L’Equipe
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Nice trotzt der Provence - 2:1-Auswärtssieg in Marseille

Ein lauer Abend in Marseille, 32.000 Zuschauer im Stade Vélodrome, und man konnte fast den Duft der Bouillabaisse riechen - hätte nicht OGC Nice den Gastgebern den Appetit verdorben. Die Gäste aus der Côte d’Azur gewannen am 7. Spieltag der Ligue 1 mit 2:1 bei den Phoceens Marseille. Und das, obwohl Marseille mit 51 Prozent Ballbesitz und viel Selbstvertrauen in die Partie gegangen war.

Es begann verheißungsvoll für die Hausherren. Nach 23 Minuten setzte Georges LaClaire, der quirlige Mittelfeldmotor Marseilles, ein Zeichen: Ein Doppelpass mit Rechtsverteidiger Franck Lavoie, ein Haken, dann ein Schuss aus 18 Metern - Tor! Das Stadion tobte, und Trainerbank wie Tribüne glaubten an einen gemütlichen Abend an der Küste. "Ich dachte, das läuft heute wie am Schnürchen", grinste LaClaire später, "aber dann kam dieser Brinkerhoff, und der hat uns das Lächeln weggenommen."

Denn nur neun Minuten später schlug OGC Nice zurück - und wie! Thijmen Brinkerhoff, der bullige Niederländer im Sturmzentrum, verwandelte eine butterweiche Flanke von Yves Caron per Kopf zum Ausgleich. 1:1, und plötzlich war es mucksmäuschenstill im Stadion - abgesehen von den 1.500 mitgereisten Nice-Fans, die "Allez les Aiglons!" sangen, als ginge es um die Meisterschaft.

Marseille versuchte, das Spiel zu beruhigen, kombinierte gefällig, aber ohne Durchschlagskraft. Vier Torschüsse insgesamt - das war mager. Nice hingegen zeigte, dass man mit 16 Abschlüssen auch ohne Ballbesitz gefährlich leben kann. Und sie taten es mit Stil. Trainer King Lung - ja, so heißt er wirklich - hatte seine Mannschaft auf Angriff eingestellt, "offensiv" in jeder Hinsicht. "Wir wollten Marseille nicht den Ball schenken, sondern die Nerven rauben", erklärte Lung nach der Partie mit einem Lächeln, das jede Pressekonferenz beleben sollte.

Nach der Pause dann die kalte Dusche für die Gastgeber: In der 48. Minute stürmte Nice-Rechtsverteidiger Alfonso Rocha plötzlich nach vorne, bekam einen Pass aus dem Mittelfeld von Vicente Jorge, und weil niemand bei Marseille auch nur daran dachte, dass ein Außenverteidiger schießen könnte, tat Rocha genau das - und traf. 2:1 für Nice. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Rocha später zu, "aber der Ball flog einfach dahin, wo er hinmusste."

Ab diesem Moment wurde es ein zähes Ringen. Marseille mühte sich, kam aber kaum zu klaren Chancen. Paul Caron versuchte es in der 66. Minute mit einem Distanzschuss, der eher eine Erinnerung an den Ball als eine Gefahr für Torhüter Repnew war. Auf der anderen Seite ließ Nice die Konter rauschen, so schnell, dass selbst der Stadion-DJ kaum mit den Wiederholungen hinterherkam.

In der 74. Minute prüfte Jacques Martineau den Marseiller Keeper Chevallier mit einem strammen Schuss, in der 90. Minute versuchte es Ashton Bradshaw noch einmal, während Trainer Lung schon mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand - halb entspannt, halb misstrauisch. "Ich habe gelernt, in Marseille jubelt man erst nach dem Schlusspfiff", sagte er später trocken.

Marseilles Trainer - der Name blieb an diesem Abend hinter der Enttäuschung verborgen - schüttelte nach dem Abpfiff den Kopf. "Wir hatten die Kontrolle, aber nicht die Idee", murmelte er, während seine Spieler sich in die Katakomben schlichen.

Nice dagegen jubelte ausgelassen, und Brinkerhoff posierte mit Rocha vor den Kameras. "Ich wusste gar nicht, dass der schießen kann", witzelte der Stürmer über seinen defensiven Kollegen. Rocha grinste: "Ich auch nicht."

Statistisch betrachtet hätte Marseille das Spiel vielleicht verdient gehabt - mehr Ballbesitz, etwas mehr Struktur, weniger Chaos. Aber Fußball wird nun mal nicht nach Prozenten entschieden, sondern nach Toren. Und die fielen auf der falschen Seite.

Ein Zuschauer fasste es auf der Tribüne treffend zusammen: "Marseille spielt schön, Nice gewinnt hässlich - aber Punkte zählen, keine Pinselstriche."

Am Ende bleibt ein Abend, der in Marseille noch diskutiert werden wird - und in Nizza vermutlich in den nächsten Strandgesprächen stolz erzählt.

Oder, um mit King Lung zu schließen: "Fußball ist kein Dinner, das man serviert bekommt. Man muss es sich holen." Und genau das tat sein Team - mit 16 Schüssen, zwei Toren und einer gehörigen Portion Selbstvertrauen.

08.04.643987 02:06
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
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