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Ein kalter Januarabend in Südschweden, Flutlicht über dem Stadion von Atvidaberg, 28.750 Zuschauer, die sich noch vor Anpfiff in Decken und Hoffnung wickelten. Doch als der Schiedsrichter um 19 Uhr die Conference-League-Partie gegen Palermo Calcio freigab, wehte bald ein warmer Wind aus dem Süden - und er hieß Aldo Lombardo. Der 27-jährige Mittelstürmer der Italiener erzielte zwei Tore, legte das dritte mit ein paar charmanten Bewegungen im Strafraum gewissermaßen vor, und ließ die Gastgeber aussehen, als hätten sie die Spielanleitung vergessen. Schon in der achten Minute zeigte Lombardo, dass Effizienz keine Frage des Ballbesitzes ist. Atvidaberg kombinierte hübsch, hielt den Ball zu über 56 Prozent, doch Palermo brauchte nur eine Bewegung: Vincenzo Sabbatini chipte den Ball über die Abwehr, Lombardo nahm ihn volley. 0:1. Der Jubel der mitgereisten Fans hallte über die vereisten Ränge, während Atvidabergs Torhüter Felix Uggla ratlos die Handschuhe betrachtete, als könnten sie ihm erklären, was gerade passiert war. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte Trainerin Lena-Marie Temmel später, "aber dann war der Ball halt weg - und gleich auch das Gegentor." Ihre Mannschaft blieb bemüht, aber harmlos. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - das liest sich eher wie ein Unfallbericht als wie eine Offensivstatistik. Palermo dagegen spielte schnörkellos. Kein Pressing, kein übertriebener Aufwand, einfach präzise Pässe, klare Läufe, und immer wieder Lombardo im Zentrum. Seine Offensivkollegen Castello und Marchesato wirbelten zwar, aber es war der bullige Mittelstürmer, der jede Szene magnetisch anzog. "Aldo ist wie ein Espresso doppio: klein in der Bewegung, aber stark in der Wirkung", grinste Palermo-Coach Ofgqod Euogugezzh nach dem Spiel mit diesem typischen süditalienischen Understatement. Die Schweden versuchten, wenigstens körperlich gegenzuhalten. Nach 16 Minuten holte sich Adriano Mantecon die erste Gelbe Karte, weil er offenbar meinte, Lombardo könne man mit einem beherzten Tritt stoppen. Später folgte Raul Antolin mit einer späten Verwarnung - symbolisch für einen Abend, an dem Atvidaberg immer einen Schritt zu spät kam. In der 68. Minute war dann endgültig klar, dass das hier kein Missverständnis, sondern ein Klassenunterschied war. Wieder Lombardo, diesmal nach einem Eckball von Adrianos Markopoulos. Kopfball, Tor, 0:2. Der Jubel auf Palermos Bank war verhalten, fast höflich - man wusste, das Spiel war entschieden. "Wir haben uns in der Halbzeit gesagt: ruhig bleiben, wir haben mehr Ballbesitz, irgendwann fällt er rein", erzählte Atvidabergs junger Stürmer Jakob Söderberg später. "Nur ist er halt auf der falschen Seite reingefallen." Palermo wechselte clever: Granados kam für Giorgio Lombardo und brachte frischen Schwung. Der Lohn: In der Nachspielzeit traf er selbst nach feiner Vorarbeit von Linksverteidiger Martin De Both. 0:3 - Endstand, Lehrstunde, Schlusspunkt. Statistisch gesehen hatte Atvidaberg sogar die Kontrolle: 56 Prozent Ballbesitz, viele Pässe, wenig Chaos. Aber Palermo schoss 14-mal aufs Tor, Atvidaberg zweimal. Das ist, als würde jemand behaupten, er habe den Tanz gewonnen, weil er länger auf der Fläche stand - während der andere einfach besser tanzte. "Wir haben uns nicht überanstrengt", sagte Palermos Doppeltorschütze Lombardo, als er schon mit Mütze und Kapuze Richtung Kabine ging. "Aber wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können, auch wenn’s minus vier Grad sind." Die schwedischen Fans applaudierten trotzdem, als die Mannschaft nach dem Abpfiff in die Kurve ging. Es war kein Spott, eher ein trotziges Zeichen: Man weiß hier, dass man gegen so eine clevere, abgezockte Mannschaft einfach Lehrgeld zahlt. Palermo Calcio nimmt aus Atvidaberg drei Punkte, drei Tore und reichlich Selbstbewusstsein mit. Atvidaberg BK dagegen nimmt Erfahrungen mit - und vielleicht die Erkenntnis, dass Ballbesitz schön, aber Tore schöner sind. Oder wie Coach Temmel es mit einem bitteren Lächeln zusammenfasste: "Wir hatten mehr vom Spiel. Leider nicht vom Ergebnis." Ein sizilianischer Winterabend im schwedischen Eis - und der Beweis, dass Fußball manchmal einfach eine Frage der Effizienz ist. 01.05.643987 16:08 |
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