El Peruano
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Real Iquitos tanzt den Regenfußball - 3:1 gegen Atletico Somos

Der Amazonas hatte an diesem Samstagabend offenbar gute Laune. 33.566 Zuschauer drängten sich im Estadio Max Augustin, manche mit Regencape, andere mit nacktem Oberkörper und Trommel. Und sie wurden belohnt: Real Iquitos lieferte gegen Atletico Somos ein Spiel, das so feuchtfröhlich war wie ein tropischer Regenschauer - mit offenem Visier, ein bisschen Chaos und jeder Menge jugendlichem Übermut.

Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz. Zweite Minute, Marco Viana, 21, Rechtsaußen mit einem Hang zur Frühschicht, drückte nach Vorarbeit von Javier Villar den Ball über die Linie. "Ich war selbst überrascht, wie viel Platz ich hatte", grinste Viana später, "vielleicht dachten sie, das Spiel beginnt erst um acht nach."

Atletico Somos, vom stets seriös wirkenden Coach Don Carlos Peña (der an der Seitenlinie aussah, als wolle er lieber Excel-Tabellen sortieren), wirkte völlig überrumpelt. Und Real Iquitos machte weiter. In der zwölften Minute schoss Linksverteidiger Joao Barbosa - ja, ein Linksverteidiger! - das 2:0. Wieder hatte Villar seine Füße im Spiel, diesmal als Vorlagengeber. Barbosa jubelte, als hätte er gerade den Pokal gewonnen, und rief in Richtung Trainerbank: "Siehst du, Mister Torpedo, ich kann auch stürmen!"

Trainer Dimak Torpedo grinste breit. "Joao schießt sonst nur auf Mücken", scherzte er später, "heute hat er das Ziel etwas höher gesetzt."

Doch Atletico Somos rappelte sich auf. Ricardo Suarez, der rechte Mittelfeldmann mit der Frisur eines Popstars, verkürzte in der 36. Minute nach Vorarbeit von Ivan Delgado auf 2:1. Plötzlich lag Spannung in der Luft. Die Gäste übernahmen den Ballbesitz (am Ende 51 Prozent) und drückten, aber Real Iquitos verteidigte mit mehr Herz als Ordnung. Torhüter Charlie Bloomfield, der 34-jährige Engländer zwischen den Pfosten, brüllte seine Abwehr zusammen, als wolle er eine Kneipenschlägerei verhindern.

"Ich hab geschwitzt wie im Dschungel - ach Moment, ich war ja im Dschungel", sagte Bloomfield lachend nach dem Spiel.

Zur Pause blieb es bei 2:1 - und die Fans sangen, als hätte es Freibier gegeben. Torpedo wechselte zur zweiten Halbzeit vorsichtig: Er brachte den 19-jährigen Adrian Izquierdo für Miguel Coluna, was taktisch kaum etwas änderte, aber frische Beine brachte. Die zweite Hälfte war weniger spektakulär, dafür taktisch geprägt. Atletico Somos versuchte, über die Flügel Druck zu machen, kam aber kaum durch. Nur fünf Torschüsse insgesamt - davon zwei aus der Distanz, die eher in Richtung Amazonas-Mündung flogen als ins Tor.

Real Iquitos dagegen lauerte auf Konter, schoss insgesamt 16-mal aufs Tor, und je länger das Spiel dauerte, desto mehr wuchs der Eindruck: Hier brennt nichts mehr an. Villar hatte Chancen im Minutentakt (69., 75., 81.), aber Atletico-Keeper Antonio Peyroteo rettete mehrfach glänzend.

In der 91. Minute dann der Schlusspunkt: Wieder Joao Barbosa. Wieder aus dem Nichts. Nach einer Ecke von Damian Meira trudelte der Ball zu ihm, und der 19-Jährige drosch ihn humorlos ins Netz - 3:1, Jubel, Endstation Somos.

"Ich wollte eigentlich flanken", gab Barbosa später mit einem Grinsen zu. "Aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich, es war Absicht."

Trainer Torpedo lobte sein junges Team: "Manchmal spielen sie, als hätten sie nie etwas von Taktik gehört - aber dann hauen sie dich mit Leidenschaft um. Ich mag das." Atletico-Coach Peña hingegen wirkte ratlos: "Wir hatten den Ball, aber nicht die Idee. Vielleicht war der Ball zu rund heute."

Statistisch gesehen war es ein fast ausgeglichenes Spiel - 48,6 Prozent Ballbesitz für Real, 51,4 für Somos -, doch die Torschussbilanz sprach Bände: 16:5 für die Gastgeber. Und auch die Zweikampfquote (54 zu 46 Prozent) zeigte, dass Real Iquitos einfach wacher war.

Als der Schlusspfiff ertönte, tanzten die Fans auf den Rängen. Einige warfen ihre Trikots in die Luft, andere warfen sich in die Pfützen. Iquitos liebt seine Mannschaft - und die Mannschaft liebt offenbar das Risiko.

"Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald ein Boot statt eines Busses", witzelte Torpedo zum Abschied. Und wer ihn sah, wusste: Der Mann meint es halb ernst.

Ein Abend, wie ihn der Dschungel liebt - laut, wild, unberechenbar. Real Iquitos surft weiter auf der Regenwelle, und Atletico Somos muss sich fragen, wie man aus 51 Prozent Ballbesitz so wenig macht. Vielleicht hilft weniger Statistik und mehr Instinkt. Oder, wie Barbosa trocken sagte: "Einfach mal draufhauen - manchmal klappt’s."

30.03.643994 10:34
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Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
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