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Es war ein Freitagabend, an dem die Anfield Road bebte - und zwar richtig. 51.975 Zuschauer sahen, wie die Liverpool Reds nach einem schläfrigen Start und einem 0:1-Rückstand noch ein Feuerwerk zündeten, das die London Blues am Ende mit einem 4:2 auf die Heimreise schickte. Trainer Heiner Schneider grinste nach Abpfiff zufrieden: "Ich hab den Jungs in der Pause gesagt, sie sollen einfach tun, was sie am besten können: das Spiel gewinnen." Dabei hatte es zunächst gar nicht danach ausgesehen. Die Blues starteten wacher, bissiger, ja fast schon übermotiviert. Bereits in der 14. Minute brachte Samuel Forsythe die Gäste nach Vorarbeit von Joel Primes mit einem satten Schuss ins lange Eck in Führung. Keeper Reece Kendall war noch dran, aber das Leder flog trotzdem ins Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", fluchte der Torhüter später halb lachend, halb fassungslos. Die Reds, die in ihrer typischen offensiven Ausrichtung aufliefen, brauchten lange, um Struktur zu finden. Astruc und Arrondo vergaben mehrere gute Chancen, und die Fans begannen sich an die dunklen Novembernächte der letzten Saison zu erinnern, als Liverpool regelmäßig nach Rückständen zerfiel. Doch diesmal war es anders. "Wir wollten zeigen, dass wir reifen können", erklärte Mittelfeldveteran John Millington, der als heimlicher Dirigent des Abends glänzte. Nach der Pause kam die Explosion. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff legte Millington mustergültig quer auf Josef Lundqvist, der humorlos zum 1:1-Ausgleich einschoss (49.). Ein Tor, das so präzise war, dass man fast den Eindruck hatte, Lundqvist habe einen Laserpointer im Schuh. Wenige Minuten später fiel der Schwede verletzt aus, aber sein Treffer war der Weckruf, den Liverpool gebraucht hatte. Als James Badham in der 67. Minute nach erneutem Millington-Zuspiel den Ball in die Maschen drosch, wackelte die Haupttribüne. Schneider ballte an der Seitenlinie die Faust, während Blues-Coach Fabio Rapi in seiner Coachingzone nervös die Wasserflaschen sortierte. "Wir hätten das Spiel kontrollieren müssen", knurrte Rapi später. "Stattdessen haben wir Liverpool eingeladen, uns auseinanderzunehmen." Die Gäste versuchten zu reagieren, brachten frische Kräfte: Bonald, Staunton, Beauvilliers - neue Namen, altes Leid. Denn in der 84. Minute verkürzte Owen Ward zwar für die Londoner nach feinem Pass von Beauvilliers auf 2:3, aber die Hoffnung währte nur 60 Sekunden. Der Innenverteidiger Joseph Allington, sonst eher für rustikale Grätschen zuständig, köpfte nach einer Ecke von Badham zum 4:2-Endstand ein (85.). "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste Allington, während er sich abklopfte, als wäre er gerade aus einem Kohleschacht gestiegen. Und dann kam noch der Youngster: Matthew Preston, gerade erst für den verletzten Lundqvist eingewechselt, sorgte in der Nachspielzeit mit einem sehenswerten Schlenzer für das Sahnehäubchen (91.). Die Vorlage kam - natürlich - von James Badham, der an diesem Abend an fast allem beteiligt war, was nach Fußball aussah. Statistisch untermauerte Liverpool die Dominanz: 14 Torschüsse gegenüber 8 der Blues, 53 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die mit 52 zu 47 Prozent leicht, aber entscheidend für die Wende sprach. Selbst der stets nüchterne Schneider gestand ein: "So viel Spielfreude habe ich selten gesehen. Nur der Kaffee in der Halbzeit war stärker." Fabio Rapi hingegen suchte Trost in der Ironie. "Wir waren 45 Minuten das bessere Team", meinte er, "und danach nur noch das höflichere. Wir haben den Reds zu oft den Ball geschenkt." Seine Spieler wirkten ähnlich ratlos. Mason Staunton, der in der 78. Minute Gelb sah, kommentierte trocken: "Wenn man schon verliert, sollte man wenigstens in Erinnerung bleiben." So blieb am Ende ein Spiel, das all das bot, was ein Premier-League-Abend bieten sollte: Tempo, Tore, Emotionen - und eine Portion britischen Wahnsinn. Die Reds setzten mit dem 4:2 ein Ausrufezeichen im Titelrennen, während die Blues weiter nach Form suchen. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Wenn Liverpool einmal ins Rollen kommt, hilft nur noch der Schlusspfiff." Und der kam für die Blues an diesem Abend eindeutig zu spät. 07.08.643990 13:50 |
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