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Nullnummer mit Wildwest-Charme: Colts beißen sich an Bulls die Hörner stumpf

Wer ein Torfestival erwartet hatte, bekam am 24. Spieltag der 1. Liga USA eher ein taktisches Western‑Remake serviert: "Spiel mir das Lied vom 0:0". 48 821 Zuschauer in Tombstone sahen, wie die heimischen Colts gegen die Dallas Bulls zwar Dauerfeuer übten, aber das Zielwasser offenbar im Saloon vergessen hatten.

Von Beginn an schien Trainer Hendrik Seeger seine Colts auf Angriff getrimmt zu haben - "offensiv", wie es später auch die Statistik trocken bestätigte. Schon in der ersten Minute prüfte der 22‑jährige Cameron Greaves den jungen Bulls‑Keeper Lukas Hedegaard. Der wehrte mit einer Reaktion ab, die selbst den erfahrenen Platzwart kurz vom Besen aufblicken ließ. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber der Typ fliegt wie ein Lasso", staunte der nebenstehende Linienrichter augenzwinkernd.

Die Colts rannten weiter an: Rhys Badham (9.), Altmeister Andrew Carmody (12.) und Kian Prinsloo (22., 32., 33.) feuerten aus allen Lagen. Doch Hedegaard blieb unbeeindruckt - und seine Abwehr, angeführt vom später unglücklichen Jacob Benett, hielt stand. Der Gast aus Dallas wirkte zwar mit knapp 50 Prozent Ballbesitz statistisch ebenbürtig, kam aber im ersten Durchgang kaum über den Mittellinienzaun hinaus. "Wir wollten erstmal sehen, ob die Colts überhaupt müde werden", grinste Bulls‑Coach - dessen Name die Liga‑Datenbank verschluckt hatte, was perfekt zu diesem anonymen Betonfußball passte.

Kurz vor der Pause dann fast der Paukenschlag: Innenverteidiger Leon Bosworth, offenbar von einem Offensivvirus befallen, zog in Minute 45 ab - drüber. Das Publikum reagierte mit einem kollektiven "Oooh", das man noch im Nachbarstaat gehört haben dürfte.

Nach dem Seitenwechsel ein ähnliches Bild: Dallas wagte sich endlich in die gegnerische Hälfte. Michael Eliot (46.) und Harrison Graysmark (48.) zwangen Colts‑Keeper Aaron Monroe erstmals zum Eingreifen. Doch der reagierte so souverän, als würde er sonntags lieber Rodeos filmen als Tore kassieren.

Dann kam die 53. Minute - Drama pur. Joshua Morriss, der bis dahin solide über rechts wirbelte, ging nach einem Zweikampf zu Boden. Diagnose: wohl Muskelverletzung. Der junge Reece Graysmark kam, ersetzte ihn - und musste selbst drei Minuten später wieder runter, weil Coach Seeger taktisch umstellte. "Ich hatte gerade erst warmgelaufen", murmelte der 20‑Jährige später mit einem schiefen Lächeln.

Die zweite Halbzeit wurde ruppiger. Benett, bis dahin Abwehrchef der Bulls, holte sich in der 68. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen gegen Carmody - und in der 69. Minute gleich Gelb‑Rot hinterher. Der Schiedsrichter zückte die Karten so schnell, dass man vermuten konnte, er übe für ein Pokerspiel. "Ich hab’ doch nur den Ball gespielt", protestierte Benett, während er langsam Richtung Kabine trabte. Der Ball allerdings lag gut fünf Meter entfernt.

Mit einem Mann mehr witterten die Colts ihre Chance. Hennessy (52.) hatte zuvor schon eine gute Möglichkeit vergeben, Badham versuchte es in der 61. Minute noch einmal - doch wieder war Hedegaard zur Stelle. Trainer Seeger stand inzwischen an der Seitenlinie, die Hände in den Hosentaschen, und kommentierte trocken: "Wenn wir das Tor nicht treffen, liegt’s vielleicht daran, dass es zu klein ist."

Die Statistik zeigte am Ende ein klares Bild: 9 Torschüsse der Colts zu 3 der Bulls, Ballbesitz fast ausgeglichen (49,9 % zu 50,1 %), Zweikampfquote mit 55,7 % leicht zugunsten der Gastgeber. Doch das alles ergab in Summe: null Tore. Die Offensivausrichtung der Colts traf auf die defensive Balance der Bulls - ein klassischer Fall von viel Aufwand, wenig Ertrag.

Nach Abpfiff klatschten die Zuschauer höflich, manche pfiffen sogar anerkennend - vielleicht aus Erleichterung, dass es vorbei war. "Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können, und es wäre wohl trotzdem 0:0 ausgegangen", seufzte Colts‑Stürmer Kian Prinsloo.

Hendrik Seeger nahm es mit Humor: "Ich sag’s mal so - wir haben kein Tor kassiert. Das ist doch auch eine Form von Erfolg." Sein Gegenüber nickte und ergänzte: "Und wir haben keins geschossen. Das ist pure Effizienz."

Am Ende blieb ein torloses Remis, das durch Einsatz, kleine Dramen und reichlich Staub auf dem Rasen trotzdem unterhaltsam war. Tombstone bleibt die Stadt, in der es auch ohne Treffer knallt - nur diesmal eben leise.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Ein 0:0 wie aus dem Lehrbuch - nur das Kapitel Spannung war wohl rausgerissen."

14.06.643993 08:53
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