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Es war ein Abend, an dem die 50.798 Zuschauer im St. Jakob-Park alles sahen - nur eben keine Tore. SC Basel und Lausanne-Sport trennten sich am 27. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit einem torlosen 0:0, das trotz 17 Torschüssen und jeder Menge Einsatz erstaunlich unterhaltsam war. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne süffisant bemerkte: "So viel Spannung ohne Treffer - das ist schon fast Kunst." Basel begann das Spiel, wie man es von einem Team erwartet, das sich "offensiv" auf die Fahne geschrieben hat. Trainer Joschi Du ließ seine Elf breit anlaufen, über die Flügel, kurzpassorientiert und mit ordentlich Aggressivität. Lausanne unter Ronny Schmidt hielt dagegen - ebenfalls offensiv, aber mit der eher überlegten Variante: "Wir wollten sicher schießen, nicht einfach draufhauen", erklärte Schmidt später mit einem müden Lächeln. Die ersten Minuten gehörten den Gästen. Ignacio Vazques prüfte Basels Torhüter Charles Robinson bereits in der sechsten Minute, und nur eine Minute später versuchte es Günther Breze - zweimal entschärft, zweimal Applaus aus dem Gästeblock. Danach aber übernahm Basel das Kommando. Agemar Eusebio, der rechte Flügelstürmer mit dem feinen Fuß, sorgte für Dauerbetrieb im Strafraum der Lausanner. In der 14. und 34. Minute donnerte er den Ball Richtung Tor - jeweils hauchdünn vorbei. "Ich dachte wirklich, beim zweiten Mal geht er rein", sagte Eusebio nach dem Spiel und grinste entwaffnend. "Aber vielleicht wollte der Ball einfach nicht ins französischsprachige Tor." Basel blieb am Drücker. Yannick Lardenoit zog in der 39. Minute ab, Michele Del Carretto verpasste kurz vor der Pause die größte Chance: frei vor Keeper Dylan Monroe, aber zu zentral geschossen. "Ich hab ihn gesehen, der Ball kam perfekt - und dann war plötzlich Monroe überall", stöhnte Del Carretto später. In der zweiten Hälfte änderte sich wenig am Bild: Basel rannte, Lausanne verteidigte klug. Del Carretto, Ralf Wahl und erneut Eusebio feuerten weiter unermüdlich, aber der Ballbesitz blieb mit 51 Prozent leicht bei den Gästen - ein statistischer Trostpreis. "Manchmal hilft dir Ballbesitz auch nicht weiter, wenn der Gegner dich einfach nicht reinlässt", meinte Basels Trainer Joschi Du trocken. Dann der Schreckmoment in der 51. Minute: Basels Arnaud Dewaele blieb nach einem Zweikampf liegen - muskuläre Probleme, wie es hieß. Für ihn kam Alex Silfredo, der prompt selbst das Offensivspiel belebte und in der 60., 79. und 83. Minute gefährlich abschloss. Doch auch er fand in Monroe, dem Mann des Abends, seinen Meister. "Ich wollte eigentlich gar nicht so gut sein", witzelte Monroe nach Abpfiff, bevor er mit bandagiertem Knie in die Kabine humpelte - auch er hatte sich kurz vor Schluss verletzt. Für ihn musste der junge Robert Carter noch ein paar Minuten zwischen die Pfosten. "Ich hab kaum den Trainingsanzug ausgezogen, da hieß es: rein da", erzählte Carter lachend. Lausanne zeigte sich vor allem über die rechte Seite mit Pattrick Abbadie gefährlich, der in der 51. und 58. Minute abschloss - und sich in der 63. Minute eine Gelbe Karte abholte, als er es etwas zu eilig hatte. Basel konterte mit einer Verwarnung für Jose Maria Silva (70.). Auch Alexandre Dumont sah Gelb (81.), nachdem er Ralf Wahl an der Seitenlinie eher rustikal stoppte. Die Schlussphase war ein einziges Anrennen. Basel wechselte nochmal durch - Lucas Ackland kam für Eusebio, Francois Cloutier für Benjamin Monroe. Doch Lausanne verteidigte leidenschaftlich, fast poetisch, wie ein Team, das beschlossen hatte, das 0:0 zu lieben. "Wir wollten zeigen, dass man auch ohne Torjubel feiern kann", sagte Schmidt mit einem Augenzwinkern. Joschi Du hingegen wirkte weniger amüsiert: "Wir haben 13 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe und null Tore. Das ist wie ein Roman ohne Ende." Als der Schlusspfiff ertönte, seufzte das Stadion kollektiv - halb enttäuscht, halb erleichtert. Ein Spiel, das alles hatte, außer das Entscheidende. Vielleicht passte das Ergebnis aber ganz gut zu diesem Abend: viel Leidenschaft, viel Drama, und am Ende ein gerechtes Nichts. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn Null zu Null so aussieht, dann komm ich auch nächste Woche wieder." Und das ist wohl das schönste Kompliment, das ein torloses Spiel bekommen kann. 27.11.643987 14:20 |
Sprücheklopfer
Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund