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Ein 0:0 kann vieles sein - langweilig, zäh, einschläfernd. Doch das, was sich am Freitagabend im Stadio Del Duca zwischen dem FC Ascoli und Atletica Bergamo abspielte, war eher ein feuriges Lehrstück in Sachen vergebener Chancen, beherztem Einsatz und gelegentlich leichtem Wahnsinn. 33.295 Zuschauer sahen 90 Minuten, in denen sich beide Teams gegenseitig anrannten, als ginge es um den letzten Espresso der Saison - nur das Netz blieb unberührt. Trainer Otze Machet hatte seine Ascolaner auf "kontrollierte Offensive" eingestellt, was in der Praxis so wirkte, als hätte jeder zweite Spieler beschlossen, selbst der Held des Abends zu werden. Schon in der 4. Minute donnerte Dirk Nagel einen Ball aus 20 Metern auf den Kasten von Fabrizio Grimaldi, der sich mit einer Flugparade in die Herzen der Bergamo-Fans hechtete. Nur eine Minute später probierte es Franck Gady - und gleich danach nochmal. Es war, als hätte Ascoli beschlossen, die Torschussstatistik gleich in den ersten zehn Minuten zu gewinnen. "Ich dachte, einer von denen muss doch mal reinrutschen", grinste Gady später, "aber der Ball hatte heute offenbar andere Pläne." Bergamo konterte in der 11. Minute durch Marvin Kluge, dessen Schuss knapp am Pfosten vorbeizischte. Sein Teamkollege Bruno Morano, 19 Jahre jung und erstaunlich furchtlos, prüfte kurz darauf den Ascoli-Keeper Arthur Declark mit einem satten Linksschuss. Declark lenkte ihn routiniert über die Latte - und schien dabei kaum ins Schwitzen zu geraten. Das Spiel wogte hin und her, und die Zuschauer bekamen einen offenen Schlagabtausch geboten. Fritjof Gade dirigierte im Mittelfeld die Ascoli-Offensive, während Bergamos Abwehrchef Arnaldo Albanese im eigenen Strafraum das Chaos mit der Ruhe eines Buchhalters in der Steuerzeit ordnete - und zwischendurch selbst zwei Mal aufs Tor schoss. "Ich wollte nur zeigen, dass ich’s auch kann", witzelte der 33-Jährige nach dem Spiel. Bis zur Pause blieb es beim torlosen Gleichstand, doch von Langeweile keine Spur. "Ich habe in der Halbzeit gesagt: Wenn wir keinen treffen, dann wenigstens die Latte", scherzte Machet später bei Sky Italia. Seine Jungs nahmen ihn offenbar wörtlich, denn nach dem Wiederanpfiff folgte ein regelrechtes Dauerfeuer. Vor allem Franck Gady drehte auf. Zwischen der 61. und 76. Minute schoss er gefühlt aus jeder Lage - aus der Drehung, aus dem Lauf, einmal sogar beim Stolpern. Aber Grimaldi im Bergamo-Tor war an diesem Abend schlicht unbezwingbar. "Der Mann hatte wahrscheinlich Magneten in den Handschuhen", murmelte Giuseppe Casole Bruzio, der ebenfalls dreimal gefährlich auftauchte, aber ähnlich erfolglos blieb. Bergamo seinerseits verlegte sich auf kontrolliertes Kontern. Marvin Kluge wirbelte auf der rechten Seite, Diego Pellegrino lauerte links, und Daniel Rogliano prüfte Declark in der 58. Minute mit einem fiesen Aufsetzer. Doch auch Ascolis Keeper hatte beschlossen, seinen Kasten sauber zu halten - und tat das mit stoischer Gelassenheit. Die Statistik sprach am Ende klar für die Gastgeber: 18:9 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, etwas mehr Biss in den Zweikämpfen. Aber das Runde wollte nicht ins Eckige, und so blieb es beim 0:0, das beide Trainer mit erstaunlicher Fassung hinnahmen. "Wir haben uns Chancen herausgespielt, das ist positiv", sagte Atletica-Coach (dessen Name die Liga aus Datenschutzgründen nicht verriet - vermutlich wollte er anonym bleiben). "Aber ohne Tore gewinnt man eben keine Spiele. Überraschung!" Otze Machet konterte trocken: "Wenn man 18 Mal schießt und nichts trifft, ist das keine Pechsträhne mehr, sondern eine Charakterprüfung. Die haben wir bestanden - immerhin haben wir nicht verloren." Einziger Wermutstropfen für Ascoli: Leonardo Feroleto sah in der Nachspielzeit Gelb, nachdem er den Ball etwas zu liebevoll in Richtung Tribüne befördert hatte. Der Schiedsrichter fand das weniger charmant. Als das Flutlicht erlosch, applaudierten die Zuschauer trotzdem. Sie hatten ein Spiel gesehen, das zwar keine Tore, aber reichlich Unterhaltung bot - mit Leidenschaft, Tempo und einer Prise Selbstironie. Oder, wie es Franck Gady später in der Mixed Zone formulierte: "Wenn wir schon kein Tor schießen, dann wenigstens so, dass keiner einschläft." Und so endete ein torloser Abend voller Energie - ein 0:0, das sich anfühlte wie ein 3:3 ohne Tore. Fußball kann manchmal seltsam gerecht sein. 19.11.643990 03:17 |
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
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