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47672 Zuschauer im Londoner Stamford Park sahen am Montagabend ein Spiel, das sie so schnell nicht vergessen werden - auch wenn sie sich vermutlich wünschen, sie könnten es. Die London Blues und die Sunderland Cats trennten sich 0:0, ein Ergebnis, das auf dem Papier nach Langeweile klingt, in Wahrheit aber eine Mischung aus Slapstick und Tragikomödie war. Von Beginn an rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Gäste. Schon in der ersten Minute prüfte der 21-jährige Leo Fairchild den Sunderland-Keeper Riley Fairchild (keine Verwandtschaft, wie beide anschließend lachend betonten). "Ich dachte, der Ball sei schon drin," grinste Leo später, "aber Riley hat wohl eine Katze in der Tasche gehabt." Eine passende Metapher: Der Torwart der Cats fischte an diesem Abend fast alles aus der Luft, was blau war. Die Statistik spricht Bände - 23 Torschüsse der Blues, ganze zwei auf der anderen Seite. Ballbesitz? Fast ausgeglichen, 50,7 zu 49,3 Prozent. Aber das sagt nichts über das Gefühl auf dem Platz: Die Londoner spielten, die Cats verteidigten, und zwar mit der Grazie einer Betonwand. Trainer Fabio Rapi der Blues hob nach dem Abpfiff beide Hände und seufzte: "Wenn du 90 Minuten auf ein Tor drückst und der Ball einfach nicht rein will, dann überlegst du, ob das Tor vielleicht kleiner geworden ist." Im ersten Durchgang war besonders José María Farinos der Mann mit der größten Zielstrebigkeit - und der schlechtesten Laune. Drei Mal schoss er aus der Distanz (33., 38., 44.), drei Mal flog der Ball knapp am Pfosten vorbei. "Ich habe die Latte gespürt," jammerte er halb im Spaß, halb im Frust. Neben ihm ackerte Owen Ward auf dem linken Flügel, rannte, flankte, schoss - und verzog. Es war, als hätte jemand heimlich die Schusskraft auf "freundschaftlich" gedreht. Sunderland Cats? Nun, sie kamen gelegentlich über die Mittellinie - meistens, um kurz Hallo zu sagen. Liam Caroll hatte kurz vor der Pause (45.) die einzige echte Chance für die Gäste, aber Bent Ipsen im Londoner Tor wollte sich an diesem Abend offenbar nicht langweilen und pflückte den Ball mühelos herunter. Nach der Pause dasselbe Bild: London drückte, Sunderland mauerte. Kian Hoskins, der 21-jährige Linksfuß, prüfte den gegnerischen Keeper zweimal (49., 55.), Leo Fairchild feuerte weitere Salven ab (60., 61., 87.), Owen Ward flankte verzweifelt (68., 70., 89.). Wenn Tore durch reine Willenskraft fielen, hätte es 5:0 gestanden. Stattdessen blieb es beim 0:0 - ein Ergebnis, das sich wie ein schlechter Witz anfühlte. In der 79. Minute brachte Rapi frisches Blut: Der 18-jährige Benjamin Ross kam für Hoskins, und ein weiterer Teenager, Klaas-Jan Huntelaar (nicht *der* Huntelaar, aber der Name sorgt in London trotzdem für Hoffnung), ersetzte den müde gewordenen Veteranen Jay Sterling. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach Spaß haben", erklärte Rapi später, "aber Spaß haben ist schwer, wenn der Ball nicht rein will." Sunderland-Coach - der sich nach dem Spiel hinter einer dicken Kapuze versteckte - grinste nur: "Wir hatten unseren Plan. Es war… überleben." Und das taten seine Cats mit einer bemerkenswerten Konsequenz. Samuel Warriner schaffte es in der 86. Minute tatsächlich zu einem Torschuss, der das Publikum kurz zum Luftholen brachte - der Ball flog aber in die dritte Etage der Tribüne, wo ein Fan ihn prompt als Souvenir behielt. Als der Schlusspfiff ertönte, war es weniger ein Ende als eine Erlösung. Die Blues-Fans pfiffen nicht, sie seufzten - gemeinsam, kollektiv, fast liebevoll. Man hatte alles versucht. Und wenn es ein Trost war: Die Mannschaft zeigte Einsatz. Die Taktik der Londoner war spätestens am Ende klar auf Offensive und Flügelangriff getrimmt, mit starkem Pressing und vollem Einsatz. Nur der Fußballgott hatte wohl einen Abend frei. "Manchmal ist null einfach eine Zahl, die weh tut," murmelte Kapitän Owen Ward beim Verlassen des Rasens. Und Torhüter Bent Ipsen, der das ganze Spiel über kaum beschäftigt war, fügte hinzu: "Ich hab mir in der 80. Minute gewünscht, sie würden mal schießen - nur damit ich was zu tun hab." So endete ein Abend, an dem die London Blues alles taten - außer treffen. Sunderland Cats reisen mit einem Punkt nach Hause, der sich für sie wie ein Sieg anfühlt. Und London? Die Blues müssen sich fragen, ob man Tore vielleicht doch nicht mit purem Willen erzwingen kann. Oder, wie Trainer Rapi trocken meinte: "Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können - und Riley Fairchild hätte trotzdem alles gehalten." Ein 0:0, das in Erinnerung bleibt. Nicht, weil viel passierte - sondern weil alles passierte, außer das, worauf alle warteten. 22.08.643993 14:05 |
Sprücheklopfer
Ja gut, ich sag mal so: Woran hat's gelegen? Das ist natürlich die Frage und ich sag einfach mal: Das fragt man sich nachher natürlich immer!
Olaf Thon auf die Frage nach dem Grund einer Niederlage