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Manchmal hat man das Gefühl, ein Fußballspiel kippt schon in den ersten zwanzig Minuten, lange bevor der Schiedsrichter zum ersten Mal auf die Uhr schaut. So geschehen an diesem frostigen Januarabend im "Catdome", wo die Sunderland Cats vor 27.000 frierenden, aber lautstarken Fans gegen ein eiskalt effizientes Midlands Villa mit 2:5 (1:3) untergingen. "Wir haben den Ball, sie die Tore", murmelte Cats-Trainer - sichtlich konsterniert - nach dem Schlusspfiff. Der Satz fasst den Abend perfekt zusammen: 48,9 Prozent Ballbesitz für Sunderland, 10 Torschüsse - aber kaum Ertrag. Midlands Villa dagegen: 17 Abschlüsse, fünf Treffer, eine Demonstration in Sachen Zielstrebigkeit. Schon der Auftakt war ein Vorgeschmack. Paul La Barre, der rechte Wirbelwind der Gäste, prüfte Cats-Keeper Riley Fairchild in der zweiten Minute. Achtzehn Minuten später durfte er jubelnd in Richtung Gästeblock sprinten - 1:0 für Villa nach einem feinen Zuspiel des jungen Arkadi Gordijuk, der mit seinen 17 Jahren aussah, als hätte er die Mathematik-Hausaufgaben noch im Bus erledigt. "Ich sah nur den Raum", grinste La Barre später, "und dachte, warum nicht?" Die Cats antworteten immerhin prompt: In der 20. Minute wuchtete William Malfoy - der Mann mit dem Filmnamen und dem Torriecher - nach Vorarbeit von Adam Bosworth das Leder in die Maschen. 1:1, das Stadion vibrierte. Für knapp drei Minuten glaubte man in Sunderland, das Spiel sei wieder offen. Dann zog Villa das Tempo an, als hätte jemand den Turbo-Knopf gedrückt. Erst traf der blutjunge Gordijuk (33.), dann der kaum ältere Gerhard Löffler (38.), jeweils nach mustergültigem Kombinationsspiel über die linke Seite. Der Pausenstand von 1:3 spiegelte die Kräfteverhältnisse eher zu freundlich wider. Fairchild im Cats-Tor verhinderte Schlimmeres, während seine Vorderleute abwechselnd in die Leere liefen oder in die falsche Richtung passten. "Wir haben in der Halbzeit gesagt: Jungs, das ist noch zu retten", erzählte Malfoy später mit bitterem Lächeln. Und tatsächlich kam Sunderland kämpferisch zurück. Wieder war es Malfoy, der in der 47. Minute nach Vorlage des gelbverwarnten Joel Callahan den Anschluss schaffte - 2:3, Hoffnung flackerte auf. Die Fans sangen, die Cats bissen wieder. Doch Midlands Villa hatte die passende Antwort parat. Nur zwei Minuten später stellte Lewis Devereux, der Routinier im Angriff, nach einem schnell ausgeführten Angriff über Daniel Schekow den alten Abstand wieder her. Und weil Devereux offenbar Gefallen daran gefunden hatte, legte er in der 81. Minute gleich noch einen nach - sein zweiter Treffer, vorbereitet von Adam Hoskins, besiegelte das 5:2-Endresultat. "Wir wollten ruhig bleiben, das Spiel kontrollieren", erklärte Villa-Coach Markus Posarnig nach dem Abpfiff mit einem zufriedenen Nicken. "Das war heute erwachsen. Besonders stolz bin ich auf die jungen Burschen - Gordijuk, Löffler, Leachman - sie haben gespielt, als würden sie schon ewig hier stehen." Die Cats hingegen wirkten, als hätten sie eher Lust auf einen warmen Tee als auf Zweikämpfe. Ihre Zweikampfquote lag bei mageren 46,7 Prozent, der Ballbesitz verpuffte in harmlosen Querpässen. "Wir haben zu brav gespielt", gab Kapitän Joshua Primes zu. "Und Villa war einfach gieriger." In der 76. Minute sah Löffler noch Gelb, was immerhin zeigte, dass jemand bei Villa nicht völlig ohne Emotion war. Sunderland dagegen blieb über weite Strecken zahnlos. Selbst die Fans, sonst für ihre Geduld bekannt, verließen in Scharen das Stadion, als Devereux den fünften Treffer markierte. Nur ein älterer Herr auf der Haupttribüne blieb sitzen und kommentierte lakonisch: "Na, wenigstens war’s unterhaltsam." Unterhaltsam - ja, wenn man neutral war. Für die Cats war es ein bitterer Abend. Zwei Tore von Malfoy waren zu wenig gegen eine Mannschaft, die mit chirurgischer Präzision zuschlug. Die Statistiker werden sich an Zahlen erfreuen - 51 Prozent Ballbesitz für Villa, 17 Torschüsse, 5 Tore - aber die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Effizienz schlägt Aufwand. "Wir haben gezeigt, was passiert, wenn man mutig bleibt", sagte Posarnig, bevor er im Spielertunnel verschwand. Ein Reporter rief ihm hinterher, ob er schon an den nächsten Gegner denke. "Immer", lachte er, "aber zuerst feiern wir den heutigen Sieg - vielleicht sogar mit einem heißen Kakao für die Jungen." Die Cats werden sich derweil fragen müssen, ob ihnen ein bisschen mehr Biss helfen könnte. Denn wer so zahm auftritt, sollte sich vielleicht einen anderen Vereinsnamen suchen. Und so blieb nach 90 Minuten plus Nachspielzeit nur die Erkenntnis: Midlands Villa war an diesem Abend einfach eine Nummer zu groß - und Sunderland bekam eine Lehrstunde in Sachen Kaltschnäuzigkeit. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen zusammenfasste: "Wenn du fünf Stück kriegst, hilft auch kein Katzenjammer mehr." 04.03.643987 18:24 |
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