Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Nullnummer mit 33.000 Zeugen: Bursaspor und Gaziantep treten auf der Stelle

Es gibt Fußballabende, an denen man das Gefühl hat, beide Mannschaften hätten sich vor Anpfiff auf einen Nichtangriffspakt geeinigt. Das 0:0 zwischen Bursaspor und Gaziantep am 11. Spieltag der 1. Liga Türkei war so einer - allerdings einer der lebhafteren Sorte. Denn langweilig war es trotz der Nullnummer nicht: 25 Torschüsse, vier Gelbe Karten, eine Verletzung und viele Momente, in denen sich die 33.161 Zuschauer fragten, warum der Ball eigentlich nie den Weg ins Netz fand.

Von Beginn an legte Bursaspor los, als wolle man das Spiel schon in der ersten Minute entscheiden. Felix Bayer, der rechte Flügelflitzer, prüfte Gäste-Keeper Tyler Hannigan nach 60 Sekunden mit einem Schuss, der zwar scharf, aber eben auch direkt auf den Mann kam. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, so laut war’s plötzlich", grinste Hannigan später - und meinte wohl die begeisterte Tribüne, nicht den Schuss.

Gaziantep antwortete prompt: Christoph Keil zog in der 5. Minute ab, doch Pantelis Nikolopoulos im Bursaspor-Tor war hellwach. Überhaupt schien der Griechen-Veteran im Kasten einen ruhigen, aber effektiven Abend zu verbringen. "Solange sie auf mich schießen, ist alles gut", sagte er mit einem Schulterzucken nach dem Abpfiff.

Dann folgte die Phase der verpassten Gelegenheiten. Bayer schoss in der 6. und 15. Minute erneut daneben, während Gazianteps Doppelschlag von David Freitag (11.) und David Ronaldo (12.) von der Bursaspor-Abwehr entschärft wurde. Ja, richtig gelesen: David Ronaldo. Kein Verwandter, wie er lachend betonte, "aber vielleicht ein Cousin im Geiste". Seine freche Spielweise brachte immerhin die Zuschauer zum Johlen - auch wenn der Ball später wieder auf der Tribüne landete.

In der 18. Minute gab’s die erste Gelbe Karte: Hanson Van Dyck, Gazianteps Innenverteidiger, rauschte in Paul Ottosen, als würde er Holz hacken. Schiedsrichter Celik zückte Gelb, und Van Dyck hob entschuldigend die Hand. "Alles Ball", murmelte er - mutmaßlich ein Satz, der in jeder Sprache gleich falsch ist.

Bursaspor hatte zur Pause leichte Vorteile: 49,7 % Ballbesitz, 15 zu 10 Torschüsse insgesamt, aber eben null Treffer. Trainer Ümit Dogan sah das gelassen. "Manchmal will der Ball nicht rein. Vielleicht war er heute einfach schüchtern."

In der zweiten Halbzeit zeigte sich ein ähnliches Bild. Ottosen und Bordalás kombinierten gefällig über links, Robert Weise schoss aus der Distanz, Jordi Gil versuchte es mit einem Heber - alles ohne Erfolg. Auf der Gegenseite sorgte Gazianteps Claude Picard in der 60. Minute für den Moment des Spiels: Ein Volley aus 20 Metern, der haarscharf am Winkel vorbeiflog. Das Raunen im Stadion klang, als wäre ein Tor gefallen.

Dann der Schreck in der 69. Minute: Bursaspors Linksverteidiger Carlos Antolinez blieb nach einem Zweikampf liegen, hielt sich das Knie - und wurde ausgewechselt. Für ihn kam Mert Bikmaz, dessen erster Ballkontakt ein Rückpass war. "Sicherheit zuerst", kommentierte er später trocken.

Gaziantep sammelte derweil weiter Gelbe Karten wie andere Panini-Bilder: Torvald Albrechtsen (71.) und Onat Kirintili (91.) sahen Gelb für rustikale Einlagen, ehe auch Bursaspors Andres Henrico in der Nachspielzeit (93.) den Karton sah. "Wenn schon alle was kriegen, wollte ich nicht leer ausgehen", witzelte der Verteidiger.

Am Ende blieb es beim 0:0 - einem jener torlosen Spiele, bei denen man trotzdem nicht gähnt. Es wurde gelaufen, gefightet, geschossen - nur eben nicht getroffen. Gaziantep-Coach Burak Yilmaz fasste es nüchtern zusammen: "Wir wollten heute treffen. Hat nicht geklappt. Aber wenigstens haben wir niemanden verloren."

Die Statistik spricht für eine gerechte Punkteteilung: fast ausgeglichener Ballbesitz, ein Torschussplus für Bursaspor (15 : 10), leicht bessere Zweikampfquote für die Hausherren (51,9 %). Beide Teams blieben ihrer Linie treu: Bursaspor kontrolliert, Gaziantep aggressiv.

Als die Flutlichter im Stadion ausgingen, blieb das Gefühl, dass hier zwei Mannschaften spielten, die vieles richtig machten - außer das mit den Toren. Oder, wie Ümit Dogan es mit einem Lächeln formulierte: "Wenn Tore Musik sind, war das heute eben Jazz - viel Improvisation, wenig Refrain."

Ein 0:0 der unterhaltsamen Sorte also, das in den Tabellenbüchern unscheinbar wirkt, aber auf dem Rasen deutlich mehr bot, als das Ergebnis vermuten lässt. Und wer weiß: Vielleicht schreiben beide Teams beim nächsten Mal wieder eine Partitur, die auch die Tornetze zum Klingen bringt.

15.05.643987 00:58
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In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler
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