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Es gibt torlose Spiele, die man vergisst, noch bevor der Schlusspfiff verhallt ist - und dann gibt es solche, über die man trotz fehlender Treffer noch Tage spricht. Das 0:0 zwischen dem FC Oberwallis und Blau-Weiss Zürich am 5. Spieltag der 1. Liga Schweiz gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. 27.000 Zuschauer im sonnigen Oberwalliser Stadion sahen ein hitziges Duell voller Leidenschaft, vergeblicher Chancen und zweier Platzverweise, die für reichlich Gesprächsstoff sorgten. Von Beginn an war klar, dass hier keine Mannschaft bereit war, sich mit einem lauen Sommerkick zufriedenzugeben. Schon nach fünf Minuten donnerte Günter Weller den Ball in Richtung Zürcher Tor - ein Weckruf, der den Gast kaum beeindruckte. Nur wenige Minuten später antwortete Blau-Weiss mit einem gefährlichen Versuch von Pascal Wilke, dem Routinier mit dem ewigen Stirnband. "Ich hab’s mal probiert, man weiß ja nie, ob der Ball vielleicht doch eine Eingebung hat", grinste Wilke nach dem Spiel. Die erste Halbzeit war ein munteres Hin und Her: Oberwallis mit leicht mehr Zug zum Tor, Zürich mit etwas mehr Ballbesitz (53 Prozent) und der eleganteren Ballzirkulation. Laurent Castel zog in der 14. Minute aus der Distanz ab, Felix Ritter prüfte Keeper Christo Berbatow kurz darauf - doch der junge Zürcher Schlussmann blieb unbeeindruckt. "Ich hatte heute das Gefühl, ich könnte auch zwei Stunden stehen, ohne einen reinzubekommen", sagte Berbatow trocken, als er in der Mixed Zone seine Handschuhe auszog. Oberwallis-Coach Snore Laken sah das etwas anders: "Wenn du 15 Mal aufs Tor schießt und keiner rein will, dann fragst du dich irgendwann, ob die Latte ein Zürcher Pass hat." Tatsächlich: 15 Torschüsse, kein Treffer. Die Fans der Walliser hielten trotzdem lautstark dagegen, besonders als Günter Weller in der 41. Minute ein Solo startete, das fast aussah wie ein Tor - wäre da nicht der Querbalken gewesen. Die zweite Halbzeit brachte zunächst mehr vom Gleichen: Oberwallis blieb aggressiv (ihre Zweikampfquote von 53 Prozent spricht Bände), Zürich lauerte auf Konter, allen voran der flinke Mason Martel. In der 51. Minute rauschte ein Schuss von Agemar Ferron nur knapp am Pfosten vorbei. Ferron, erst 19 Jahre alt, schien ohnehin in allen Schlagzeilen gleichzeitig auftauchen zu wollen. Erst Gelb in der 18. Minute, dann Gelb-Rot in der 80. "Ich hab’ den Ball gespielt, ehrlich!", beteuerte er nach Spielende - und grinste dabei so breit, dass man ihm fast glauben wollte. Doch zuvor hatte auch Oberwallis seine Dramatik geliefert: In der 76. Minute sah Innenverteidiger Adriano Mendes glatt Rot nach einem rustikalen Einsteigen. Trainer Laken schüttelte nur den Kopf. "Er hat halt ein Temperament wie ein Espresso doppio", meinte er halb belustigt, halb entnervt. In Unterzahl zeigte Oberwallis erstaunliche Moral. Snore Laken reagierte sofort, brachte den jungen Joschua Krause für Stürmer Benveniste - ein klares Signal: Sicherheit vor Risiko. Auf der Gegenseite blieb Eddi Manson, der Zürcher Coach, stoisch an der Seitenlinie stehen, die Hände tief in den Taschen. "Wir wollten ruhig bleiben. Wenn du hektisch wirst, macht der Gegner das Tor", erklärte er später - und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Zum Glück war heute keiner nervös." Die Schlussphase hatte dann mehr Karten als klare Torchancen. Ricardo Nene holte sich in der 90. Minute noch eine Gelbe ab - wohl aus Nostalgie, damit Zürich nicht ohne Verwarnung nach Hause musste. Der Schlusspfiff ging im Pfeifkonzert und Applaus gleichzeitig unter. Die Fans wussten nicht recht, ob sie sich ärgern oder feiern sollten. Am Ende stand ein 0:0, das in keiner Statistik besonders glänzt, aber in der Erinnerung bleibt. 15:7 Torschüsse für Oberwallis, mehr Biss, mehr Emotion - aber eben kein Tor. Blau-Weiss Zürich nimmt einen Punkt mit, den sie sich mit Disziplin und einer Prise Glück verdient haben. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, und keiner hätte getroffen", meinte Laurent Castel und lachte bitter. Vielleicht hat er recht. Aber wenn jedes torlose Spiel so viel Gesprächsstoff liefert, dann darf man auch mal sagen: 0:0 kann richtig schön sein. Und irgendwo, zwischen Latte, Gelb-Rot und Espresso-Temperament, steckt in diesem Remis vielleicht doch ein kleiner Sieg - wenigstens für den neutralen Zuschauer. 06.03.643987 09:12 |
Sprücheklopfer
Vielleicht ist ja jemand aus der Uwe-Seeler-Traditionself dabei.
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