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Ein 0:0 kann langweilig sein - muss es aber nicht. Der 31. Spieltag der 1. Liga Schweiz bewies das eindrucksvoll: Vor 40.000 Zuschauern im Stade de la Blancherie lieferten sich der SC Delemont und Lausanne-Sport eine Partie, die zwar ohne Tore blieb, aber reichlich Gesprächsstoff bot. Es war ein Abend für Taktikfreunde, Keeper-Liebhaber und jene, die Freude an der Kunst des "Beinahe-Tores" haben. Schon nach drei Minuten zischte der erste Warnschuss über das Lausanne-Gehäuse. Christopher Carter, Delemonts quirliger Rechtsaußen, zwang Torhüter Marc Klose zur ersten Parade - und der klatschte den Ball mit einer Hand ins Aus, als wollte er sagen: "Heute kommt hier keiner vorbei." Drei Minuten später antwortete Patrick Abbadie auf der Gegenseite mit einem Pfund, das nur knapp über die Latte rauschte. Wer da noch dachte, ein 0:0 sei unausweichlich, hatte den Optimismus des frühen Februars in den Knochen. Delemont hielt den Ball wie eine Katze ihr Lieblingsspielzeug: 58 Prozent Ballbesitz, ordentlich Passspiel, aber im letzten Drittel fehlte die zündende Idee. Joseph Barbier, der linke Flügelflitzer, probierte es gleich viermal (35., 60., 72. und 94. Minute). "Ich habe irgendwann gedacht, ich muss wohl selbst das Tornetz verschieben, damit einer reingeht", scherzte Barbier nach dem Spiel. Sein Trainer - ein Mann, der lieber auf Balance als auf Chaos setzt - nickte nur trocken: "Er hätte auch einfach treffen können." Lausanne-Sport, unter der Leitung von Trainer Ronny Schmidt, begann offensiv ausgerichtet, blieb aber oft im dichten Defensivnetz der Hausherren hängen. "Wir wollten über die Flügel kommen, aber Delemont hat uns da immer wieder abgeräumt", sagte Schmidt. Besonders auffällig: Ignacio Vazques, der in der 44. und 70. Minute zwei gefährliche Abschlüsse hatte. Einer davon streifte das Außennetz, was das Publikum zu einer dieser kollektiven "Oooh!"-Reaktionen verleitete, die in jeder Zusammenfassung wichtiger klingen, als sie sind. In Minute 46 wechselte Schmidt den Innenverteidiger Alberto Costinha für den jungen Helmut Feldmann ein - eine Maßnahme, die dem Spiel zwar Stabilität, aber nicht mehr Spannung verlieh. Später kam Phillip Wilhelm für Joao Vidigal (77.), und Torwart Klose musste kurz darauf raus. Nach einem Zusammenprall blieb er liegen, hielt sich das Knie. "Es war nur ein Schlag, nix Dramatisches", gab er später Entwarnung, während Ersatzkeeper Robert Carter - kein Verwandter des Delemont-Spielers gleichen Namens - die Handschuhe überstreifte. Delemonts Keeper Robert Jean-Pierre bekam dagegen erstaunlich wenig zu tun. Sieben Torschüsse der Gäste, meist aus der Distanz, blieben sichere Beute oder segelten ins Niemandsland hinter dem Tor. Dafür glänzte Delemonts Abwehrchef Humberto Vaz mit einer Tackling-Quote, die an einen Türsteher vor einem Zürcher Club erinnerte: kompromisslos, aber fair. Das Publikum sah also kein Tor, aber ein Spiel voller kleiner Geschichten. Ein Stürmer, der verzweifelt das Glück suchte. Ein Trainer, der an der Seitenlinie mehr Meter machte als mancher Mittelfeldspieler. Ein Torwart, der verletzt raus musste, aber im Krankenwagen noch Witze über sein Gegenspieler-Torwart-Pendant riss: "Vielleicht treffen die ja wenigstens im Krankenhaus." Statistisch gesehen war Delemont klar überlegen: 10 zu 7 Schüsse aufs Tor, 58 zu 42 Prozent Ballbesitz, und eine leicht bessere Zweikampfquote. Doch Lausanne hielt mit Einsatz dagegen. Gegen Ende wurde es hektischer, die Gäste pressten aggressiver, während Delemont versuchte, das Spiel zu kontrollieren. Ein Treffer lag in der Luft - er fiel nur nicht. Nach 94 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab, und das Publikum applaudierte trotzdem. Vielleicht, weil beide Mannschaften sich bis zum Schluss verausgabten. Vielleicht auch, weil man spürte, dass hier zwei Teams spielten, die mehr wollten als ein torloses Remis - aber an diesem Abend schlicht an der Präzision scheiterten. "Manchmal ist Fußball wie ein Roman ohne Schlusskapitel", sagte Delemonts Mittelfeldmann Martin Schwab nach dem Spiel. "Man liest 90 Seiten, aber das letzte Wort fehlt." Und so blieb das 0:0 zwischen SC Delemont und Lausanne-Sport ein Kapitel voller Tempo, Leidenschaft und verpasster Gelegenheiten - ein Spiel, das kein Sieger, aber viele kleine Helden hatte. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn jedes 0:0 so unterhaltsam wäre, würde niemand mehr Tore vermissen. 21.03.643990 11:58 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme