Sport-Blick
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Oberwalliser Last-Minute-Jubel: Weller bringt das Stadion zum Beben

Es war einer dieser Abende im Januar, an denen man sich fragt, ob Fußball wirklich draußen stattfinden muss. Minusgrade, leichter Schneeregen und trotzdem 27.000 Zuschauer im Stadion von Brig - offenbar gibt es Dinge, die selbst das Walliser Wetter nicht stoppen kann. Und sie wurden belohnt: Der FC Oberwallis gewann in einem mitreißenden 3:2-Krimi gegen den SC Delemont, nachdem Günter Weller in der 87. Minute den entscheidenden Treffer markierte.

Trainer Snore Laken grinste nach dem Schlusspfiff, als er die Zahlen auf der Anzeigetafel betrachtete. "Ich hab’ den Jungs gesagt, sie sollen bis zum letzten Atemzug laufen - ich meinte eigentlich metaphorisch, aber Weller hat das wohl wörtlich genommen", scherzte der Coach. Tatsächlich war es eine Partie, in der die Hausherren zwar mehr Ballbesitz (57 Prozent) und Torschüsse (18 zu 9) hatten, aber immer wieder Gefahr liefen, sich selbst das Leben schwer zu machen.

Schon nach fünf Minuten bebte das Stadion: Innenverteidiger Adriano Mendes, sonst eher fürs Aufräumen zuständig, verwandelte eine Ecke von Felix Ritter per Kopf zum frühen 1:0. "Ich wollte eigentlich nur stören", grinste Mendes später, "aber dann dachte ich, wenn ich schon da bin…"

Der Treffer schien Oberwallis Flügel zu verleihen - genauer gesagt dem linken Flügel. Michael Winston, der mit seinen 33 Jahren immer noch aussieht, als könne er die Uhr anhalten, erhöhte in der 23. Minute auf 2:0. Nach Vorarbeit von Günter Weller versenkte er den Ball eiskalt rechts unten. Trainer Laken jubelte, während Delemont-Coach Neres Lang an der Seitenlinie mit den Händen fuchtelte, als wolle er eine besonders störrische Drohne landen.

Doch wer dachte, das Spiel sei entschieden, wurde eines Besseren belehrt. Nur sieben Minuten später verkürzte Delemonts Linksverteidiger Lars Ring nach einem schönen Zusammenspiel mit Laurent Rothe auf 2:1. Der Treffer fiel ausgerechnet in einer Phase, in der Oberwallis versuchte, das Tempo zu kontrollieren. "Wir haben den Ball kontrolliert, aber leider auch die Spannung", murmelte Mittelfeldmann Ritter später selbstkritisch.

Kurz vor der Pause kam es dann noch dicker: In der 44. Minute glich Benjamin Besson für die Gäste aus - ein herrlicher Schuss nach Vorlage von Rikki Vedder. 2:2 zur Halbzeit, und das Publikum war hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und leichtem Frostschock.

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel ruppiger. Erst sah Oberwallis’ Linksverteidiger Christian Soveria Mannelli Gelb (25.), später folgten Humberto Vaz (75.) und Georges Bouchard (81.) mit derselben Farbe. "Das war kein böses Spiel, nur ein leidenschaftliches", meinte Referee Lorenzini später - eine Interpretation, die nicht alle Zuschauer teilten.

In der 52. Minute musste Delemont den angeschlagenen Lars Ring auswechseln. "Er ist in den Boden gerutscht, den gibt’s hier ja öfter", knurrte Coach Lang, der den jungen Christopher Wolter einwechselte. Spätestens ab der 70. Minute roch alles nach einem Unentschieden: Beide Teams neutralisierten sich, Fehlpässe häuften sich, und der heiße Tee auf der Tribüne wurde zum wertvollsten Gut des Abends.

Doch dann kam Minute 87. Felix Ritter, der schon das 1:0 vorbereitet hatte, setzte sich im Mittelfeld durch, passte steil auf Günter Weller - und der drosch den Ball in die Maschen, als hätte er all seine Winterwut in diesen Schuss gelegt. 3:2! Das Stadion explodierte, und Weller rannte jubelnd Richtung Eckfahne, wo er fast im Schneehaufen verschwand. "Ich hab’ nur noch Weiß gesehen - aber das war wohl der Schnee, nicht das Licht", lachte der Torschütze später.

Delemont versuchte noch einmal alles, blieb aber harmlos. Laurent Rothe prüfte in der 84. Minute Keeper Christopoulos, doch der blieb souverän. Nach dem Schlusspfiff umarmten sich erschöpfte Spieler, während Trainer Laken mit einem erleichterten "Endlich mal wieder ein Sieg, der nach Arbeit schmeckt" in die Kabine ging.

Sein Gegenüber Neres Lang wirkte gefasst: "Wir haben zwei schöne Tore gemacht, aber drei kassiert. Das ist mathematisch schwierig zu gewinnen."

So endete ein Spiel, das alles bot: frühe Tore, späte Dramatik, und ein bisschen Slapstick im Schneetreiben. Der FC Oberwallis bleibt damit auf Kurs in der 1. Liga Schweiz und beweist, dass man im Wallis nicht nur Käse lagern, sondern auch Leidenschaft konservieren kann.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen zusammenfasste: "Mir ist kalt, aber glücklich."

12.10.643987 07:58
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