Sport-Blick
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Oberwalliser Blitzstart schockt Biel - Spätes Aufbäumen kommt zu spät

Ein kalter Januarabend, Flutlicht über dem Stadion Gurzelen und 32.000 Zuschauer, die sich warm trampelten - Bühne frei für den 24. Spieltag der 1. Liga Schweiz. Der SC Biel-Bienne empfing den FC Oberwallis, und was die Gäste in der ersten halben Stunde ablieferten, erinnerte eher an einen Schnellzug als an ein unterklassiges Team auf Auswärtsfahrt. Am Ende stand ein 2:3 (0:2), das für die Bieler schmerzhaft, aber lehrreich war - und für Oberwallis-Coach Snore Laken ein Grund, sein sonst so stoisches Gesicht kurz zu verziehen.

"Ich hab gesagt: Jungs, lauft, bis ihr das Matterhorn seht - und sie sind tatsächlich losgerannt", grinste Laken nach dem Spiel. Seine Mannschaft legte los wie entfesselt. Schon in der 14. Minute traf Günter Weller nach Pass von Pedro Beto - ein Angriff, der so schnörkellos war, dass selbst Minimalisten applaudiert hätten. Zehn Minuten später legte Michael Winston nach, per feinem Zuspiel von Adriano Xavier. Biel-Biennes Abwehr schwankte in dieser Phase zwischen ratlos und überfordert, und Torhüter Jorge Tarrega durfte sich mehr dehnen als ein Yoga-Lehrer im Anfängerkurs.

Während Oberwallis in der Offensive sprühte, wirkte Biels Angriffsspiel wie ein Versuch, einen Knoten mit Boxhandschuhen zu lösen. Trotz 52 Prozent Ballbesitz und immerhin neun Abschlüssen fehlte die Präzision. "Wir haben den Ball gehabt, aber nicht das Spiel", gab Mittelfeldmann Alexander Otto später zu. "In der Pause hat’s in der Kabine ganz schön geknallt", verriet ein Betreuer - vermutlich nicht nur verbal.

Nach dem Seitenwechsel schien der SC Biel-Bienne tatsächlich aufgewacht - doch zunächst schlug wieder Oberwallis zu. Pedro Beto krönte seine starke Leistung mit einem Schuss aus 20 Metern zum 0:3 (50.). Biel wirkte zu diesem Zeitpunkt mausetot - doch gerade dann kam Leben auf. Nils Beyince, der Routinier auf der rechten Seite, donnerte sieben Minuten später den Ball ins Netz, als wollte er sagen: "So leicht gebt ihr mich nicht auf!" Und siehe da: Das Publikum glaubte wieder.

In der 66. Minute verkürzte Guillaume Böhm nach feiner Vorbereitung von Matias Baiao auf 2:3. Jetzt wackelte Oberwallis, und Trainer Laken, eben noch gelassen, begann in seiner Coachingzone nervös an der Wasserflasche zu nuckeln. "Ich dachte, das Ding ist durch", gab er später zu, "aber Biel ist wie ein Kaugummi an der Schuhsohle - du wirst sie einfach nicht los."

Biel drückte, kombinierte, rannte an - aber der letzte Pass blieb Mangelware. Thierry Reuter und erneut Beyince prüften Keeper Grigorios Christopoulos, der jedoch einen Sahnetag erwischt hatte. "Ich hab einfach versucht, mich groß zu machen - das fällt mir ja nicht schwer", lachte der bullige Torwart nach Abpfiff.

Oberwallis verteidigte mit zunehmender Härte: Gelb für den jungen Mariusz Nawalka (65.), dann für Adriano Mendes (73.) und schließlich auch noch für den übermotivierten Beto (79.). "Da war Energie drin - vielleicht zu viel", meinte Laken mit einem Augenzwinkern. In der 82. Minute brachte er den 21-jährigen Joschua Krause für den abgekämpften Mendes - ein Wechsel, der mehr Zeit als Stabilität brachte, aber immerhin das 3:2 über die Linie rettete.

Biel-Coach (der Name blieb an diesem Abend ebenso blass wie sein Gesichtsausdruck) ließ seine Elf bis zur letzten Minute anrennen, doch Oberwallis konterte clever und lauerte auf den entscheidenden Stich. Winston hätte kurz vor Schluss fast noch das 4:2 erzielt, schoss aber in der 90. Minute knapp vorbei. Vielleicht war’s auch nur eine freundliche Geste an die Gastgeber.

Statistisch gesehen war’s ein enges Duell: 52 Prozent Ballbesitz für Biel, aber 16:9 Torschüsse für Oberwallis. Eine klassische Geschichte von Effizienz gegen Ästhetik - und diesmal gewann die Effizienz. "Wir haben aus wenig viel gemacht", bilanzierte Kapitän Laurent Castel trocken.

Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Bieler Fans trotzdem tapfer. Man hatte verloren, ja, aber wenigstens mit Haltung. Auf der Tribüne summte jemand: "Wenn wir so spielen, kommen wir wieder." Vielleicht war’s Ironie, vielleicht Hoffnung - wahrscheinlich beides.

Schlusswort? Nun, wer in Biel am Sonntagmorgen den Kaffee verschüttet, sollte nicht den Schiedsrichter verantwortlich machen. Der FC Oberwallis war einfach eine Klasse abgezockter. Und der SC Biel-Bienne? Der darf sich wenigstens rühmen, schöner verloren zu haben als mancher gewonnen.

23.10.643987 21:52
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