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Olympiokos schockt Barcelona - 2:1-Auswärtssieg mit griechischer Effizienz

Es war einer jener Abende, an denen die Statistik Lügen gestraft wird. 51 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse, ein Meer aus Passstafetten - und am Ende steht auf der Anzeigetafel im Camp de Montjuïc ein nüchternes 1:2 aus Sicht des SC Barcelona. Olympiokos, das Team von Trainer Dirk Reichmann, stahl sich mit mediterraner Kaltschnäuzigkeit und einer Prise Glück in die Geschichtsbücher der Champions-League-Qualifikation.

Schon früh legten die Griechen die Blaupause für ihren Coup. In der 14. Minute riss Asimakis Nafpliotis den 52.000 Zuschauern die Tapas aus der Hand: Nach einem schnellen Doppelpass mit Emmanouil Vassiliadis ließ der Linksaußen Barcelonas Keeper Eduardo Contreras keine Chance. 0:1 - und plötzlich war das Stadion still, nur auf der Gästebank jubelte Reichmann mit der Energie eines Mannes, der heimlich auf die Nachspielzeit hofft. "Wir wollten Barcelona gar nicht den Ball wegnehmen", grinste der Deutsche nach Abpfiff. "Wir wollten nur, dass sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen."

Barcelona wusste tatsächlich lange nichts. Emilio Zapatero und Alejandro Linares schossen zwar früh und oft, aber meistens in die Nähe des Parkhauses oder direkt in die Arme von Omiros Nafpliotis, dem griechischen Torhüter, der an diesem Abend mehr Bälle fing als ein Zirkusartist. Trainer Walter Temmel war schon nach 20 Minuten unruhig und rief seinen Mittelfeldmann Roberto Bermudez zu sich: "Robi, wir spielen hier Fußball, kein Handball um den Strafraum!" Das Mikrofon der Übertragung fing es ein - und Bermudez nickte pflichtbewusst, als hätte er gerade eine Predigt gehört.

Noch vor der Pause folgte der nächste Nackenschlag: In der 42. Minute netzte der 25-jährige Stefanos Venizelos nach einem Abpraller zum 0:2 ein. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte er später mit breitem Lächeln. "Manchmal hilft beten, manchmal hilft schießen." Barcelona schien da schon in die Halbzeit zu taumeln, wo Temmel laut Zeugen wahlweise eine Taktiktafel zerbrochen oder eine Motivationsrede gehalten haben soll - sicher ist nur: Er wechselte doppelt.

Nach dem Seitenwechsel kam tatsächlich mehr Schwung in die katalanische Offensive. Cesc Claverias, zur Pause eingewechselt, brachte frisches Leben über rechts. In der 62. Minute schlug genau diese Kombination zu: Claverias flankte präzise, Bermudez nahm den Ball volley - und endlich zappelte das Netz. 1:2, Anschluss, Hoffnung. "Da hab ich kurz geglaubt, wir drehen’s", meinte Bermudez später, "aber dann haben wir wieder angefangen, schön zu spielen."

Olympiokos wankte, fiel aber nicht. Selbst als der verletzte Venizelos in der 65. Minute ausgewechselt werden musste, blieb die Defensive stabil. Karagounis, der schon in Minute drei Gelb gesehen hatte, grätschte weiter mit der Leidenschaft eines Mannes, der seine Fluglizenz gefährdet sieht. "Ich wollte nur den Ball", beteuerte er nach dem Spiel, "leider war der Ball am Fuß vom Gegner."

Barcelona drückte bis zum Schluss, der Ballbesitz stieg, die Chancen häuften sich, und in der Nachspielzeit prüfte Zapatero noch einmal den Reflexapparat des griechischen Keepers. Doch Olympiokos rettete das Ergebnis über die Zeit - mit 15 Torschüssen, zwei Toren und einer Abwehr, die sich in der letzten Viertelstunde eher wie ein antiker Tempel anfühlte: unbeweglich, aber unüberwindbar.

Trainer Temmel wirkte nach dem Schlusspfiff erstaunlich gefasst. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht das Ergebnis", sagte er mit einem bitteren Lächeln. "Im Rückspiel nehmen wir dann vielleicht mal das Tor ins Visier." Reichmann hingegen ließ sich von seinen Spielern fast erdrücken. "Das war Leidenschaft, Disziplin und ein bisschen Ouzo im Blut", witzelte er, bevor er in der Mixed Zone verschwand.

Die Statistik fasste es nüchtern zusammen: 51 Prozent Ballbesitz für Barcelona, 18:15 Torschüsse, identische Zweikampfquoten - und doch ein Ergebnis, das in Griechenland vermutlich noch Wochen gefeiert wird.

Und so bleibt der Abend als jener in Erinnerung, an dem die Philosophen aus Piräus den Ballbesitz-Künstlern aus Katalonien eine einfache Erkenntnis mitgaben: Fußball ist keine Frage der Ästhetik, sondern der Effizienz. Oder, wie es der zweifache Torschütze Nafpliotis nach dem Spiel sagte: "Sie hatten Picasso - wir hatten Punkte."

Ein Satz, den man sich in Barcelona vermutlich an die Kabinentür nageln wird - gleich neben die Taktiktafel mit der Aufschrift: "Schön spielen kann jeder. Gewinnen nicht."

08.06.643990 23:41
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Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben.
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