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Ein kalter Freitagabend in Anfield, Flutlicht, volle Ränge - 51.566 Zuschauer, die sich nach 90 Minuten zwischen Erleichterung und leichter Nervosität wiederfanden. Die Liverpool Reds gewannen zwar 2:1 gegen ein frech aufspielendes Southampton, doch der Sieg fühlte sich eher nach Arbeit als nach Gala an. Schon die ersten Minuten gehörten dem Gast. Southampton, eigentlich mit einer klar defensiven Marschroute gestartet, legte los, als gäbe es kein Morgen. Quaresma prüfte nach 60 Sekunden Keeper Reece Kendall, und der junge Torwart musste gleich die Handschuhe warmhalten. "Ich dachte, wir spielen hier auf Konter", murmelte Trainer Raine Maida später lachend, "aber meine Jungs haben wohl ’Gegenpressing’ im Wörterbuch gefunden." Liverpool brauchte eine gute halbe Stunde, um ins Spiel zu finden. Alain Astruc, der rechte Wirbelwind, war der Erste, der die Reds-Fans von den Sitzen riss - sein Schuss in der 37. Minute zischte nur Zentimeter am Pfosten vorbei. Zwei Minuten später machte er es besser: Nach einem schnellen Doppelpass mit Josef Lundqvist zog Astruc aus halbrechter Position trocken ab - 1:0, das Stadion tobte. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Astruc nach dem Spiel und grinste verschmitzt. "Aber wenn der Ball so schön schreit: Schieß mich!, dann kann man ja schlecht Nein sagen." Nach der Pause kam Bewegung ins Spiel - und zwar in beide Richtungen. Southampton blieb mutig, Liverpool versuchte, das Geschehen zu kontrollieren, doch die Gäste störten früh und kamen immer wieder gefährlich vor den Kasten. In der 57. Minute wurde die Geduld der Saints belohnt: Stephane Matthieu legte fein in den Lauf von Joshua Ackland, der aus 14 Metern trocken vollendete. 1:1 - und plötzlich hörte man im Kop die berühmte Nervosität, die sonst nur bei einem Elfmeter gegen den eigenen Klub zu spüren ist. Trainer Heiner Schneider reagierte sofort. Er brachte Sergio Arrondo, einen bulligen Mittelstürmer mit der Aura eines Mannes, der schon viele Abwehrreihen gequält hat. Und der Joker stach: Nur acht Minuten nach seiner Einwechslung köpfte Arrondo eine butterweiche Flanke von John Millington zum 2:1 ins Netz. Millington, eigentlich eher für den gepflegten Querpass bekannt, hatte diesmal die richtige Idee. "Ich hab’ einfach mal nicht nachgedacht", sagte er später lachend. Die Partie blieb intensiv. Southampton gab sich nicht geschlagen, erhöhte die Aggressivität und das Pressing, während Liverpool phasenweise auf Zeit spielte - was die Gäste übrigens mit gelben Karten quittierten. Quaresma sah in der 68. Minute Gelb, nachdem er Astruc an der Seitenlinie abräumte; kurz darauf verletzte sich Hoskins, der für Liverpool bis dahin ein laufstarker Motor auf der rechten Seite war. In der Schlussphase entwickelte sich ein kleines Drama. Bojan Smiljanic, frisch eingewechselt, hatte in der 84. Minute den Ausgleich auf dem Fuß, doch Kendall parierte spektakulär. "Ich hab einfach gehofft, dass er mich anschießt", gab der Keeper zu. "Er hat mich erhört." Dann kam noch Pech für Southampton: Stephane Matthieu verletzte sich kurz vor Schluss und humpelte vom Platz. Die Reds brachten den knappen Vorsprung über die Zeit, allerdings unter lautem Pfeifkonzert der eigenen Fans, die wohl etwas mehr Dominanz erwartet hatten. "Das war kein Schönheitspreis", gestand Trainer Schneider nach dem Spiel, "aber drei Punkte sind drei Punkte - und Schönheit gibt’s im Museum." Sein Gegenüber Maida nickte anerkennend: "Liverpool hat die individuelle Klasse, die wir nicht haben. Aber wir haben ihnen einen ordentlichen Schrecken eingejagt." Statistisch gesehen war die Partie fast ausgeglichen: 9 Torschüsse der Reds, 11 von Southampton, Ballbesitz 57 zu 43 Prozent. Die Zahlen belegen, dass der Sieg zwar verdient, aber keineswegs selbstverständlich war. Als die Flutlichter erloschen und die Fans langsam die Ränge verließen, konnte man Astruc lachend in der Mixed Zone hören: "Ich sag’s euch, wenn wir so weiterspielen, krieg ich noch graue Haare - und das als Blondschopf." Fazit dieses Abends: Liverpool bleibt oben dran, aber der Glanz vergangener Tage flackert eher als dass er leuchtet. Southampton fährt zwar mit leeren Händen nach Hause, aber mit erhobenem Kopf - und dem Wissen, einem Großen das Leben schwer gemacht zu haben. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne es trocken formulierte: "Schöner Fußball? Vielleicht nicht. Spannend? Zu sehr. Mein Herz hat jedenfalls wieder 90 Minuten Überstunden gemacht." 18.07.643993 19:33 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic