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Die 33.628 Zuschauer im ehrwürdigen San Siro sahen an diesem Freitagabend ein Spiel, das in seiner Dramaturgie an einen alten italienischen Film erinnerte: ein bisschen Kunst, ein bisschen Chaos - und am Ende ein klarer Sieg für die Rot-Schwarzen aus Mailand. 2:0 hieß es nach 90 Minuten gegen den SC Florenz, und Trainer Ray Pan hätte wohl auch mit einem Espresso in der Hand nicht gelassener wirken können. "Wir haben die Kontrolle behalten, obwohl Florenz jung, wild und laufstark war", sagte Pan nach dem Abpfiff. "Aber am Ende gewinnt Erfahrung - und ein Rechtsverteidiger mit Schuss." Damit meinte er natürlich Arne Bode, den 21-jährigen Außenverteidiger, der in der 70. Minute mit einem wuchtigen Distanzschuss das 2:0 markierte. Ein Treffer, der so trocken daherkam wie ein toskanischer Weißwein. Zuvor hatte Altmeister Alessandro Spina (32) die Mailänder in der 38. Minute in Führung gebracht. Der Linksaußen vollendete nach feinem Zuspiel von Poyraz Camdali, der sich durch die florentinische Abwehr schlängelte, als wolle er auf einem Wochenmarkt Oliven probieren. Spina grinste nach dem Tor nur und meinte später: "Ich hab einfach gemacht, was ich seit 15 Jahren mache - den Ball reindrücken, bevor der Torwart merkt, dass ich noch laufe." Florenz dagegen kämpfte tapfer, aber vergeblich. Die jungen Wilden um den erst 17-jährigen Stürmer Dario Albanese versuchten es immer wieder mit schnellen Kontern, doch meist endeten diese in den sicheren Händen von Francesco Imperiale, dem Mailänder Schlussmann, der an diesem Abend mehr Applaus für seine Ruhe bekam als für Paraden. Vier Torschüsse brachte Florenz zustande - mehr nicht. Mailand dagegen zählte stolze 16 Abschlüsse und hatte mit 55 Prozent Ballbesitz die Zügel fest in der Hand. Ein kurzer Moment der Hoffnung blitzte für Florenz kurz nach der Pause auf, als Edoardo Gamper (49.) und Gianni Jacurso (50.) zwei gefährliche Schüsse abfeuerten. Doch Imperiale blieb eiskalt. "Ich hab mir gedacht: Jungs, ihr müsst schon besser zielen. Ich hab heute Abend noch Pasta auf dem Herd", witzelte der Torwart nach dem Spiel. Trainer Giovanni Ferrari, sonst ein Mann der großen Gesten, wirkte nach dem Abpfiff erstaunlich gefasst. "Wir wussten, dass Mailand zu Hause stark ist. Unsere Jungs sind jung, das ist Lehrgeld. Zwei Gelbe Karten? Nun ja, wir wollten wenigstens Spuren hinterlassen." Gemeint waren die Verwarnungen gegen Jacopo Locatelli (76.) und Daniele Greco (81.), die beide in hitzigen Zweikämpfen den Einsatz etwas zu wörtlich nahmen. Ein kleiner Höhepunkt am Rande: Als in der 55. Minute der 20-jährige Silvestre Frechaut für den erschöpften Spina eingewechselt wurde, applaudierte das Publikum stehend. Frechaut bedankte sich mit mehreren beherzten Läufen über links und tauchte gleich drei Mal gefährlich vor dem Tor auf - ohne Erfolg, aber mit Stil. Taktisch blieb Mailand unter Pan seiner Linie treu: ausgewogen, ruhig, geduldig. Kein wildes Pressing, kein hektisches Ballgeschiebe. Florenz versuchte das Gleiche - allerdings mit weniger Effektivität. Beide Teams starteten mit balancierter Ausrichtung, aber während Mailand die "SURE"-Variante des Schießens bevorzugte (sprich: gezielt statt wild), wirkten die Gäste manchmal so, als wollten sie beweisen, dass man auch ohne Zielgenauigkeit zum Abschluss kommen kann. Nach dem zweiten Treffer von Bode war die Partie gelaufen. Der junge Rechtsverteidiger, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, wurde von seinen Mitspielern gefeiert, als hätte er gerade die Champions League entschieden. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er später lachend. "Aber dann dachte ich, warum nicht mal aufs Tor? Und siehe da - Glück gehabt." Als Schiedsrichter Paolo Santini nach 94 Minuten abpfiff, war die Sache klar: Mailand bleibt oben dran, Florenz nimmt die Erfahrung mit. Ray Pan verabschiedete sich mit einem höflichen Nicken Richtung Gästebank, während Ferrari seinem Team noch auf dem Rasen Mut zusprach - eine Szene, die selbst die Mailänder Kurve mit Applaus bedachte. "Das war ein erwachsener Auftritt", fasste Kapitän Marcello Esaro zusammen. "Wir haben gezeigt, dass Geduld und Präzision manchmal schöner sind als Spektakel." Und so gingen die Lichter im San Siro aus, die Fans summten zufrieden, und irgendwo in der Kabine tönte ein Spieler: "Arne, du bist jetzt offiziell Stürmer ehrenhalber!" - worauf Bode nur grinste und antwortete: "Dann will ich auch Torprämie." Ein ganz normaler Abend also in Mailand - zumindest, solange Rechtsverteidiger Tore schießen und Trainer Pan die Ruhe selbst bleibt. 18.03.643994 23:30 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
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