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Ein kalter Montagabend, 45.591 Zuschauer, und auf dem Rasen des Molineux-Stadions eine Partie, die alles hatte: Hektik, Karten, Chancen - nur eben keine Tore für die Gastgeber. Wolverhampton unterlag den London Blues mit 0:2, und das, obwohl die Gäste ab der 71. Minute nach einer Roten Karte in Unterzahl spielten. "Wir hätten wahrscheinlich noch drei Tage spielen können", seufzte Wolfs-Coach Linus Van Pelt nach der Partie, "und der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen." Dabei hatte das Spiel durchaus verheißungsvoll begonnen - zumindest, wenn man neutrale Unterhaltung suchte. Schon nach einer Minute holte sich Juriaan Vrooman die erste Gelbe Karte ab. Offenbar wollte er ein Zeichen setzen, dass man in Wolverhampton Körperkontakt nicht scheut. Doch das Zeichen verstanden vor allem die London Blues: Nach nur neun Minuten tanzte Owen Ward an der linken Seite, legte quer, und Samuel Forsythe versenkte trocken zum 0:1. "Ich hab den Ball einfach getroffen, mehr nicht", grinste Forsythe später und fügte schelmisch an: "Aber das reicht ja manchmal." Wolverhampton reagierte wütend, rannte an, schoss aus allen Lagen - 13 Torschüsse insgesamt, fünf allein in der ersten halben Stunde. Maximilian Dubois, der Stoßstürmer mit dem Namen eines französischen Poeten, scheiterte gleich mehrfach an Blues-Keeper Bent Ipsen, der einen dieser Abende hatte, an denen sogar der Ball Respekt zeigt. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft er mir die Handschuhe gezeigt hat", so Dubois, halb lachend, halb verzweifelt. Zur Pause stand es 0:1, aber von Resignation keine Spur. Van Pelt wechselte in der 46. Minute: Ricardo Caballero, der zuvor Gelb gesehen hatte, musste runter, Ingo Deco kam. Es sollte ein Wechsel mit Symbolkraft werden - allerdings eher für die Gelbstatistik. Denn auch Deco holte sich in der 62. Minute prompt seine Verwarnung ab. "Vielleicht wollte er einfach nicht, dass Caballero sich allein fühlt", witzelte ein Fan auf der Tribüne. In jener Phase nahmen die Blues das Tempo etwas heraus, kontrollierten das Geschehen - bis zu jenem Moment in der 71. Minute, als der junge Rechtsverteidiger Marcel Bonald sich zu einem rustikalen Einsteigen hinreißen ließ. Die Rote Karte war unumgänglich. "Er hat den Ball getroffen - leider erst nach dem Gegner", murmelte Blues-Coach Fabio Rapi später trocken. Doch anstatt einzubrechen, konterten die Londoner in bester Lehrbuchmanier. In der 73. Minute nutzte der gerade eingewechselte 20-jährige Leo Fairchild (nein, nicht verwandt mit dem gleichnamigen Wolverhampton-Mittelfeldmann, auch wenn das die Kommentatoren verwirrte) eine Vorlage von Forsythe und traf zum entscheidenden 0:2. "Ich hab nur gedacht: Jetzt bloß nicht drüber!", erzählte der Youngster nach dem Spiel. "Und dann war der Ball drin. Einfach wunderbar." Wolverhampton drückte weiter, Dubois schoss in der 83. und 95. Minute noch zweimal gefährlich aufs Tor - aber Bent Ipsen blieb unbezwingbar. Selbst die Einwechslung des 19-jährigen Ersatztorhüters Xabi Frechaut in der 87. Minute - eine bizarre, wohl verletzungsbedingte Entscheidung - brachte keine Wende. "Wenn du deinen zweiten Torwart reinschickst, um vielleicht noch ein Tor zu machen, weißt du, dass der Abend seltsam läuft", kommentierte ein Kollege auf der Pressetribüne süffisant. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen: 50,5 Prozent Ballbesitz für Wolverhampton, 49,5 für die Blues. Die Hausherren führten auch in der Zweikampfquote. Nur in der Rubrik "Effizienz" lagen die Londoner deutlich vorn - zwei Chancen, zwei Tore, fertig. Trainer Rapi fasste das Rezept seines Teams gewohnt schnörkellos zusammen: "Manchmal muss man nicht schön spielen, sondern nur richtig stehen." Sein Gegenüber Van Pelt hingegen wirkte ratlos: "Wir haben alles versucht - Flanken, Fernschüsse, Stoßgebete. Vielleicht war es einfach nicht unser Abend." Als die Fans kurz vor Mitternacht in die frostige Nacht hinaustapsten, blieb ihnen immerhin die Gewissheit, ein intensives Spiel gesehen zu haben - und die Hoffnung, dass Tore irgendwann wieder in Wolverhampton landen dürfen. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wir hatten mehr Schüsse, mehr Ball, mehr Gelbe Karten - nur das mit den Toren müssen wir noch üben." Und so verließen die London Blues das Molineux als Sieger - abgeklärt, abgebrüht, eiskalt. Wolverhampton dagegen blieb nur der Trost, dass man auch ohne Tore eine ganze Menge Unterhaltung bieten kann. 25.08.643987 05:35 |
Sprücheklopfer
Wir werden uns zu einer Krisensitzung zusammensetzen, weil wir nur 4:2 gegen den VfB gewonnen haben.
Oliver Kahn