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Ein lauer Märzabend im St. Mary’s Stadium, 51.184 Zuschauer, Flutlicht und die leise Hoffnung, dass Southampton gegen die London Blues endlich mal wieder den Bock umstößt. Am Ende stand ein 1:2 (0:1) auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet gerecht, emotional gesehen aber bitter für die Hausherren war. Schon in der sechsten Minute riss Samuel Lancaster die Partie an sich. Der 21-jährige Flügelstürmer der London Blues, schnell wie eine Bahn aus den 90ern, setzte sich nach Pass von Samuel Forsythe auf der linken Seite durch und schlenzte den Ball ins lange Eck. Es war der klassische frühe Nackenschlag, den Southampton-Trainer Raine Maida später trocken kommentierte: "Wir wollten kompakt stehen - tja, das hat exakt fünf Minuten gehalten." Southampton reagierte wütend, aber unpräzise. Zwölf Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, dazu mehrere verheißungsvolle Szenen von Samuel Browning, der gefühlt alles traf - nur nicht das Tor. "Ich glaube, der Ball hat heute lieber den Zaun geküsst als das Netz", grinste Browning nach Abpfiff selbstironisch. Die London Blues, unter der Leitung des temperamentvollen Fabio Rapi, spielten dagegen wie eine perfekt geschmierte Maschine. Offensiv ausgerichtet, aggressiv im Zweikampf, aber mit der Gelassenheit eines Teams, das weiß, wann es zupacken muss. Kurz nach der Pause, in der 57. Minute, schlug der erst 19-jährige Klaas-Jan Huntelaar zu - nach einem langen Ball von Innenverteidiger Cedric Van Haute. Zwei Kontakte, ein Abschluss, ein Tor. Lehrbuch. "Der Junge hat keine Angst. Er denkt auch nicht, er schießt einfach", schwärmte Rapi später und klopfte seinem Stürmer auf die Schulter. Huntelaar selbst stand da mit einem Eisbeutel am Knie - er musste in der 73. Minute verletzt raus -, grinste aber breit: "Besser ein angeschlagenes Knie als eine Null auf der Tafel." Southampton gab sich nicht auf, und der Fußball-Gott hatte ein kleines Einsehen. In der 63. Minute brachte Joshua Ackland die Saints zurück ins Spiel. Nach feinem Zuspiel von Jan Haswell donnerte der 24-Jährige den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte - das Stadion explodierte. Die Hoffnung flackerte, die Fans standen, die Trommeln dröhnten. Doch das Aufbäumen kam zu spät. Zwar drückten die Gastgeber in der Schlussphase mit vollem Einsatz - Trainer Maida hatte auf Flügelspiel und aktives Pressing umgestellt, die Taktik von "lange Bälle und hoffen" auf "alles oder nichts" gedreht -, aber die Londoner Defensive hielt stand. Keeper Bent Ipsen pflückte Hereingaben wie Äpfel vom Baum, und als in der 93. Minute Eustatius Winchel per Kopf die letzte Chance vergab, war klar: Der Abend gehört den Gästen. Einziger kleiner Makel für die Blues: die Verletzung von Huntelaar. Rapi winkte ab: "Das ist nur ein Schlag. Wir haben schlimmeres überlebt - zum Beispiel den Londoner Winter." Die Zahlen bestätigen die gefühlte Wahrheit: Southampton hatte mehr Ballbesitz (52 Prozent), mehr Torschüsse (12 zu 9) und mehr Mut - doch die Blues waren effizienter, cleverer und abgebrühter. Oliver Couture fing sich in der 68. Minute noch Gelb ein, was sinnbildlich für den Frust der Hausherren stand. "Wir wollten Druck machen, haben aber eher uns selbst gepresst", meinte Kapitän Haswell mit einem gequälten Lächeln. Und so reisten die London Blues mit drei Punkten im Gepäck zurück in die Hauptstadt, während Southampton wieder einmal in die Glaskugel schauen darf, um zu verstehen, warum gute Ansätze und schöner Fußball nicht reichen. Vielleicht, weil am Ende einer wie Samuel Lancaster den Unterschied macht - jung, frech, unbeeindruckt. Vielleicht aber auch, weil Fabio Rapi an der Seitenlinie so laut dirigiert, dass selbst der Linienrichter lieber nachgibt. "Ich habe gesagt: Jungs, wenn wir vorne ein Tor machen, dann dürfen sie hinten ruhig ein bisschen schwimmen", verriet Rapi mit einem Augenzwinkern. Seine Mannschaft nahm ihn wohl wörtlich - aber sie schwamm eben nie unter. Fazit: Southampton kämpfte, die London Blues siegten, und alle verließen das Stadion mit dem Gefühl, ein intensives, ehrliches Fußballspiel gesehen zu haben. Nur der Heimtrainer Raine Maida murmelte beim Gang in die Kabine: "Wenn Fußball gerecht wäre, hätten wir mindestens unentschieden gespielt." Tja, aber wann war er das schon? 07.03.643994 06:05 |
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Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt.
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