Sport-Blick
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Oberwalliser Offensivsturm fegt über Wohlen hinweg - 5:3-Spektakel im Schneetreiben

Es war einer dieser Abende, an denen der heiße Becher Glühwein im Stadion wichtiger schien als das Ergebnis - bis der FC Oberwallis beschloss, die SV Wohlen in ein Torfestival zu verwickeln. 27.000 frierende, aber bestens unterhaltene Zuschauer sahen am 13. Spieltag der 1. Liga Schweiz ein 3:5, das man so schnell nicht vergisst.

Schon nach 20 Minuten sah es für Wohlen düster aus. Patrick Benveniste, der bullige Mittelstürmer der Gäste, eröffnete in der 18. Minute den Torreigen, nachdem Youngster Jan Hamsik ihm die Kugel butterweich in den Lauf gelegt hatte. Zwei Minuten später revanchierte sich der 19-jährige Hamsik selbst - diesmal versorgte ihn Routinier Laurent Castel mit dem entscheidenden Pass. 0:2, und der SV Wohlen wackelte wie ein alter Torpfosten im Winterwind.

"Wir standen da rum wie bei einer Theaterprobe", knurrte Wohlen-Coach nach dem Spiel, der namentlich nicht genannt werden wollte, aber deutlich erkennbar an seiner Mütze mit Vereinslogo war. "Nur dass beim Theater wenigstens einer Text hat."

Noch vor der Pause erhöhte Lars Wegner auf 3:0 für Oberwallis - ausgerechnet nach einer Ecke, die Verteidiger Miguel Sa Pint per Kopf verlängerte. Da schien alles entschieden. Doch kurz vor der Halbzeit ließ Jens Adriaenssens die Gastgeber wieder hoffen. Er traf in der 45. Minute nach feinem Zuspiel von Julien Bernier - und das Publikum war plötzlich wieder wach.

"In der Kabine hab ich gesagt: Jungs, wir brauchen Feuer", erzählte Adriaenssens später mit einem Grinsen. "Und Mocana meinte nur: Ich bin das Feuer." Der Satz sollte prophetisch klingen.

Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, erzielte Silvestre Mocana in der 46. Minute das 2:3. Nach Vorlage von Walther Brückner schob er eiskalt ein. Die Wohlen-Fans rieben sich die Augen - war hier etwa noch was drin?

Oberwallis antwortete prompt. Wieder Benveniste, diesmal nach feinem Zuspiel von Wegner, stellte in der 50. Minute auf 2:4. "Ich hab einfach den Kopf runter und drauf", lachte der Doppeltorschütze später in die Mikrofone. "Manchmal ist Denken im Strafraum überbewertet."

Wohlen kämpfte, aber der Abend wurde zunehmend ruppig. Innenverteidiger Franck Bruguiere sah erst Gelb (51.) und dann, nur sechs Minuten später, Gelb-Rot. "Er wollte den Ball treffen, hat aber den Gegner gefunden", kommentierte ein Kollege trocken von der Tribüne.

Mit einem Mann weniger versuchte Wohlen das Unmögliche. Und tatsächlich - in der 69. Minute war Mocana wieder da. Nach einer Flanke von Linksverteidiger Julien Gebhardt drückte er den Ball zum 3:4 über die Linie. Das Stadion tobte, die Trainerbank jubelte, und kurz glaubte man, der Abend würde zur märchenhaften Aufholjagd.

Doch Märchen enden selten mit Oberwalliser Beteiligung. In der 86. Minute machte erneut Lars Wegner alles klar. Nach Pass von Georges Bouchard schlenzte er den Ball ins lange Eck - das 3:5, Endstand, und die letzten Hoffnungen der Gastgeber erloschen wie die Flutlichtmasten nach Abpfiff.

Die Statistik passte zum Spiel: 17 Torschüsse für die Gäste, nur 8 für Wohlen. 53 Prozent Ballbesitz für Oberwallis, 45 Prozent Zweikampfquote für Wohlen - also etwa halb so viel wie nötig. "Wir wollten offensiv auftreten", sagte FC-Oberwallis-Trainer Snore Laken mit einem verschmitzten Lächeln. "Und wenn man fünf Tore schießt, darf man das ruhig als gelungen ansehen."

Sein Gegenüber meinte lapidar: "Wir haben offensiv gespielt, ja - aber offenbar in beide Richtungen."

Das Fazit dieses Abends: Der FC Oberwallis bleibt eine offensivfreudige Wundertüte - manchmal wild, aber immer gefährlich. Der SV Wohlen dagegen muss sich fragen, ob man mit einer Abwehr, die so offen steht wie eine Bahnhofstür, in dieser Liga bestehen kann.

Zumindest eines haben beide Teams geliefert: Unterhaltung. Und das ist im Februar mehr wert als Punkte. Denn wer bei minus zwei Grad fünf Tore schießt, hat sich nicht nur einen Sieg, sondern auch den Respekt der eingefrorenen Zuschauer verdient.

Oder wie Lars Wegner es nach Spielende formulierte, während ihm der Atem in weißen Wolken entwich: "Fußball ist kein Schönheitswettbewerb - aber heute war’s ein verdammt hübsches Chaos."

27.10.643990 16:07
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