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Ein 0:0 kann vieles sein: Schlafmittel, Taktikfest oder schlicht ein Abend, an dem das Runde einfach nicht ins Eckige will. Das Duell zwischen dem SC Roosendaal und dem SC Tilburg am 13. Spieltag der 1. Liga Niederlande war ein bisschen von allem - und dazu noch erstaunlich kurzweilig. 30 273 Zuschauer im Roosendaaler Stadion sahen am Dienstagabend ein torloses Unentschieden, das mit sieben Heimszenen, neun Gästeschüssen und einem verletzungsbedingten Drama in der achten Minute mehr Gesprächsstoff lieferte, als das Ergebnis vermuten lässt. "Wenn du neunmal schießt und keiner will rein, denkst du irgendwann, das Tor hat was gegen dich", sagte Tilburgs junger Mittelstürmer Issac Rutgers (19) nach Spielende mit einem Grinsen, das zwischen Selbstironie und Verzweiflung pendelte. Tatsächlich hatte der Teenager drei der neun Abschlüsse seines Teams auf dem Konto - und jedes Mal war Roosendaals 17-jähriger Keeper Michel Vogel zur Stelle. Der war hinterher der Mann des Abends: "Ich hatte einfach Spaß. Und kalte Hände. Das hilft manchmal beim Fangen." Schon der Auftakt versprach Drama. Nach nicht einmal zehn Minuten musste Tilburgs Rechtsaußen Aimilios Pagalis verletzt runter, nachdem er bei einem Sprintduell an der Seitenlinie unglücklich umknickte. Trainer Callum Macgrogg reagierte flink, schickte Larz Spoor aufs Feld - und der wiederum sollte später gleich dreimal gefährlich abschließen (42., 50., 74. Minute). "Ich war eigentlich noch beim Aufwärmen, als Callum rief: ’Rein da!’", erzählte Spoor, "und fünf Minuten später fliegt mir der Ball schon um die Ohren." Roosendaal hingegen begann forsch, getragen von einem lautstarken Publikum und einem Ballbesitzanteil von stolzen 57,8 Prozent. Besonders der junge Flügelstürmer Garritt Comstock (20) versuchte früh, Druck zu machen - seine Schüsse in der 3., 25. und 49. Minute zwangen Tilburgs Torhüter Bram Van Tassel zu Glanzparaden. "Ich dachte, wenn ich oft genug draufhalte, wird einer schon durchrutschen", lachte Comstock später. "Aber Van Tassel hatte wohl was dagegen." Auch Linksverteidiger Joshua MacDonnell (5.) und Mittelfeldmann Hans Scharf (13.) reihten sich in die Roosendaaler Offensivbemühungen ein, doch der Ball wollte einfach nicht ins Netz. Trainer Thomas Ga zeigte sich nach Abpfiff dennoch zufrieden: "Wir haben kontrolliert, dominiert, aber eben nicht getroffen. Das ist wie ein perfektes Date ohne Kuss - schön, aber unvollendet." Tilburg suchte sein Glück derweil im Umschaltspiel. Rutgers und Pauel Coster prüften Vogel immer wieder, ohne Fortune. In der 56. Minute sah Linksverteidiger Alex Tristan Gelb, nachdem er Joris Vanderzee etwas zu entschlossen vom Ball trennte - ein Zweikampf, der sinnbildlich stand für Tilburgs Abend: engagiert, aber nicht belohnt. Die zweite Halbzeit brachte frische Kräfte bei den Gästen: Jaap De Graff kam für Aad Van Zandt (48.), später folgte der 19‑jährige Thijmen Tenbrook für Everhart Weidman (52.). Macgrogg erklärte später: "Wir wollten mit Jugend und Tempo das Spiel öffnen. Hat geklappt - nur das Tor fehlte." Roosendaal blieb seiner Linie treu: ausgewogen, solide, aber im Angriff zu brav. Von der Seitenlinie rief Trainer Ga immer wieder "Ruhig bleiben!", was seine Spieler offenbar wörtlich nahmen. Der Ball lief gefällig durch die Reihen, der Gegner hinterher, doch im Strafraum fehlte es an zündenden Ideen. Als Joris Vanderzee in der 80. Minute noch einmal aus halblinker Position abzog, hielt das Stadion kurz den Atem an - ein Flatterball, der Van Tassel auf der Linie abklatschen ließ. Danach war’s vorbei mit der Torsehnsucht, beide Teams arrangierten sich mit dem Punkt. Statistisch gesehen war das Remis logisch: Roosendaal hatte mehr Ballbesitz und Präzision, Tilburg mehr Abschlüsse und etwas bessere Zweikampfquote (51,4 Prozent). Emotionell gesehen war es ein Spiel, das zeigte, wie schön 0:0 sein kann - wenn beide wollen, aber keiner kann. "Heute haben wir wenigstens das Publikum wachgehalten", meinte Vogel augenzwinkernd. Und sein Trainer ergänzte: "Das war kein Null‑Null der Langeweile, sondern eins der Erkenntnis: Wir können mithalten - und Michel kann fliegen." Man könnte sagen, der Fußballabend in Roosendaal war wie ein gutes Buch ohne letztes Kapitel: spannend, sauber geschrieben, aber mit einem Ende, das man sich selbst denken muss. Vielleicht liefert das Rückspiel ja die Pointe. 07.06.643987 03:45 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic