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Ein lauer Februarabend in London, Flutlicht über Stamford Bridge, 55.304 Zuschauer und ein Heimteam, das sich wieder einmal in die Herzen seiner Fans kombiniert - wenn auch mit gelegentlichen Schnappatmungen in der Defensive. Am 32. Spieltag der 1. Liga England setzten sich die London Blues mit 2:1 (1:1) gegen ein tapfer kämpfendes Southampton durch. Ein Ergebnis, das so knapp war wie der Abstand zwischen Begeisterung und Verzweiflung auf der Tribüne. Schon nach elf Minuten durften die Gäste jubeln - und das nicht etwa nach einem Zufallstreffer, sondern nach einem blitzsauberen Angriff durch die Mitte. Mittelfeldmann Jan Haswell spielte einen Pass, der den Begriff "schnittstellenpräzise" neu definierte. Bojan Smiljanic, der serbische Mittelstürmer mit der Körpersprache eines Opernsängers, ließ sich nicht zweimal bitten und versenkte eiskalt. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Smiljanic später, "und gehofft, dass der Keeper gerade an seine Steuererklärung denkt." Doch die Blues antworteten prompt: Nur vier Minuten später zog Gabriel Hathaway, der junge Linksaußen mit der Dynamik eines Espresso-Doppels, ab - und traf. Vorlagegeber war ausgerechnet der 21-jährige Rechtsverteidiger Marcel Bonald, der den Ball zuvor mit einem beherzten Sprint über die Linie gerettet hatte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Hathaway nach dem Spiel zu, "aber dann dachte ich, warum nicht mal den Pfosten anvisieren? Der Rest war Glück… oder Physik." Mit dem 1:1 zur Pause war das Spiel völlig offen. Die Blues dominierten zwar mit fast 59 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüssen, doch Southampton blieb mit acht gefährlichen Abschlüssen stets präsent. Trainer Fabio Rapi der Blues wirkte an der Seitenlinie wie ein Dirigent zwischen Genie und Wahnsinn, während sein Gegenüber Raine Maida stoisch an seiner Wasserflasche nuckelte - vermutlich in der Hoffnung, dass sie bald zu etwas Hochprozentigem mutierte. Nach dem Seitenwechsel erhöhte London das Tempo, und in der 52. Minute fiel die Entscheidung: Christoph Steffen, der rechte Flügelstürmer im besten Fußballalter, traf nach einer Ecke von Innenverteidiger Rhys Bosworth - ja, richtig gelesen, der Abwehrmann hatte die Ecke getreten. "Ich hab’s im Training probiert", erklärte Bosworth lachend, "und da ist keiner gestorben. Also hab ich’s wieder gemacht." Steffen nickte den Ball wuchtig ins Netz, und die Blues hatten ihren verdienten 2:1-Vorsprung. Danach wurde es ruppiger. Joel Primes und Samuel Forsythe handelten sich Gelbe Karten ein, Southampton konterte mit robustem Körpereinsatz, insbesondere durch William Dennehy, der bereits in der 13. Minute verwarnt worden war. "Das war gar keine Gelbe", schimpfte Dennehy später, "ich wollte nur freundlich den Ball abnehmen." Der Schiedsrichter sah das anders. Die Schlussphase bot Drama pur: Southampton wechselte offensiv - Alfie Marley und Javi Bosingwa kamen, um den Ausgleich zu erzwingen. Doch London stellte auf Pressing um, verteidigte mit Herz, Hirn und gelegentlich auch mit Hilfe der Eckfahne. Torhüter Bent Ipsen parierte in der 87. Minute glänzend gegen Marc Muster, ehe Stephane Matthieu kurz darauf verletzt vom Platz musste. Trainer Maida schüttelte den Kopf: "Wenn du am Ende nur noch mit halben Flügeln fliegst, wird’s schwer." Als der Schlusspfiff ertönte, atmete Fabio Rapi tief durch. "Wir machen’s halt gern spannend", sagte er in der Pressekonferenz. "Aber wenigstens bleiben meine Pulswerte im Training hoch." Sein Gegenüber Maida nahm die Niederlage gefasst: "London war heute reifer. Wir haben gekämpft, aber manchmal gewinnt eben der, der weniger Fehler macht - und ein bisschen mehr Glück hat." Unterm Strich war es ein verdienter, wenn auch hart erarbeiteter Sieg für die Blues. Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Geduld. Und vielleicht auch mehr Witz. "Ich glaube, wir spielen besser, wenn wir zurückliegen", meinte Torschütze Steffen augenzwinkernd. "Vielleicht sollten wir einfach jedes Spiel mit einem Eigentor anfangen." Ob Trainer Rapi diese Strategie übernehmen wird, bleibt abzuwarten. Für den Moment aber konnte er sich über drei Punkte und die Gewissheit freuen, dass seine Mannschaft auch unter Druck die Contenance behält - und das Publikum mit einer Mischung aus Nervenkrieg und Feinkostfußball bestens unterhält. Ein Sieg, der in keiner Highlight-Show fehlen wird - und doch typisch Blues: überzeugend, charmant chaotisch und am Ende gerade noch souverän genug, um den Abend mit einem Lächeln und einem leicht erhöhten Puls zu beenden. 13.04.643990 11:21 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte