Tuttosport
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Palermo Calcio siegt knapp - und mit italienischem Drama pur

Ein lauer Januarabend in Palermo, 32.000 Zuschauer, ein Himmel voller Feuerwerksreste vom Dreikönigstag und ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Gelbe Karten - und das unvermeidliche italienische Theater. Am Ende jubelte Palermo Calcio über ein 3:2 gegen den FC Ascoli, doch der Weg dorthin war so kurvenreich wie die Gassen der Altstadt.

Trainer Ofgqod Euogugezzh - ein Mann, dessen Name so kompliziert ist wie seine Taktik einfach war - ließ offensiv spielen, als wolle er den Ball gleich selbst ins Tor tragen. "Wir wollten zeigen, dass Palermo wieder Spaß macht", grinste er nach dem Spiel, während ihm ein Fan von der Tribüne ein rosa Schal zuwarf.

Und Spaß machte es. Schon in der 8. Minute prüfte Vincenzo Castello den Ascoli-Keeper Arthur Declark mit einem satten Schuss, und die Tribüne vibrierte. Der 21-Jährige sollte noch öfter auffallen - im Guten wie im Lauten. In der 38. Minute brach er dann den Bann: Nach perfekter Flanke von Rechtsverteidiger Sebastiano Spina köpfte Castello zum 1:0 ein. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft", sagte er später lachend. Offenbar eine gute Taktik.

Nur vier Minuten später legte Daniele Monti nach. Der junge Rechtsaußen zog aus 20 Metern ab, Declark streckte sich vergebens - 2:0, und die "Rosanen" (wie Palermo-Fans ihre Elf nennen) lagen sich in den Armen. Die Halbzeit war ein Fest, und in der Pressetribüne tuschelte man schon über eine mögliche Gala-Vorstellung.

Doch wer den italienischen Fußball kennt, weiß: Kein Vorsprung ist sicher, bevor der Schiedsrichter das Licht ausmacht. Nach dem Seitenwechsel kam Ascoli mit Wut im Bauch aus der Kabine. Trainer Otze Machet, ein Mann mit der Körpersprache eines Vulkans kurz vor dem Ausbruch, hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich sagte ihnen, sie sollen aufhören, höflich zu sein", knurrte er hinterher.

In der 53. Minute traf Bruno Bellini - einmal, zweimal, beinahe dreimal. Erst hämmerte er den Ball nach Vorarbeit des 17-jährigen Marco Farina ins Netz, dann drehte er sechs Minuten später den Ball nach Pass von Dirk Nagel elegant ins lange Eck. 2:2, und plötzlich war der Lärm im Stadio Renzo Barbera eher ein nervöses Murmeln.

Palermo wirkte kurz geschockt, doch nicht lange. In der 64. Minute nahm Matteo Crosia im Mittelfeld Maß, spielte einen butterweichen Pass in den Lauf von Aldo Lombardo - und der Stürmer vollendete trocken zum 3:2. "Ich hab Matteo nur angeschaut, und er wusste", schwärmte Lombardo. "So was übt man nicht, das ist Magie."

Danach war’s ein wilder Tanz. Gelbe Karten für Spina (63.) und Talarico (78.) auf Palermos Seite, eine späte Verwarnung für Ascolis Routinier Riccardo Coeli (94.) - und unzählige Torchancen auf beiden Seiten. Insgesamt 24 Torschüsse, 13 für Palermo, 11 für Ascoli. Die Gäste hatten mit 54 Prozent zwar mehr Ballbesitz, aber Palermo machte aus weniger mehr.

"Manchmal ist der Ballbesitz wie ein schönes Auto ohne Benzin", meinte Trainer Euogugezzh süffisant. Machet konterte: "Wir haben das Benzin, aber vergessen, wo der Zündschlüssel liegt." Die Journalisten lachten, und beide Trainer gaben sich wie alte Freunde - zumindest bis zur nächsten Begegnung.

In den letzten Minuten drängte Ascoli mit allem, was noch laufen konnte. Coeli prüfte Suero in der 91. Minute, Nelson Xavier scheiterte kurz darauf knapp. Palermo wankte, fiel aber nicht. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Kapitän Lombardo auf die Knie, während die Fans "Forza Palermo!" sangen, als ginge es um die Meisterschaft.

Statistisch gesehen war’s ein Spiel auf Augenhöhe - 52 Prozent Zweikampfquote für Palermo, 48 für Ascoli -, aber die Emotionen entschieden. Und Emotionen, das ist in Palermo eine eigene Währung.

"Ich hätte gern ein ruhigeres Spiel gesehen", murmelte Torwart Fernando Suero beim Verlassen des Platzes, "aber das wäre ja langweilig."

Langweilig war hier gar nichts. Palermo bleibt damit in der Spitzengruppe, Ascoli reist mit leeren Händen, aber erhobenem Haupt nach Hause. Und irgendwo auf der Pressetribüne schrieb ein Kollege: "Wenn Dramen drei Akte brauchen, war das hier Shakespeare mit Flutlicht."

Vielleicht übertrieben. Aber nur ein bisschen.

18.03.643987 02:05
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Mir ist ein Felsen vom Körper gefallen.
Rainer Calmund
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