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Wenn 50.681 Zuschauer an einem frostigen Mittwochabend ins Stadion kommen, darf man schon erwarten, dass sich die Stars der Liverpool Reds wenigstens ordentlich bewegen. Und siehe da: Sie taten es - allerdings mit wechselndem Erfolg. Nach 90 intensiven Minuten stand ein 2:2 (1:2) auf der Anzeigetafel gegen die Hull Tigers - ein Ergebnis, das beiden Mannschaften gleichermaßen schmeichelte wie ärgerte. Los ging’s furios: Schon in der 6. Minute donnerte Linksverteidiger Lucas Madigan den Ball aus gut 20 Metern ins rechte obere Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Madigan später, "aber der Ball hat sich umentschieden." Trainer Heiner Schneider klatschte energisch Beifall - und ahnte da noch nicht, dass sein Team bald ins Stolpern geraten würde. Denn Hull zeigte sich keineswegs beeindruckt vom frühen Rückstand. Nur drei Minuten später kombinierten sich die Tigers über links in den Strafraum, wo Niclas Müller uneigennützig querlegte und Vincent Sousa eiskalt einschob. 1:1 - und die mitgereisten Fans aus Yorkshire sangen sich die Kehlen wund. "Der Ausgleich war wichtig", meinte Trainer Bobby Granato später. "Meine Jungs wissen, dass man in Liverpool nicht auf Schönheitspunkte spielt." In der 17. Minute wurde es dann richtig bitter für die Reds: Nach einer Ecke stieg Innenverteidiger Kian Cochran am höchsten, köpfte den Ball zurück in den Rückraum, und Önder Tasdemir traf volley ins lange Eck. 1:2 - Hull drehte das Spiel und wirkte plötzlich wie das Heimteam. Liverpool hingegen suchte nach Struktur, fand aber vor allem den eigenen Frust. "Wir waren in der Phase einfach zu brav", knurrte Kapitän Adam Henderson nach Abpfiff. "Manchmal braucht man ein bisschen mehr Dreck unter den Stollen." Der Dreck kam in Form dreier Auswechslungen zur Pause: Stig Hemmingsen, James Mayhew und Corey Robert mussten runter, frisches Blut kam in Person von Alain Astruc, Joan Brito und Cesar Botin. Und siehe da - kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, schlug Liverpool zurück. In der 46. Minute flankte Botin von der Strafraumkante, und Rechtsverteidiger Marco Hermenegildo rauschte heran, als hätte ihn ein Motor getrieben, und brachte den Ball per Direktabnahme unter. 2:2 - der Jubel war ohrenbetäubend. "Das war einstudiert", behauptete Hermenegildo später mit einem Augenzwinkern. "Zumindest, wenn man spontane Eingebungen als Training zählt." Danach entwickelte sich eine offene Partie, in der beide Seiten Chancen im Minutentakt vergaben. Hull kam auf 12 Torschüsse, Liverpool auf 11 - ein statistisches Remis, das den Spielverlauf trefflich beschreibt. Der Ballbesitz? 52 zu 48 Prozent für die Gäste - aber wer will schon Prozentpunkte zählen, wenn die Spannung bis in die Nachspielzeit reicht? In der 56. Minute folgte ein Schreckmoment: Jungspund Cesar Botin blieb nach einem Zweikampf liegen und musste behandelt werden. "Er hat sich leicht am Knöchel verdreht", erklärte Trainer Schneider. "Zum Glück ist nur das Gras ernsthaft verletzt." Hulls Verteidiger Anders Berglund holte sich später noch Gelb ab, offenbar frustriert über die wiedererstarkten Hausherren. Die Schlussphase gehörte dann wieder Liverpool - zumindest gefühlt. Henderson prüfte den Keeper in der 87. Minute mit einem satten Rechtsschuss, doch Bernd Ledig im Hull-Tor parierte glänzend. "Ich hab ihn kurz für einen Torwart gehalten, dann fiel mir ein, dass er wirklich einer ist", witzelte Henderson. Am Ende stand ein gerechtes 2:2 - mit leichten Vorteilen für die Moral der Reds. Trainer Schneider resümierte: "Wenn du zweimal zurückkommst - oder zumindest nicht untergehst -, dann kannst du leben damit. Wir haben Charakter gezeigt, auch wenn er manchmal seltsame Wege geht." Kollege Granato von den Tigers sah’s ähnlich gelassen: "Wir hätten gewinnen können, aber am Ende muss man positiv bleiben. Immerhin hat keiner den Busschlüssel verloren." So trennte man sich in kühler Nacht mit warmem Applaus. Ein Spiel, das weder taktische Lehrstunde noch Torfestival war, dafür aber ein Paradebeispiel für englischen Fußball im Januar: hart, unvorhersehbar und mit einer Prise Wahnsinn. Das Fazit? Liverpool bleibt zu Hause ungeschlagen, Hull beweist, dass auch Tigers zähmen können - zumindest für 90 Minuten. Und irgendwo auf der Tribüne summte ein Fan: "Das war nichts für schwache Nerven." Ganz recht. Aber für echte Fußballherzen war es genau das Richtige. 10.07.643987 22:45 |
Sprücheklopfer
Wir lassen uns nicht nervös machen, und das geben wir auch nicht zu!
Olaf Thon