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Ein Flutlichtspiel im Januar, 27.000 frierende, aber tapfere Fans im "Stadium of Light" - und am Ende ein Spiel, das in seiner torlosen Konsequenz fast schon poetisch war. Sunderland Cats gegen Southampton, 8. Spieltag der 1. Liga England, 0:0, 19 Torschüsse, null Tore, unzählige verpasste Chancen - oder, wie ein Zuschauer hinter mir murmelte: "Das war wie ein Krimi, nur ohne Leiche." Dabei hatte es von Beginn an gar nicht schlecht ausgesehen - zumindest für Southampton. Schon in der ersten Minute prüfte Joshua Ackland den wachsam reagierenden Keeper Riley Fairchild. Und der junge Südengländer blieb der auffälligste Mann der ersten Halbzeit: Schussversuche in der 18., 19. und 22. Minute, allesamt gefährlich, allesamt ohne Happy End. "Ich dachte irgendwann, das Tor steht heute unter Denkmalschutz", grinste Ackland nach dem Spiel gequält. Sunderland hielt mit, mehr durch Fleiß als durch Finesse. Trainername? Fehlanzeige in den Unterlagen, aber der Unbekannte dürfte sich gedacht haben: lieber 55 Prozent Ballbesitz als 55 Prozent Herzrasen. Denn seine Cats kombinierten gefällig, allerdings meist bis kurz vor den Strafraum. Rhys Prinsloo versuchte es in der 32. Minute, Joel Callahan kurz nach der Pause - beide Male pfiff der Wind lauter als das Netz raschelte. Die Partie nahm spätestens nach der gelben Karte für Joshua Primes in Minute 6 eine gewisse Schärfe an. Später sah auch Finlay Linney Gelb, und wenn der Rechtsverteidiger grimmig die Grätsche auspackt, duckt sich selbst die Eckfahne. Southampton antwortete mit Oliver Coutures Verwarnung nach rustikalem Einsteigen in der 58. Minute. "Ich wollte den Ball treffen. Leider war der Ball schon weg", erklärte Couture dazu mit entwaffnender Ehrlichkeit. Taktisch war’s ein Kuriosum: Sunderland blieb über 90 Minuten "balanced", als wäre das Wort in Stein gemeißelt - kein Pressing, kein Risiko, aber solide Ordnung. Southampton dagegen startete mit offensiver Grundhaltung und Konterfokus, um sich gegen Ende in eine Mischung aus Pressing-Wahnsinn und Kurzpass-Gewitter zu steigern. Das passte zur Schlussphase, als Alfie Marley gleich dreimal in Folge (57., 78. und 81.) an Fairchild scheiterte. Der Torwart wurde nach Abpfiff nicht umsonst von den Fans gefeiert. "Riley war heute wie ein Magnet - nur dass er die Bälle abgestoßen hat", witzelte Mitspieler William Malfoy. In der 64. Minute musste Sunderland dann doch umbauen: Ethan Home verletzte sich am Oberschenkel. "Ich habe den Muskel knacken gehört - und gehofft, es war der Schienbeinschoner", sagte Home später mit Galgenhumor. Jake Lorring kam für ihn und brachte wenigstens Ordnung ins Mittelfeldchaos. Southampton versuchte alles, wechselte in der 75. Minute gleich doppelt: Juan Verdasco und Jan Haswell kamen rein, später folgte Julio Quaresma. Letzterer hielt genau zwölf Minuten durch, ehe er selbst verletzt vom Platz humpelte - bezeichnend für einen Abend, an dem nichts wirklich funktionieren wollte. Statistisch gesehen war Southampton klar am Drücker: 15 Torschüsse zu 4, mehr Zweikampferfolg (56 Prozent), aber eben kein Ertrag. Sunderland dagegen mit mehr Ballbesitz und der besseren Laune. "Ein Punkt ist ein Punkt", hätte der Heimtrainer wohl gesagt, wenn er wollte, dass man ihn zitiert. Raine Maida, Southamptons Coach, blieb erstaunlich gelassen. "Wenn man 15 Mal schießt und nichts trifft, dann ist das Fußball. Oder Pech. Oder beides." Dann grinste er und fügte hinzu: "Vielleicht hätten wir mehr Zigarettenpausen gebraucht - Sunderland hatte ja gefühlt den Ball die ganze Zeit." Als der Schlusspfiff ertönte, war die Erleichterung auf beiden Seiten spürbar. Sunderland jubelte über die Null - Southampton überlebte sie. Die Cats-Fans sangen trotzdem, halb trotzig, halb stolz: "Wir haben wieder nicht verloren!" Und irgendwo auf der Tribüne summte jemand ironisch die Melodie eines bekannten Films, in dem auch Katzen die Hauptrolle spielen. So endete ein Abend, der auf dem Papier ein 0:0 war, auf dem Rasen aber ein kleiner Sieg für die Defensive, die Geduld und den englischen Humor. Und während die Flutlichter erloschen, meinte ein Ordner beim Rausgehen trocken: "Das war kein Spiel, das war Meditation in Bewegung." Vielleicht hatte er recht. 21.04.643987 17:50 |
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