch.

Trainer Snore Laken hatte sein Team defensiv eingestellt, so defensiv, dass sogar der Platzwart nach dem Anpfiff fragte, ob man versehentlich ein Handballtor aufgestellt habe. Chiasso-Coach Heiko Vogel dagegen ließ stürmen, flankieren und fliegen - bevorzugt über die Flügel, wie es seine taktische Marschroute "OFFENSIVE - WINGS - ANYTIME" verheißt.

Die ersten Minuten gehörten den Gästen. Bereits in der 2. Minute prüfte Chiassos Isaac Millington mit einem satten Schuss Keeper Grigorios Christopoulos, der mit den Fingerspitzen klärte. "Ich wollte gleich ein Zeichen setzen", grinste Millington später, "aber der Torwart hat wohl den Kaffee doppelt stark gehabt."

Oberwallis fing sich nach und nach, kam über Benveniste und Bouchard zu Chancen. Besonders Patrick Benveniste zeigte, warum er im Oberwalliser Volksmund "der Hammer von Siders" genannt wird - kraftvoll, unermüdlich, manchmal eigensinnig. Nach mehreren Versuchen war es in der 38. Minute so weit: Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Adriano Mendes nahm Benveniste die Kugel mit der Brust, ließ zwei Verteidiger aussteigen und drosch das Leder ins linke Eck. 1:0, und das Stadion bebte.

"Ich hab’ eigentlich hinten bleiben sollen", gestand Mendes danach lachend, "aber manchmal sagt der Fuß einfach ’geh mit!’." Trainer Laken verzog keine Miene - er nickte nur, als hätte er das alles so geplant.

Chiasso reagierte wie ein gereizter Boxer: Noch vor der Pause zwei Gelbe Karten, einmal für Galitsios nach rustikalem Einsteigen (16.), dann für den jungen Gonzalez (34.), der offenbar vergessen hatte, dass Trikottauschen erst nach Abpfiff üblich ist.

In der zweiten Hälfte drehte Vogel an der Taktikschraube. Doppelwechsel in der 51. Minute: Carvalho und der 19-jährige Walther Hermann kamen, und plötzlich wirbelte Chiasso wie ein aufgezogener Ventilator. Nur drei Minuten später - der Ausgleich. Christiano Ronaldo (nicht der, aber immerhin ein Namensvetter) legte klug in den Lauf von Carlo Cetraro, der trocken abschloss. 54. Minute, 1:1.

"Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", meinte Cetraro schmunzelnd, "weil Ronaldo so laut ’Jawohl!’ gebrüllt hat, dass ich dachte, es sei Abseits."

Das Spiel blieb offen, intensiv, manchmal wild. Gelb sah auch Oberwallis’ Innenverteidiger Miguel Sa Pint (52.), kurz bevor er für den jungen Joschua Krause ausgewechselt wurde - eine Maßnahme, die Trainer Laken später lakonisch kommentierte: "Er hatte noch was vor heute Abend, und ich wollte keine rote Überraschung riskieren."

Chiasso blieb drückend, kam auf 16 Torschüsse und knapp 51 Prozent Ballbesitz, doch Oberwallis verteidigte mit Zähnen, Klauen und gelegentlichem Zeitspiel, das man eher aus südamerikanischen Pokalnächten kennt. Keeper Christopoulos wurde zum heimlichen Helden, als er in der 87. Minute einen Schuss des eingewechselten Michel Engel aus dem Winkel fischte.

In der Nachspielzeit rief Laken von der Seitenlinie: "Jetzt alle hinter den Ball!" - und tatsächlich, selbst Benveniste machte Meter nach hinten, als gälte es, den Gotthardtunnel zu bewachen. Der Abpfiff wurde dann fast wie ein Sieg gefeiert.

"Wir haben heute Charakter gezeigt", lobte Laken nach dem Spiel und fügte mit einem sarkastischen Grinsen hinzu: "Und wer Charakter zeigt, braucht keine Punkte." Vogel hingegen ärgerte sich: "Wir hatten genug Chancen, um zwei Spiele zu gewinnen. Aber Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb - leider."

Das 1:1 hilft keinem so richtig weiter, aber es passte zu einem Abend, an dem Taktik auf Trotz traf, jugendlicher Übermut auf erfahrene Abwehrkunst und ein Schuss Ironie auf die nüchterne Realität der Tabelle.

Zum Schluss sagte ein Fan auf der Tribüne, während er den letzten Schluck Glühwein nahm: "Wenn Oberwallis jede Woche so spielt, kauf ich mir sogar eine Dauerkarte - aber nur, wenn’s wieder so spannend wird." Und das, liebe Leser, ist vielleicht das größte Kompliment, das man einem 1:1 machen kann.

21.03.643990 11:52
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