L’Equipe
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Reims dreht irres Torfestival gegen Guingamp - Blanchet mit Dreierpack

Es war ein Freitagabend, wie ihn Fußballromantiker lieben: kalter Wind über Reims, Flutlichtglanz, 36.000 Zuschauer - und ein Spiel, das alle Regeln des gepflegten Defensivfußballs kurzerhand ignorierte. AC Reims besiegte den AC Guingamp mit 4:3 (2:3) und lieferte dabei ein Spektakel, das selbst hartgesottene Statistiker ins Schwitzen brachte.

Schon in den ersten Minuten war klar, dass hier keiner zum Verwalten gekommen war. Guingamp, offensiv eingestellt wie ein Teenager vor dem ersten Date, legte los, als gäbe es kein Morgen. In der 17. Minute traf Callum MacKay zur Führung - ein abgefälschter Ball, Torwart Laurent Landry streckte sich vergeblich. Nur drei Minuten später antwortete Reims’ Eric Blanchet, der an diesem Abend in Legendenform war, nach Vorarbeit von Serge Duchesne: 1:1, und das Stadion wachte endgültig auf.

"Ich hab nur die Augen zu und draufgehalten", grinste Blanchet später in die Mikrofone. Ob das sein Erfolgsgeheimnis für den restlichen Abend war, bleibt offen - aber es funktionierte.

Guingamp ließ sich nämlich nicht beirren. Innenverteidiger Thierry Caron, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, köpfte nach einer Ecke das 2:1 (25.). Trainer Berti Bertilsson riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Aufstieg klargemacht. Und als Marcos Granados in der 45. Minute auf 3:2 stellte, wähnte man die Gäste schon auf der Siegerstraße.

Doch Reims wäre nicht Reims, wenn man sich von einem Rückstand beeindrucken ließe. "In der Kabine war’s laut", verriet Blanchet. "Unser Coach hat nur gesagt: ’Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens mit Stil.’" Offenbar nahmen die Spieler das wörtlich.

Nach dem Seitenwechsel übernahm Reims das Kommando. Mehr Ballbesitz (55,6 Prozent), mehr Druck, mehr Wille - und vor allem wieder Blanchet. In der 62. Minute vollendete er erneut nach Duchesne-Vorlage zum 3:3. Der Jubel war ohrenbetäubend, der Torjubel fast choreografiert - als hätte man das geübt.

Guingamp dagegen wirkte plötzlich müde. Trotz 11 Torschüssen und offensiver Ausrichtung fehlte in der zweiten Halbzeit die Präzision. Granados vergab zwei Großchancen (84. und 86.), und spätestens da begann das Publikum zu ahnen, dass hier noch was gehen könnte.

Und tatsächlich: In der 71. Minute schlug ausgerechnet Rechtsverteidiger Stéphane Brongniart zu. Ein klassischer "Warum nicht?"-Moment - 25 Meter, satter Schuss, 4:3. "Ich wollte eigentlich flanken", sagte Brongniart später lachend. "Aber wenn der Ball schon mal den Weg findet…"

Guingamp warf in der Schlussphase alles nach vorn, Bertilsson brachte den jungen Nael Bordalas und Paulo Jordao, doch auch mit frischem Blut blieb der Ausgleich aus. Landry im Tor der Reimser parierte noch zwei Schüsse von MacKay und Granados, bevor Schiedsrichter Laborde pünktlich abpfiff.

Während Guingamps Spieler konsterniert auf dem Rasen saßen, feierte Reims ausgelassen. Trainer Bertilsson wirkte gefasst: "Wir haben ein tolles Spiel gezeigt, aber Reims hatte heute einfach den Glückspilz Blanchet." Der wiederum verschwand mit dem Spielball unter dem Arm in der Kabine - ein Souvenir für drei Tore und eine Nacht, über die man in Reims wohl noch lange sprechen wird.

Statistisch betrachtet war Guingamp gar nicht so schlecht: 44 Prozent Ballbesitz, mehr Torschüsse, solide Zweikampfquote (52 Prozent). Aber Fußball wird nun mal nicht nach Schönheitswerten entschieden. Reims traf viermal ins Netz - und das war am Ende das Einzige, was zählte.

"Wir wollten zeigen, dass wir mehr können als nur mauern", meinte Reims-Mittelfeldmann Stephane Saint-Pierre verschmitzt. "Jetzt müssen wir nur noch lernen, früher anzufangen mit dem Siegen."

So endete ein Abend voller Tempo, Emotionen und leichtem Wahnsinn. Und während draußen der Wind durch die Straßen von Reims pfiff, summte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions vor sich hin: "Solche Spiele sollte man rahmen lassen."

Kann man so stehen lassen.

04.10.643990 13:51
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