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Wenn 40.149 Zuschauer an einem kalten Januarabend in das Midlands-Stadion pilgern, dann erwarten sie Drama. Und das bekamen sie - mit allem, was dazugehört: Traumtore, Verletzungen, ein Platzverweis und am Ende ein Last-Minute-Jubel, der die Anwohner wohl bis Mitternacht wach hielt. Midlands Villa besiegte die favorisierten London Gunners mit 3:2 (1:0) und holte damit den dritten Heimsieg in Folge. Dabei sah es zeitweise gar nicht nach einem Happy End für die Hausherren aus. In der Anfangsphase dominierten die Gunners das Geschehen, wie sie es eben tun - elegant, technisch sauber, aber ohne Ertrag. 18 Torschüsse notierte die Statistik am Ende für die Londoner, doch der Ball wollte einfach nicht oft genug rein. "Wir hätten das Spiel schon in der ersten Halbzeit entscheiden müssen", knurrte Gunners-Coach Boris Bach später. Seine Stimme klang, als hätte er eben den letzten Rest Geduld verloren - und das nach einem Spiel, in dem sein Team 52 Prozent Ballbesitz hatte. Den ersten Stich setzte nämlich Midlands Villa. In der 33. Minute nahm sich der 20-jährige Jacob Whitman ein Herz und jagte den Ball nach Vorlage von Ludvig Jensen aus gut 20 Metern in den Winkel - ein Sonntagsschuss am Dienstagabend. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Whitman später. "Und gehofft, dass keiner merkt, dass ich eigentlich flanken wollte." Trainer Markus Posarnig lachte nur: "Wenn das eine Flanke war, dann soll er bitte öfter flanken." Nach der Pause kamen die Gunners wütend aus der Kabine. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff traf Roberto Beilin, 25 Jahre jung und schnell wie ein Londoner Doppeldecker bei Rückenwind, nach Flanke von Julio Molina zum Ausgleich (48.). Die Gäste schienen das Spiel drehen zu wollen, Midlands wankte - aber fiel nicht. Im Gegenteil: In der 63. Minute grätschte sich der rechte Verteidiger Lewis Cloutier nach einer Ecke in die Geschichtsbücher. Der Ball prallte ihm eher zufällig vom Schienbein ins Tor, aber wer will da kleinlich sein? 2:1 für Villa, und das Stadion vibrierte. Dann wurde es wild. In der 68. Minute humpelte der bis dahin starke Jensen verletzt vom Platz, sein Ersatz Luís Deco brachte sofort Feuer - im wahrsten Sinne. Erst kassierte er in der 72. Minute Gelb, dann in der 81. die Ampelkarte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", murmelte Deco später in die Mikrofone. Posarnig verdrehte die Augen: "Ja, das hat er geschafft." In Unterzahl begann das große Zittern. Die Gunners warfen alles nach vorn, und erneut war es Beilin, der in der 84. Minute nach schöner Vorarbeit von Erik Mathiesen den Ball über die Linie drückte. 2:2 - der Auswärtsblock tobte, die Villa-Fans jaulten. Doch das Spiel hatte noch ein letztes Kapitel. In der Nachspielzeit, als alle schon mit dem Punkt rechneten, kam ein weiter Freistoß in den Strafraum. Innenverteidiger Alexander Lockhart stieg hoch, legte per Kopf ab, und Samuel Browning, erst 21, stand goldrichtig: 3:2 in der 92. Minute! Der junge Stürmer riss die Arme hoch, rannte Richtung Eckfahne - und wurde dort fast von seinen Mitspielern erdrückt. "Ich hab nur noch weiß gesehen", lachte Browning nach dem Abpfiff. Die Gunners versuchten es noch, hatten durch Ortega und Beilin Chancen in der Nachspielzeit, aber Torwart Oscar Aldecoa hielt, was zu halten war. Und als Schiedsrichter McAllister abpfiff, war der Jubel grenzenlos. Statistisch gesehen hatten die Londoner mehr vom Spiel: mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen. Aber Fußball wird bekanntlich nicht am Reißbrett entschieden. "Wir haben mit Herz gespielt, nicht mit Tabellenrechner", sagte Coach Posarnig stolz. Sein Londoner Kollege Bach konterte trocken: "Herz ist schön, aber Punkte wären mir lieber." Ein Abend, der alles hatte - außer Langeweile. Midlands Villa bleibt damit oben dran, während die Gunners sich fragen müssen, wie man ein Spiel mit 18 Torschüssen verlieren kann. Vielleicht lag es am Rasen, vielleicht am Schicksal - oder einfach an einem Gegner, der sich weigerte, klein beizugeben. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein alter Fan beim Verlassen des Stadions: "Früher haben wir solche Spiele verloren. Heute gewinnen wir sie. Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Hoffnung und Glaube." Ein schöner Gedanke - zumindest bis zum nächsten Spieltag. 29.03.643987 17:07 |
Sprücheklopfer
Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Ich meinte: ein Quartett.
Fritz Walter Junior