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Ein kühler Abend in der Lombardei, Flutlicht, 38.500 Zuschauer und ein Intar Mailand, das offenbar beschlossen hatte, dem Fußballgott an diesem 12. Spieltag der 1. Liga Italien eine kleine Opfergabe zu bringen: 15 Torschüsse, 2 Tore, 3 Gelbe Karten - und jede Menge Spektakel. Der FC Cagliari durfte sich derweil mit dem Ballbesitz trösten (56 Prozent!), aber am Ende stand ein nüchternes 2:0 für die Gastgeber - und die Erkenntnis, dass Statistik allein noch keine Punkte bringt. Von Beginn an diktierte Intar Mailand das Geschehen - wenn auch nicht mit dem Ball, so doch mit Tempo und Aggressivität. Trainerin Denise Ahlheit hatte ihre Elf gewohnt offensiv eingestellt, und schon nach wenigen Minuten donnerte Verteidiger Rutger Hogarth seinem Gegenspieler in die Knochen. Gelb in der 6. Minute - ein Statement. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", grinste Hogarth später in der Mixed Zone, "vielleicht ein bisschen zu deutlich." Dann kam die Show des Abends: Robbe Depuysseleyr, 34 Jahre jung, rechts außen und offenbar in der Stimmung, die Zeit anzuhalten. In der 21. Minute startete Runar Kolvidsson einen Lauf über die rechte Seite, flankte mit chirurgischer Präzision, und Depuysseleyr drosch den Ball per Direktabnahme in die Maschen. 1:0, Mailand tobte. "Ich hab’ einfach draufgehauen", sagte der Belgier trocken, "wenn ich nachdenke, geht’s meistens daneben." Cagliari wirkte bemüht, aber harmlos. Der einzige Schuss aufs Tor - ein Distanzversuch von Valerio Alberti in der Nachspielzeit der ersten Hälfte - landete brav in den Armen von Heikki Ylönen. Der Finne im Intar-Tor hätte wahrscheinlich auch Zeit gehabt, sich noch einen Espresso zu holen. Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild gleich: Cagliari schob sich den Ball zu, Mailand lauerte - und schlug eiskalt zu. In der 51. Minute bediente Mittelfeldmotor Alvertos Charisteas den bulligen Osip Gorlukowitsch, der den Ball mit der Brust annahm, sich drehte und trocken einschob. 2:0. Trainerin Ahlheit sprang von der Bank, brüllte etwas, das entfernt nach "So will ich das sehen!" klang, und grinste anschließend in Richtung Bank. "Osip hat’s verstanden", erklärte sie später. "Ein Stürmer muss manchmal einfach den Kopf ausschalten - und den Fuß einschalten." Danach war das Spiel im Grunde entschieden. Cagliari versuchte es mit gepflegtem Ballbesitz, kam aber nicht einmal gefährlich vors Tor. Intar zog sich etwas zurück, verlegte sich aufs Kontern - und auf Gelbe Karten. Tiburtius Anderson (54.) und Yves Barrymore (67.) sahen beide Gelb für rustikale Einsätze, die in der Kurve mit Szenenapplaus bedacht wurden. "Das war kein Foul, das war Pädagogik", witzelte Barrymore später. Ahlheit nutzte die Führung, um durchzuwechseln. In der 70. Minute kam Nicola Carlucci für den fleißigen Gianni Di Calabria, kurz darauf Robert Greaves für Barrymore. "Ich wollte frische Beine - und weniger Herzinfarkte auf der Bank", lachte die Trainerin. Die letzten Minuten plätscherten dahin, Intar kontrollierte das Geschehen, Cagliari schien versöhnt mit dem Schicksal. Als der Schlusspfiff ertönte, reckten die Spieler der Gastgeber die Fäuste gen Himmel, während die Gäste mit leerem Blick in Richtung Tribüne trotteten. Statistisch gesehen war Cagliari sogar leicht überlegen im Ballbesitz - 56 zu 44 Prozent -, aber das wirkte fast ironisch angesichts der Realität: nur ein Torschuss, kein Treffer, keine echte Gefahr. "Wir hatten den Ball, aber sie hatten Spaß", brachte es Cagliari-Mittelfeldmann Lorenzo Scalea auf den Punkt. Und während die Fans noch sangen und die Flutlichter glitzerten, zog Ahlheit ihr Fazit: "Wir haben heute gezeigt, dass Intensität wichtiger ist als Prozentzahlen. Und dass man auch mit 43 Prozent Ballbesitz dominant sein kann - wenn man weiß, was man damit tut." So verabschiedete sich Intar Mailand mit einem souveränen 2:0, das klarer war, als es das Ergebnis vermuten ließ. Zwei Tore, null Gegentreffer, drei Gelbe Karten - und das Gefühl, dass hier eine Mannschaft spielt, die Spaß an ihrer eigenen Ernsthaftigkeit hat. Oder, wie Depuysseleyr es sagte, bevor er in die Kabine verschwand: "Wenn Fußball einfach wäre, würde’s jeder machen. Aber dann wäre’s ja kein Spaß mehr." Ein Satz, der an diesem Abend so treffend war wie sein Volley zum 1:0. 06.06.643987 10:38 |
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