// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Manchmal ist Fußball einfach. Manchmal sind 18 zu 4 Torschüsse und 52 Prozent Ballbesitz keine Statistik, sondern eine Liebeserklärung an das Spiel selbst. Pots Oss hat am Montagabend vor 20.000 begeisterten Zuschauern gezeigt, dass man auch ohne Glitzerstars, aber mit viel Herz und einem überragenden Herold Breed, den SC Haarlem in seine Einzelteile zerlegen kann. Das 3:0 (1:0) war nicht nur verdient - es war fast schon ein Akt der Gnade, dass es nicht höher ausging. Von Beginn an war klar, dass Haarlem einen langen Abend vor sich haben würde. Schon in der dritten Minute prüfte Adam Brady den Gästekeeper Suay Sismanoglu, der sich früh die Handschuhe warm fangen durfte. "Ich dachte, ich hätte Urlaub gebucht, aber dann kam Brady auf mich zu", murmelte der Torwart nach dem Spiel mit einem gequälten Lächeln. Die Gastgeber kombinierten flüssig, und wenn man genau hinhörte, konnte man Trainer van der Pol (dessen Name in der Aufstellung fehlte, aber auf der Bank unüberhörbar war) immer wieder rufen hören: "Kurzpass, Männer, kein Rugby!" - was seine Elf brav beherzigte. Haarlem dagegen wirkte bemüht, aber wie ein Schüler, der die Hausaufgaben vergessen hat und hofft, dass der Lehrer es nicht merkt. In der 41. Minute kam, was kommen musste: Herold Breed schickte mit einem traumhaften Pass Dirck Van Cortlandt auf die Reise, der 34-Jährige blieb eiskalt und schob zum 1:0 ein. "Ich hab nur gedacht: nicht drüber, nicht drüber, nicht wieder drüber", grinste Van Cortlandt später und klopfte sich selbst auf die Schienbeinschoner. Mit diesem Treffer ging es in die Pause - und Haarlem durfte froh sein. Nur vier harmlose Schüsse auf das Tor von Harold Weidman zeugten vom versuchten Widerstand. Der junge Keeper aus Oss hatte einen dieser Abende, an denen man sich fragt, ob er überhaupt schwitzt. Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild gleich. Oss spielte, Haarlem lief hinterher. In der 57. Minute dann der Moment für Bastiaan Scranton, eigentlich Rechtsverteidiger, aber in dieser Szene mit dem Selbstverständnis eines Mittelstürmers: Breed legte ab, Scranton zog ab - 2:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er später, "aber dann war der Ball drin. Da hab ich so getan, als wär’s Absicht." Kaum hatten sich die Gäste davon erholt, setzte Larz Blood den Deckel drauf. Drei Minuten nach Scrantons Treffer bekam er den Ball von Adam Brady serviert - und jagte ihn kompromisslos ins Netz. 3:0, die Entscheidung. Der Stadionlautsprecher überschlug sich, und ein älterer Herr auf der Tribüne soll ungläubig gefragt haben: "War das gerade der Linksaußen oder der Blitz?" Die letzten 30 Minuten waren Schaulaufen. Haarlem versuchte, den Schaden zu begrenzen, Oss spielte mit sichtbarer Freude weiter. "Wenn’s läuft, dann läuft’s", sagte Trainer van der Pol später mit einem zufriedenen Nicken. "Heute hat jeder verstanden, dass man den Ball auch mal laufen lassen darf - nicht nur den Gegner." Haarlem-Coach van den Broeck (der nach dem Abpfiff eine Weile wortlos auf den Rasen starrte) fasste es schließlich trocken zusammen: "Wir hatten einen Plan. Leider war Oss nicht informiert." Statistisch gesehen war das Ergebnis so klar wie das Bild auf der Anzeigetafel: 18 Abschlüsse der Hausherren, nur vier von Haarlem. 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Oss, 44 für die Gäste. Es war kein Zufall, dass der Ballbesitz mit 53 zu 47 Prozent ebenfalls leicht zugunsten der Sieger ausfiel - sie ließen den Ball laufen wie auf Schienen. Und so ging ein Abend zu Ende, der für Oss-Fans noch lange nachhallen dürfte. Breed, der mit zwei Assists glänzte, wurde verdient zum "Mann des Spiels" gewählt, während Van Cortlandt, Scranton und Blood ihre Namen auf die Torschützenliste setzten. Auf den Rängen tanzten die Fans, und selbst der Stadionsprecher wirkte am Ende leicht heiser. "Das war Fußball zum Anfassen", jubelte ein Fan hinter der Pressetribüne. "Und Haarlem? Na ja - zum Vergessen." Vielleicht das schönste Zitat aber kam von Bastiaan Scranton, als er mit einem breiten Grinsen Richtung Kabine schlenderte: "3:0, rechte Seite getroffen, linke Seite getroffen, Mitte getroffen - das war heute Geometrieunterricht für Fortgeschrittene." Kurz gesagt: Pots Oss hat Haarlem nicht nur geschlagen, sondern stilvoll auseinandergenommen. Ein Spiel wie ein Lehrvideo - mit Humor, Herz und Herold Breed in der Hauptrolle. 15.08.643987 11:15 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll