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Oberwalliser Offensivfeuerwerk: Vaduz scheitert im Pokal an eiskalten Gästen

Ein eisiger Januarabend in Vaduz, ein Pokal-Achtelfinale, 40.000 Zuschauer - und ein FC Oberwallis, der spielte, als hätte er die Heizung im Stadion selbst bezahlt. Am Ende leuchtete ein 2:4 auf der Anzeigetafel, das die Hausherren vom SC Vaduz ernüchtert zurückließ und die Gäste jubeln ließ.

Die Partie begann mit einem offenen Schlagabtausch. Schon in der fünften Minute prüfte Oberwallis-Mittelfeldmotor Felix Ritter den Vaduzer Keeper Rafael Bayer mit einem strammen Schuss, der das Tornetz erzittern ließ - allerdings von außen. "Da wusste ich, heute wird’s kein gemütlicher Abend", knurrte Bayer nach Spielende halb lachend.

Kaum hatte sich Vaduz sortiert, da schlug es auch schon ein: In der 18. Minute legte Pedro Beto den Ball butterweich in den Lauf von Michael Winston, der eiskalt zum 0:1 einschob. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Winston. Seine Körpersprache sagte: Er wusste genau, was er tat.

Während Vaduz noch überlegte, wie man auf so viel Spielfreude reagieren soll, erhöhte Günter Weller in der 31. Minute auf 0:2 - ein Schuss aus der Drehung, trocken wie ein guter Walliser Weißwein. Von der Bank des SC Vaduz war nur ein entnervtes "Nicht schon wieder durch die Mitte!" zu hören.

Zur Halbzeit sah es düster aus für die Liechtensteiner. Zwar lag der Ballbesitz mit 50,4 Prozent fast ausgeglichen, doch die Gäste hatten schon neun Torschüsse verzeichnet - mehr als doppelt so viele wie die Hausherren. Trainer Snore Laken vom FC Oberwallis zeigte sich trotzdem unbeeindruckt: "Wir spielen nicht auf Statistik, sondern aufs Weiterkommen."

Nach dem Seitenwechsel kam Vaduz mit frischem Elan zurück. In der 50. Minute belohnte sich Dominique Moritz nach Vorlage von Innenverteidiger Manfred Blais mit dem 1:2-Anschlusstreffer. Das Stadion erwachte - und plötzlich roch es nach Pokalwunder. "Da hatten wir sie am Wickel", meinte Moritz später, "aber dann kam dieser Patrick."

Dieser Patrick - gemeint war Patrick Benveniste - zerstörte die aufkeimenden Träume der Heimfans im Alleingang. Erst drückte er in der 57. Minute einen Querpass von Laurent Castel über die Linie, dann setzte er in der 84. Minute nach einer Ecke von Adriano Mendes den Ball per Kopf zum 1:4 in die Maschen. Zwei Tore, zwei Mal eiskalter Killerinstinkt. "Ich hab nur gemacht, was ein Stürmer macht - die Dinger reinsetzen", kommentierte Benveniste trocken.

Dazwischen hatte Vaduz noch einmal versucht, das Spiel zu drehen - vergeblich. Hugo Arias sah in der 79. Minute Gelb, gestikulierte wild und diskutierte mit dem Schiedsrichter, als wolle er ihm gleich ein Regelbuch schenken. "Ich wollte nur wissen, ob das erlaubt war", grummelte er nachher.

In der Schlussphase wurde es dann nochmal dramatisch: Dominique Moritz verletzte sich in der 88. Minute ohne gegnerische Einwirkung und musste unter Applaus ausgewechselt werden. Für ihn kam Antonio Alves, der gleich versuchte, mit langen Bällen Leben in die Partie zu bringen. Doch es reichte nur noch zum kosmetischen 2:4 in der 95. Minute, als Bernt Gramont nach schöner Vorarbeit von Adrien Declerck den Ball unter die Latte nagelte.

Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - 50 Prozent Ballbesitz, aber: 17 Torschüsse für Oberwallis, nur 8 für Vaduz. Und das erzählte die Geschichte besser als jede Zahl. Während Oberwallis mit präzisem Kurzpassspiel (Trainer Laken nennt es "Tiki-Taka für Alpenmenschen") überzeugte, blieb Vaduz zu brav, zu balanciert, zu… höflich.

"Wir haben offensiv gespielt, aber nicht kopflos", erklärte Laken später mit einem zufriedenen Grinsen. "Die Jungs haben genau das umgesetzt, was wir trainiert haben: schnell kombinieren, sicher abschließen, keine Pressing-Experimente." Auf der anderen Seite stand ein sichtlich zerknirschter Vaduz-Coach, der sich die Haare raufte: "Wir waren nicht schlecht, aber die waren heute einfach besser. Und vielleicht hätten wir den Strafraum auch mal betreten sollen."

Als die letzten Zuschauer das Stadion verließen, lag noch immer dieser seltsame Mix aus Enttäuschung und Bewunderung in der Luft. Vaduz hatte gekämpft, aber gegen die Effizienz und Zielstrebigkeit des FC Oberwallis war an diesem Abend kein Kraut gewachsen.

Ein älterer Fan fasste es am Ausgang perfekt zusammen: "Die einen schießen, die anderen zählen. Heute haben’s die Oberwalliser gezählt."

Und so verabschiedet sich Vaduz aus dem Pokal - mit erhobenem Kopf, aber gesenktem Blick. Oberwallis hingegen darf weiterträumen. Wenn sie so weiterspielen, könnte man fast glauben, Trainer Laken habe die Taktik nicht auf Papier, sondern in Stein gemeißelt.

19.09.643987 04:32
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