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Neapel stolpert, Bologna tanzt - 1:2 im San Paolo

Es war einer dieser Abende, an denen der Vesuv ruhig blieb, aber die Gemüter im Stadio San Paolo heftig brodelten. 40.000 Zuschauer waren gekommen, um den AC Neapel auf dem 17. Spieltag der Serie A gegen den AS Bologna siegen zu sehen. Am Ende aber jubelten die Gäste - und zwar verdient. Bologna gewann mit 2:1, obwohl Neapel den Ball häufiger sah, ihn aber seltener sinnvoll behandelte.

Die Anfangsphase gehörte den Gastgebern, die mit 55 Prozent Ballbesitz und gewohnter Selbstsicherheit auftraten. Bereits in der 18. Minute schien alles nach Plan zu laufen: Aleandro Squillace, der rechte Wirbelwind Neapels, nutzte einen präzisen Pass von Mattia Vaccarizzo und schob humorlos zum 1:0 ein. "Ich hab’ einfach draufgehalten - manchmal hilft Nachdenken ja nicht", grinste Squillace später in der Mixed Zone.

Doch wer dachte, dass Bologna in Ehrfurcht erstarrt, irrte gewaltig. Trainer Ferdinand Mayer schien seinen Männern auf der Bank ein Espresso intravenös verabreicht zu haben. Flügelläufer Franck Savard, ohnehin mit dem Bewegungsdrang eines Marathonläufers gesegnet, trieb den Ball unermüdlich über die linke Seite. Kurz vor der Pause (43.) fand er Daniele Lorusso, der aus spitzem Winkel das Leder unter die Latte nagelte - 1:1. "Ich sah die Lücke und dachte: Warum eigentlich nicht?", erzählte Lorusso mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Nonchalance und Übermut lag.

In der Pause wirkte Neapels Coach sichtlich nervös. "Wir spielen ja schön, aber Schönheit bekommt hier keine Punkte!", soll er in der Kabine gebrüllt haben. Seine Spieler nahmen sich das zu Herzen - allerdings nur bis zur 60. Minute. Dann trat Bolognas Linksverteidiger Giuseppe Bruzzone auf den Plan, jener Mann, der bereits in der 9. Minute Gelb gesehen hatte und seitdem mit einem Bein im Abgrund stand. Nach einer weiteren Vorlage von Savard zirkelte er den Ball wie ein geübter Kunstschütze ins lange Eck. 2:1 für Bologna, und das Stadion verstummte.

Neapel rannte an, aber ohne Ziel und ohne Fortune. Insgesamt acht Torschüsse, viele davon mehr in Richtung Meer als Tor. Bologna dagegen - 13 Abschlüsse, klug verteilt und stets gefährlich. Der Unterschied lag weniger im Ballbesitz (Neapel 55%, Bologna 45%) als in der Effizienz - und vielleicht auch in der Laune des Fußballgottes, der an diesem Abend offenbar rot-blaue Farben trug.

In der Schlussphase wurde es hitzig. Cesare Vegliaturo sah Gelb (62.), auf der Gegenseite holte sich Andrea Martin seine Karte in der 87. Minute ab - und verletzte sich wenig später unglücklich. Trainer Mayer kommentierte das trocken: "Andrea hat alles gegeben, vielleicht ein bisschen zu viel." Auch der eingewechselte Ludvig Jensen durfte noch in die Notizbücher: Gelb in der 88. Minute, vermutlich als Souvenir an einen hektischen Abend.

Neapel versuchte es in der Nachspielzeit noch einmal. In der 91. Minute feuerte Fernando Beltran einen letzten, verzweifelten Schuss ab - vorbei. Der Ball landete irgendwo im Oberrang, und eine ältere Dame in der dritten Reihe kommentierte trocken: "Na wenigstens hab ich jetzt ein Andenken."

Nach dem Abpfiff jubelten die Gäste ausgelassen, während Neapel ratlos auf den Rasen starrte. "Wir hatten das Spiel im Griff und haben es trotzdem verloren - das ist fast schon Kunst", murmelte ein sichtlich frustrierter Claudio Cerisano.

Bologna dagegen zeigte, wie man mit Disziplin, präzisem Flügelspiel und einer Prise Frechheit große Gegner ärgern kann. Trainer Mayer brachte es auf den Punkt: "Wir wollten nicht schön spielen, wir wollten gewinnen. Und manchmal ist das dasselbe."

So blieb den Neapolitanern nur der Trost, den Ball über weite Strecken dominiert zu haben - eine Statistik, die allerdings in der Tabelle nicht zählt. Bologna nahm drei Punkte mit, die Fans sangen auf der Heimfahrt, und irgendwo in Neapel knirschte Trainerstimme und Vesuv im Duett.

Ein Spiel, das zeigte: Fußball ist kein Schönheitswettbewerb, sondern ein launisches Drama. Und Bologna war an diesem Abend der bessere Regisseur.

23.07.643987 08:56
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Erich Ribbeck
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