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Norderstedter Fußballmärchen: SCN wirft Basel aus der Champions League

Als der Schiedsrichter um 19 Uhr anpfiff, ahnte niemand der 79 500 Zuschauer im rappelvollen Stadion, dass sie Zeugen eines norddeutschen Fußballmärchens würden. Der SC Norderstedt, sonst eher auf Regionalliga-Rasen zu Hause, bezwang im Halbfinal-Rückspiel der Champions League den favorisierten SC Basel mit 1:0 - und das mit einer Mischung aus Mut, Pressingverweigerung und hanseatischer Gelassenheit.

Von Beginn an wirkte Norderstedt, als hätte Trainer Andre Marsmann seinen Spielern am Buffet doppelt Espresso statt Wasser serviert. Schon in den ersten Minuten schossen Savard, Lindström und Vanderveer aus allen Lagen. "Ich dachte, wir spielen Basketball, so oft wie der Ball nach oben flog", grinste Marsmann später. Doch Basel überstand die Anfangsphase - noch.

In der 28. Minute dann das erste gelbe Ausrufezeichen: Basels Innenverteidiger Benjamin Monroe rauschte in Adam Richard wie ein Güterzug in den Feierabendverkehr. Gelb - und ein leises Raunen durchs Stadion. Zwei Minuten später lag Agemar Eusebio verletzt am Boden, musste raus, Lucas Ackland kam. Trainer Joschi Du stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte etwas, das wohl nicht für Kinderohren bestimmt war.

Und dann Minute 39 - der Moment, in dem die Geschichte umgeschrieben wurde. Alex Botin, der sonst eher als Staubsauger im Mittelfeld bekannt ist, fasste sich ein Herz. Nach feinem Zuspiel von Filip Lindström zog er aus 20 Metern ab. Der Ball zischte durch die Basler Abwehr wie ein verspäteter ICE durch den Hauptbahnhof - und schlug unhaltbar im rechten Eck ein. 1:0! Jubel, der selbst den Himmel über Norderstedt erzittern ließ. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Botin später, "und gehofft, dass keiner den Ball findet - nicht mal der Torwart."

Basel wirkte geschockt, suchte nach Antworten, fand aber nur Norderstedter Beine und den unerschütterlichen Keeper Larry Oudekirk. Der 31-Jährige hielt, was zu halten war, und sah dabei aus, als könnte er das Ganze auch mit einer Tasse Tee in der Hand erledigen.

Zur Halbzeit führte der Gastgeber - verdient, trotz leichtem Ballbesitzminus (49 zu 51 Prozent). Marsmann nutzte die Pause angeblich für eine Motivationsrede, die laut Insider "irgendwo zwischen Poesiealbum und Kneipenansprache" lag.

Nach dem Seitenwechsel versuchte Basel, das Spiel an sich zu reißen. Trainer Du ließ über die Flügel anrennen, aber seine Mannschaft wirkte wie ein Cabrio im Regen: bemüht, aber chancenlos. Xabier Cunha prüfte Oudekirk in der 50. Minute, Lardenoit in der 65. - ohne Erfolg. Norderstedt verteidigte mit allem, was Beine hatte.

In der 70. Minute dann Dreifachwechsel auf beiden Seiten. Marsmann brachte Thomas Darabont und Lewis Bancroft, Basel reagierte mit Philippe Gariepy und Francois Cloutier. Bancroft, ein bulliger Mittelstürmer, sagte nach dem Spiel: "Der Coach meinte, ich soll vorne einfach nerven. Das kann ich." Und das tat er - mit Erfolg. Basel kam kaum noch aus der eigenen Hälfte.

Die Schlussphase gehörte wieder den Gastgebern. Hans Vanderveer, Norderstedts ewig unterschätzter Rechtsaußen, prüfte Basels Keeper Charles Robinson gleich mehrfach (75., 86., 90. Minute). "Ich wollte wenigstens ein Selfie mit dem Ball im Netz", witzelte er später. Es blieb beim 1:0 - aber was für einem!

Basel warf in den letzten Minuten alles nach vorn, sogar die Ersatzbank rückte gefühlt mit auf. Doch Oudekirk blieb unbezwingbar. Als Schiedsrichter Petrovic nach 94 Minuten abpfiff, kannte die Freude keine Grenzen. Fans umarmten sich, Spieler fielen sich in die Arme, Trainer Marsmann wurde fast in den Kabinentrakt getragen.

"Das ist kein Zufall", sagte Marsmann auf der Pressekonferenz mit einem Grinsen, "das ist norddeutsche Gründlichkeit - nur mit mehr Schweiß." Sein Gegenüber Joschi Du hingegen fand klare Worte: "Wir haben uns von der Kulisse beeindrucken lassen. 79 500 Leute gegen dich - das ist keine Ausrede, das ist Physik."

Statistisch sah es übrigens gar nicht so ungleich aus: 19 Torschüsse Norderstedt, 8 für Basel. Der Ballbesitz fast pari, das Tackling-Duell leicht zugunsten der Gastgeber (54 zu 46 Prozent). Doch Fußball ist kein Excel-Spiel - und manchmal reicht ein Moment, um Geschichte zu schreiben.

Am Ende blieb das Gefühl, Zeuge einer Sensation gewesen zu sein. Der SC Norderstedt steht im Champions-League-Finale - ein Satz, den man wohl nur einmal im Leben schreiben darf.

Und irgendwo zwischen Jubel, Pyro und norddeutscher Nüchternheit sagte ein älterer Fan beim Hinausgehen trocken: "Ich hab’s immer gewusst. Nur nicht heute."

02.04.643990 02:53
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