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Das war kein Fußballspiel für Feingeister, sondern für jene, die sich gern an zähen Kämpfen erfreuen. 1:0 hieß es am Ende für UD Lanus beim 15. Spieltag der 1. Liga Argentinien - ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet gerecht war, auch wenn CD Colóns Fans (40.504 waren es an diesem warmen Februarabend) das wohl anders sehen. Von Beginn an machte Lanus klar, dass sie nicht zum Sightseeing nach Santa Fe gekommen waren. Schon in der ersten Minute prüfte Vitor Velez den Torhüter Roberto Espinosa mit einem Schuss, der mehr nach Frühwarnsystem roch als nach echter Torchance. Doch das sollte der Auftakt zu einer wahren Schussorgie werden: ganze 17 Mal feuerten die Gäste auf Espinosas Kasten, während Colón sich mit drei zarten Versuchen begnügte. "Wir wussten, dass Lanus gern schießt - aber dass sie gleich alles abfeuern, was nicht niet- und nagelfest ist, hat selbst mich überrascht", sagte Colón-Coach Sandro Felipe mit einem gequälten Lächeln nach dem Spiel. Sein Gegenüber David Sander grinste breit: "Offensiv war unser Plan, defensiv war es Hoffnung - aber manchmal reicht das." Die erste Halbzeit verlief torlos, aber keineswegs ereignislos. Leandro Galindo von Lanus holte sich in der 14. Minute eine gelbe Karte ab, als er etwas zu leidenschaftlich in einen Zweikampf grätschte - "Ich wollte nur den Ball, aber der Ball wollte nicht mich", kommentierte er später trocken. Kurz darauf sah Colóns junger Rechtsverteidiger Sergio Garcia ebenfalls Gelb, was sich später noch rächen sollte. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Lanus drückte, Colón verteidigte, und die Zuschauer hofften auf ein Wunder. Dado Barlecaj, gerade einmal 19, hatte in der 46. Minute die große Chance auf die Führung - sein Schuss war wuchtig, aber zu zentral. "Ich hab schon gejubelt, bevor der Ball den Torwart getroffen hat", gestand Barlecaj nach dem Spiel schüchtern. Dann kam die 69. Minute, und sie sollte über Sieg und Niederlage entscheiden. Der erfahrene Emilio Mocana, 36 Jahre jung und mit mehr grauen Haaren als die gesamte Colón-Abwehr zusammen, traf nach perfektem Zuspiel von Galindo aus halblinker Position. Ein Schuss, trocken wie argentinischer Rotwein - und ebenso wirkungsvoll. Espinosa streckte sich vergeblich, der Ball zischte ins lange Eck. 0:1. Colón versuchte danach, das Spiel zu drehen, doch der Wille war größer als die Struktur. Leonidas Vlahos scheiterte in der 87. Minute ein letztes Mal an Vincent Da Cru, dem Lanus-Keeper, der sich an diesem Abend kaum mit spektakulären Paraden, sondern mit stoischer Ruhe auszeichnete. "Ich hab einfach stehengeblieben. Manchmal hilft das", meinte Da Cru später lakonisch. Die Schlussphase wurde hitzig. Garcia, jener Unglücksrabe mit der frühen Gelben, flog in der 88. Minute nach einem taktischen Foul mit Gelb-Rot vom Platz - sehr zum Entsetzen seines Trainers. "Er ist jung. Vielleicht dachte er, zwei Gelbe ergeben Grün", murmelte Felipe, während er die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: 55 Prozent Ballbesitz für Lanus, 43 Prozent Zweikampfquote für Colón, 17 zu 3 Torschüsse. Ein Spiel, das auf dem Papier deutlicher aussieht, als das Ergebnis vermuten lässt - doch Fußball wird bekanntlich nicht auf Tabellenblättern entschieden, sondern auf Rasen, Emotion und manchmal auch Glück. Bei Lanus war man nach dem Schlusspfiff zufrieden, aber nicht euphorisch. "Ein Arbeitssieg", nannte Sander das. "Aber wenn du auswärts gewinnst, darfst du ruhig stolz sein." Mocana, der Held des Abends, winkte ab: "Ich wollte eigentlich raus, war schon ausgewechselt - und dann fiel das Tor. Vielleicht sollte ich öfter protestieren, wenn mich der Trainer runternehmen will." Für Colón bleiben Frust, eine rote Karte und die Erkenntnis, dass Einsatz allein keine Punkte bringt. "Wir haben gekämpft, aber Lanus war cleverer", fasste Kapitän Herrera zusammen. "Und wenn du keine Tore schießt, kannst du auch keine gewinnen - so einfach ist das." Ein Satz, der wohl noch in den Kabinen nachhallt. Denn während Lanus jubelnd in die Nacht verschwand, blieben die Fans von Colón zurück - enttäuscht, aber treu. Einer rief beim Hinausgehen: "Beim nächsten Mal treffen wir auch das Tor!" Ein anderer antwortete trocken: "Ja, aber hoffentlich das richtige." Und damit war der Abend perfekt zusammengefasst. 07.11.643990 21:35 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll